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Lustige Namen
Spaßvögel stimmen fürs Bootgesicht

Entgegen dem Ergebnis einer Online-Umfrage erhielt ein britisches Forschungsschiff den Namen „RRS Sir David Attenborough“.
Entgegen dem Ergebnis einer Online-Umfrage erhielt ein britisches Forschungsschiff den Namen „RRS Sir David Attenborough“. FOTO: picture alliance / empics / dpa Picture-Alliance / Peter Byrne
Swindon. Wenn Internet-Abstimmungen helfen sollen, Namen für Schiffe oder Bauwerke zu finden, sind die Resultate oft erheiternd. Von Nina Scheid

Als der britische Forschungsrat vor zwei Jahren Internetnutzer um Mithilfe bei der Benennung eines neuen Schiffs bat, rechneten die Verantwortlichen nicht damit, dass Spaßvögel den Ausgang der Abstimmung bestimmen würden. Auch andere Versuche, die Online-Gemeinschaft in Entscheidungen miteinzubeziehen, gingen in der Vergangenheit gehörig daneben – zur Erheiterung der Internetgemeinde.


Im Jahre 2016 rief der National Environment Research Council (NERC) auf seiner Webseite dazu auf, Namensvorschläge für ein Forschungsschiff einzureichen. Ein britischer Radiomoderator der BBC setzte „Boaty McBoatface“, zu Deutsch etwa Bötchen McBootgesicht, auf die Abstimmungsliste. Mit fast 125 000 Stimmen entschied sich die große Mehrheit für diesen Vorschlag, der zweite Platz fand nur 35 000 Befürworter.

Die britische Regierung befand jedoch, dass Boaty McBoatface kein geeigneter Name für ein seriöses, 200 Millionen Pfund teures Forschungsschiff sei, und benannte es stattdessen nach dem Naturforscher David Attenborough. Dieser Vorschlag hatte zwar auch in der Online-Abstimmung zur Auswahl gestanden, landete mit 11 000 Stimmen aber nur weit abgeschlagen auf Platz fünf.



Mehrere Mitglieder des britischen Parlaments setzten sich dafür ein, die Entscheidung der Allgemeinheit zu respektieren und forderten eine Untersuchung des Falls. Am Ende wurde ein Kompromiss getroffen: Das Forschungsschiff blieb bei „RRS Sir David Attenborough“, dafür erhielt ein kleines, ferngesteuertes U-Boot den Namen Boaty McBoatface.

Insgesamt wurden bei der Online-Abstimmung über 7000 Vorschläge eingereicht, darunter auch weitere Spaß-Namen wie „It‘s Bloody Cold Here“ (zu Deutsch: „Es ist verdammt kalt hier“), „Ice Ice Baby“ und „Usain Boat“, eine Anspielung auf den jamaikanischen Sportler und schnellsten Mann der Welt, Usain Bolt.

Während die britische Regierung den humoristischen Einfällen skeptisch gegenüberstand, nahmen sich andere ein Beispiel an den Vorschlägen der Online-Gemeinschaft. In Schweden etwa wurde ein Schnellzug auf den Namen „Trainy McTrainface“, zu Deutsch etwa „Züglein McZuggesicht“ getauft. Google veröffentlichte ein Programm zur Spracherkennung und nannte es Parsey McParseface. Und im britischen Norfolk wurde im vergangenen Jahr ein Pinguin namens Fluffy McFluffyface geboren.

Auch in ähnlichen Fällen in der Vergangenheit hatten Internet-Nutzer zwar lustige Einfälle, waren den Initiatoren der Abstimmungen aber wenig hilfreich. 2011 etwa wurde in der Stadt Austin im US-amerikanischen Bundesstaat Texas ein neuer Name für die städtische Abfallbehörde gesucht. Mit fast 30 000 Stimmen gewann „The Fred Durst Society of the Humanities and Arts“, zu Deutsch etwa „Die Fred Durst Gesellschaft für Geisteswissenschaften und Künste“. Fred Durst ist der Frontmann der Rock-Band Limp Bizkit. Er reagierte mit Humor auf die Abstimmung, trotzdem entschied sich Austin letztendlich für einen anderen Namen.

Neben Fred Durst wurden auch schon andere Prominente bei Online-Abstimmungen verspottet. 2012 wurde auf Facebook ein Gewinnspiel für Schulen ausgeschrieben, dessen Sieger ein Konzert der US-amerikanischen Sängerin Taylor Swift gewinnen sollte. Spaßvögel wählten die Horace Mann School for the Deaf auf Platz eins, eine Schule für Gehörlose.

In einer weiteren Umfrage im selben Jahr konnten Internet-Nutzer für ein Walmart-Geschäft ihrer Wahl abstimmen. Dem Gewinner sollte Sänger Pitbull einen Besuch abstatten. Zum Sieger gekürt wurde ein Walmart im US-Bundesstaat Alaska, der als der abgelegenste Standort der Handelskette im ganzen Land gilt.

Auch in Deutschland mussten Behörden schon feststellen, dass das Internet nicht nach ihren Regeln spielt. Als die baden-württembergische Stadt Schwäbisch Gmünd 2011 online nach einem Namen für einen Tunnel suchte, entschied sich die Mehrheit für „Bud-Spencer-Tunnel“. Über 100 000 Stimmen erhielt der Vorschlag, der als eine Hommage an den italienischen Schauspieler und Film-Partner von Terence Hill gedacht war.

Nach hitzigen Diskussionen in der Kommunalpolitik entschied sich die Stadt schließlich für eine andere Einsendung. Als Kompromiss erhielt jedoch das städtische Schwimmbad den Namen „Bud-Spencer-Freibad“. Es wurde 2011 sogar vom Namensgeber persönlich eingeweiht.

Nicht nur Unternehmen und Organisationen, auch Privatpersonen haben das Internet schon bei der Namensfindung zu Rate gezogen. Ein kanadisches Paar erstellte 2014 eine Webseite, auf der Nutzer einen Namen für deren ungeborene Tochter auswählen sollten. Unter den insgesamt 150 000 Stimmen entschied sich die Mehrheit für „Cthulhu All-Spark“. Cthulhu bezeichnet ein fiktives Ungeheuer aus einer Geschichte des amerikanischen Schriftstellers H. P. Lovecraft.

Unter den Vorschlägen der Internet-Nutzer waren auch weitere Spaß-Namen, wie etwa Megatron, Streetlamp (zu Deutsch: Straßenlampe), Zelda und Not Zelda. Die Eltern entschieden sich letztendlich für Amelia Savannah Joy.

Anstelle des Forschungsschiffs wurde ein ferngesteuertes U-Boot auf den Namen Boaty McBoatface getauft. 
Anstelle des Forschungsschiffs wurde ein ferngesteuertes U-Boot auf den Namen Boaty McBoatface getauft.  FOTO: dpa / -