1. Leben
  2. Internet

Computersimulationen sollen die Wartezeit bis zum Urlaub überbrücken

Mit dem Smartphone um die Welt : Virtuelle Klettertouren auf dem Sofa

Die Reisebranche kommt langsam wieder in Schwung. Die Wartezeit bis zum Urlaub sollen Simulationen überbrücken.

Strände verwaist, öffentliche Plätze menschenleer: Viele Urlaubsziele sind dieser Tage nicht wiederzuerkennen. Und viele Touristen im Wartestand fragen sich, wann sie wieder aufbrechen können. Sie haben nun jede Menge Zeit, neue Pläne zu schmieden. Inspiration gibt es im Internet genug. Viele Urlaubsregionen setzen verstärkt auf digitale Angebote. Virtuelle Reisen haben Hochkonjunktur. Das soll Urlaubssehnsucht wecken.

So mancher Tourismusverband lässt sich in diesen Zeiten etwas Besonderes einfallen, um Reisende virtuell zu locken. Nutzer können mit dem Smartphone, Tablet oder Computer einen echten Fremdenführer mit einer Kamera am Kopf auf den Färöer, der kleinen Inselgruppe im Atlantik, durch die raue Landschaft steuern wie eine Figur in einem Videospiel. „Remote Tourism“ nennt sich das, Tourismus per Fernsteuerung. Sogar ein Helikopterflug lässt sich dirigieren. Anmelden können sich Teilnehmer auf der Fremdenverkehrs-Website der Färöer, es gibt feste Termine. Flugpassagiere, die dabei sind, können jeweils für eine Minute die Kontrolle über den Mann mit der Kamera auf dem Kopf übernehmen.

Meist ist es die Not, die erfinderisch macht. Die Touristen bleiben aus, zum Beispiel in den Safari-Zielen Afrikas. In Südafrika bietet die Hotelgruppe ­Andbeyond virtuelle Pirschfahrten durch vier verschiedene Wildtierreservate. Der Reiseführer filmt dabei Beobachtungen von Löwen, Elefanten und Nashörnern und überträgt sie direkt per Youtube, Instagram und Facebook in Wohnzimmer am anderen Ende der Welt.

Auf der Seite myswitzerland.com können Hobbybergsteiger auch auf der Couch die Berge erklimmen und eine 360-Grad-Sicht über die Gebirge genießen. Virtuelle Rundflüge über den Genfersee sind möglich. Kronach im Frankenwald führt die Zuschauer auf Instagram live durch die Stadt.

Viele geschlossene Museen locken digital mit virtuellen Rundgängen durch die Ausstellungssäle und mit zahlreichen Hintergrundinformationen. Das geht zum Beispiel im Frankfurter Städel per Virtual-Reality-Programm und Smartphone. Ähnliche Angebote gibt es in Italien. Viele Konzerte, die man sonst am Urlaubsort genossen hätte, und andere Kulturveranstaltungen lassen sich online mitverfolgen.

Sogar ganze Städte können schon virtuell besichtigt werden, wobei aber nicht immer alle digitalen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Der Begriff "Virtuelles Reisen" wird allerdings derzeit ziemlich inflationär benutzt. 360-Grad-Panoramaaufnahmen etwa gibt es schon länger, wie auf www.360cities.net. Auf der Webseite können Touristen virtuell das Empire State Building in New York besichtigen oder mit dem Heißluftballon durch die namibische Wüste fliegen.

Der Georgengarten gehört zu den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Auf ihrer Webseite bietet die Stadt einen virtuellen Spaziergang an. Foto: dpa-tmn/Hannover Marketing und Tourismus

Auch in Deutschland gibt es einiges zu sehen. Hannover zum Beispiel bietet auf seiner Tourismus-Webseite zahlreiche 360-Grad-Fotos bekannter Sehenswürdigkeiten. So ist ein Altstadtrundgang möglich, und auch die Herrenhäuser Gärten lassen sich virtuell erkunden. Die Urlaubsregion um die niedersächsische Landeshauptstadt bietet 24 Panorama-Ansichten, wie das Steinhuder Meer oder den Deister. Mit nur einem Klick geht es in den Virtual-Reality-Modus.

Reiseveranstalter wollen digitale Inspiration bieten. So zeigt etwa DER-Touristik auf seiner Webseite 360-Grad-Videos aus Ländern wie Frankreich, Südafrika und Mexiko. Virtuelle Rundgänge über Kreuzfahrtschiffe gibt es etwa bei Tui Cruises und Hapag-Lloyd Cruises. Bei Tui können Urlauber die Hotels der Marken Magic Life und Tui Blue auf virtuellen Rundgängen schon mal vorab erkunden.

Brille auf und hinaus in die Welt: Viele Urlaubsziele lassen sich mit einer sogenannten VR-Brille entdecken. Foto: dpa-tmn/Michela Ravasio

Die Technologie der Virtuellen Realität (VR) hat viel möglich gemacht. Damit lassen sich fremde Länder und Kontinente zwar nicht hautnah, dafür wenigstens recht realitätsnah erkunden. Alles nur mit einer VR-Brille auf der Nase. Tristan Horx, Zukunftsforscher an der SRH Hochschule Heidelberg, denkt, dadurch können Sehnsüchte gestillt und Impulse für künftige Reisen gesetzt werden.

VR-Software wie Google Earth könnten Einblicke in Städte und Gebäude gewähren, sagt Horx. Allerdings ist auch eine Reise in virtuelle Welten mit durchaus realen Belastungen verknüpft. Die VR-Technik ist nicht jedermanns Sache, das Tragen einer Bildschirnbrille empfinden viele Menschen als anstregend. Daher könnten virtuelle Reisende die Brille kaum länger als eine Stunde aufsetzen, sagt der Forscher.

www.myswitzerland.com

www.360cities.net

(dpa)