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Online-Datendiebstahl
Computerspiele-Branche ist besonders von Betrug betroffen

Plötzlich ist das Online-Konto des Computerspiels leer geräumt. Betrüger machen auch davor nicht halt.
Plötzlich ist das Online-Konto des Computerspiels leer geräumt. Betrüger machen auch davor nicht halt. FOTO: picture-alliance / Sueddeutsche / dpa Picture-Alliance/Schellneg
Frankfurt. Diebe im Netz machen auch vor Online-Spielen nicht halt. Ein Experte warnt: „Online-Betrüger werden immer professioneller und raffinierter.“ Von afp

Die Computerspielebranche ist ein lohnendes Ziel für Betrüger. Firmen und Nutzer tun jedoch zu wenig, um sich zu schützen, warnt Andreas Czermak, Experte für digitale Betrugsprävention bei Arvato Financial Solutions. „Online-Betrüger werden immer professioneller und raffinierter“, sagt er. Sie besorgten sich etwa im Netz Zugangsdaten aus früheren Datendiebstählen, erklärt Czermak. „Dann verbreiten sie zum Beispiel massiv Spam-Nachrichten über den gekaperten Account – etwa mit Links zu Angeboten für geklaute virtuelle Identitäten oder Spielwährungen.“ So könnten sich Betrüger der Konten von beliebten Online-Spielen wie „World of Warcraft“ oder „League of Legends“ bedienen. Für die Besitzer der gekaperten Spiele-Konten kann dies auch teuer werden, wenn Spieler zum Beispiel online Zahlungsdaten hinterlegt haben und die Internet-Piraten diese missbrauchen.


Für die Spiele-Anbieter bedeuten Datendiebstähle eine große Rufschädigung. Das Problem ist aber nicht auf die Games-Branche beschränkt. „Account-Diebstahl betrifft fast alle Branchen“, sagt Czermak. Der direkte finanzielle Schaden sei gesamtwirtschaftlich gesehen gar nicht so groß. „Allerdings kann er für den einzelnen Verbraucher schon in die Hunderte gehen.“ Und auch ein gut geschützter Online-Händler müsse einen jährlichen Schaden von einem bis anderthalb Prozent des Umsatzes einkalkulieren.

Auch die organisierte Kriminalität ist beim Online-Betrug groß im Geschäft. Die Kriminellen benutzen laut Czermak zunehmend ausgefeilte Methoden wie zum Beispiel den sogenannten „Triangulation Fraud“. Dabei bietet ein Täter online eine Ware an, die er selbst gar nicht besitzt, zum Beispiel ein Bahnticket zum besonders günstigen Preis. Der Kunde bestellt die Ware und bezahlt den Betrüger. Erst dann kauft dieser das Produkt tatsächlich, und zwar mit gestohlenen Kreditkartendaten.



„Der Kunde merkt gar nicht, dass er mit seinem Kauf einen Betrüger unterstützt hat“, sagt Andreas Czermak. Erst, wenn der geschädigte Kreditkartenbesitzer auf seiner Abrechnung die ihm unbekannte Buchung entdeckt und reklamiert, falle der Betrug auf. Der Geschädigte kann sich das Geld in der Regel bei seiner Bank zurückholen. „So finanziert die Wirtschaft am Ende die Betrüger“, erklärt Czermak. „Anzeigen gibt es jedoch kaum“, sagt er.

Verbraucher könnten jedoch mit einfachen Maßnahmen vorsorgen. „Ich selbst habe mittlerweile für jeden Account ein anderes Passwort – das hatte ich früher nicht“, sagt Czermak. Außerdem nutze er bei fremden Seiten den Einkauf als Gast – das heißt ohne Login. Er bezahle via Paypal oder kaufe bei vertrauenswürdigen Anbietern. „Generell zahle ich im Zweifel eher ein paar Euro mehr als das Risiko einzugehen, dass meine Daten gestohlen und für betrügerische Handlungen verwendet werden.“

Firmen könnten auch etwas tun, um sich und ihre Kunden zu schützen, indem sie das Nutzerverhalten analysierten, sagt Czermak. „Wenn über ein Smartphone unter verschiedenen Identitäten innerhalb kurzer Zeit eingekauft wird, ist das verdächtig.“

Ungewöhnlich sei auch, wenn ein Kunde in einem Shop innerhalb weniger Sekunden ein hochpreisiges Produkt in den Warenkorb legt und zur Kasse geht. „Normale Kunden machen so etwas nicht“, sagt Czermak. In solchen Fällen könne der Händler nachfragen, ob tatsächlich gerade der rechtmäßige Konto-Besitzer einkauft – oder ein Betrüger unter gestohlenem Namen.