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Corona-Apps sollen Infektionsketten nachverfolgen und datenschutzrechtlich einwandfrei sein.

Querelen um den Datenschutz : Frage nach Gesundheit und Datenschutz

Corona-Apps sollen Infektionsketten nachverfolgen, aber auch datenschutzrechtlich einwandfrei sein.

() Die Nachverfolgung der Ausbreitung des Coronavirus erfordert eine Menge Personal und viel Zeit, wenn man die Infizierten persönlich befragt, mit wem sie zuletzt Kontakt hatten. Mit der Unterstützung von Smartphone-Apps soll dieser Prozess deutlich beschleunigt werden. Die Programme sammeln Bewegungsdaten und schlagen Alarm, wenn jemand mit einem bestätigten Corona-Infizierten Kontakt hatte. Je detaillierter die Daten, desto genauer und schneller können neue Infektionsherde erkannt werden. Dem gegenüber steht die Sorge, dass die erfassten Daten von Regierungen oder ihren Technologie-Partnern aus der Privatwirtschaft missbraucht werden könnten. „Es gibt widerstreitende Interessen“, sagt Tina White, Wissenschaftlerin der Stanford University. „Regierungen und Gesundheitsbehörden wollen in der Lage sein, den Menschen zu folgen.“ Damit könne die Ausbreitung des Virus minimiert werden. Aber die Menschen würden eine App eher selten freiwillig herunterladen, wenn sie zu sehr ins Privatleben eindringe.

Weltweit gibt es zahlreiche Ansätze, wie Regierungen mit den Daten ihrer Bürger bei solchen Anwendungen umgehen. In Australien haben bislang mehr als drei Millionen Bürger die App COVIDSafe heruntergeladen. Je mehr Menschen die App herunterladen würden, desto mehr könnten die Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft gelockert werden.

In den USA war der Bundesstaat Utah der Vorreiter, der mit der App Healthy Together einen ähnlichen Ansatz startete. Das Entwickler-Unternehmen Twenty hatte zuvor an einer Anwendung gearbeitet, die junge Menschen mit Freunden in ihrer Nähe zusammenbrachte. Utah verfolgt, welche Restaurants und Läden ein Benutzer besucht hat. Die App sei „ein Werkzeug, um die Erinnerung von Personen anzustoßen, die positiv getestet wurden“, sagt Angela Dunn, die staatliche Epidemiologin von Utah. Damit könnten Behörden Kontaktpersonen schneller identifizieren.

Die Konzerne Apple und Google verfolgen einen anderen Ansatz. Die Informationen werden begrenzt und anonymisiert, sodass ein personalisiertes Tracking nicht möglich ist. Die App, die im Mai fertig sein soll, könnte auf Milliarden von iPhones und Android-Handys laufen. Deutschland und andere europäische Länder haben sich diesem Ansatz angeschlossen. Doch Frankreich und Großbritannien fordern mehr Zugriff der Regierungen auf die Daten der Apps.

In Deutschland wird Mitte Juni eine Corona-App erwartet. Die Bundesregierung hat dazu SAP und Telekom beauftragt. Beratend stehen unter anderem das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (CISPA) und die Fraunhofer Gesellschaft zur Seite. Zunächst war ein anderes Projekt in Deutschland geplant. Es kam jedoch zu Querelen in puncto Datenspeicherung. Sollen die Informationen auf einem zentralen Server verwaltet werden oder dezentral auf dem Smartphone? Am Ende sprach sich die Bundesregierung für die dezentrale Lösung aus.

Um andere Handys in der Nähe mit der gleichen Software zu identifizieren, greifen die meisten Corona-­Apps auf Bluetooth zu. Die Programme erfassen die Signale ihrer Kontaktpersonen. Wenn später eine Person mit dieser App an Covid-19 erkrankt, können über die gespeicherten Daten jene Menschen informiert werden, die in Kontakt mit der erkrankten Person waren. Bei den Anwendungen von Apple und Google erfolgt diese Benachrichtigung ohne Einschaltung der Gesundheitsbehörden, sondern direkt über die Software.

In den USA unterstellen die Entwickler ihre Apps dagegen direkt den staatlichen und lokalen Behörden. In Utah wird die Funktechnik Bluetooth mit dem Satellitensystem GPS kombiniert. So sollen mögliche Infektionsschwerpunkte schneller erkannt werden. „Es ist unwahrscheinlich, dass automatisierte Alarme ausreichen“, sagt Jared Allgood, Chef-Stratege bei App-Bauer Twenty. Er verweist darauf, dass das sogenannte Peer-to-Peer-Modell nur effektiv sei, wenn viele Menschen teilnähmen.

(dpa)