Bitkom-Umfrage: Deutsche wollen ein Handy zum Falten

Bitkom-Umfrage : Zweiter Anlauf für das Falt-Phone

Zusammenklappbare Smartphones sollen in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf der Elektronikmesse IFA bilden.

Mehr als jeder dritte Bundesbürger kann sich laut einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom vorstellen, ein faltbares Smartphone zu nutzen. Ein solches Gerät funktioniert im kompakten Format wie ein Smartphone, ausgeklappt verwandelt es sich in einen Tablet-Computer. Der südkoreanische Technikkonzern Samsung hatte sein Falt-Smartphone Galaxy Fold bereits im April vorgestellt, der chinesische Konkurrent Huawei zog mit seinem ebenfalls faltbaren Mate X kurz darauf nach. Die Geräte sollten eigentlich bereits im Handel sein, doch in beiden Fällen haben die Hersteller den Start verschoben. Auf der Elektronikmesse IFA, die am Freitag in Berlin ihre Türen für Besucher öffnet, sollen die Falt-Phones nun den zweiten Frühling erleben.

Drei von vier Befragten in Deutschland haben laut Bitkom bereits von faltbaren Smartphones gehört. Dass diese Handys je nach Situation schön groß oder angenehm handlich sein können, bewerten die meisten als den Hauptpluspunkt der Geräte. Für jeden Zweiten sei es positiv, dass sie mit einem solchen Mobiltelefon einen größeren Bildschirm zur Verfügung haben. Neben diesen Vorzügen können faltbare Smartphones noch weitere Stärken ausspielen, so Bitkom. Ähnlich wie bei einem Computer oder Laptop könne auf dem größeren Bildschirm mit mehreren Anwendungen gleichzeitig gearbeitet werden. Das sehe ein gutes Drittel der Befragten als Gewinn an.

Als die ersten Smartphones auf den Markt kamen, seien sie für viele auch ein Statussymbol gewesen, sagt der Verband. Heute nutzen hingegen rund acht von zehn Bundesbürgern ein Smartphone, bei den 16- bis 29-Jährigen habe praktisch jeder eines. So sei das Smartphone zu einem gewöhnlichen Alltagsgegenstand geworden. Als absolute Neuheit könnten faltbare Smartphones hingegen wieder mehr Aufsehen erregen, vermutet Bitkom. Allerdings sehen bislang nur acht Prozent der Befragten einen großen Vorteil der faltbaren Smartphones darin, dass sie ein Statussymbol sind.

Wohl auch wegen des etwas holprigen Starts mit technischen Kinderkrankheiten stehen Verbraucher den faltbaren Smartphones ambivalent gegenüber, mutmaßt Bitkom. Immerhin 15 Prozent können sich auf jeden Fall vorstellen, künftig ein faltbares Smartphone zu nutzen. Bei den 16- bis 29-Jährigen seien es sogar 29 Prozent. Weitere 20 Prozent sind sich nicht ganz so sicher, können sich aber durchaus vorstellen, sich ein solches Modell in Zukunft anzuschaffen. Zusammengenommen 35 Prozent zeigen somit Interesse an den Falt-Smartphones. Fast genauso viele sagen allerdings, dass sie sich auf keinen Fall vorstellen können, ein solches Gerät zu verwenden. 23 Prozent schließen es eher aus.

Größter Schwachpunkt der Falt-Handys ist der Preis: Das Galaxy Fold sollte zum Verkaufsstart rund 2000 Euro kosten, das Mate ­X soll mit 2300 Euro noch teurer werden. Inzwischen arbeitet Samsung laut einem Bericht des US-Finanznachrichtendiensts Bloomberg an einem kleineren und günstigeren Falt-Smartphone. Dem Bericht zufolge soll das Gerät Anfang nächsten Jahres vorgestellt werden. Aufgefaltet soll der Bildschirm eine Diagonale von 6,7 Zoll (knapp 17 Zentimeter) im Format eines herkömmlichen Smartphones haben, zusammengeklappt soll es als handliches Quadrat in die Tasche passen. Ein ähnliches Gerät wird auch von der Marke Motorola des chinesischen Lenovo-Konzerns erwartet.

Christian Just von der Fachzeitschrift „Computerbild“ sieht bei den Falt-Handys noch einige Schwachstellen: „Die Hersteller müssen die Scharniere und die empfindliche Folie über dem Bildschirm widerstandsfähig machen gegen Dreck und Fremdkörper. Sonst ist der Frust bei den Käufern schnell groß.“ Trotz aller Startschwierigkeiten sieht Just gute Chancen für die Falt-Smartphones. Die ersten verfügbaren Geräte seien noch viel zu teuer, doch die nächsten drei Jahre werden zeigen, wie sich das Konzept bewähre und wie die Geräte im täglichen Betrieb nach tausenden Klappvorgängen aussehen, so Just. „Die Chancen der Technik sind enorm, aber die Preise müssen sinken, und es braucht gute Ideen“, sagt er.

Ein anderer wichtiger Trend bei der Elektronikmesse IFA ist laut Bitkom die Internetanbindung von Unterhaltungsgeräten, allen voran dem Fernseher. So können Serien, Filme oder Musik jederzeit direkt aus dem Netz abgerufen werden (Streaming). Der Erhebung zufolge sind immer mehr Nutzer bereit, für ein solches Online-Angebot Geld auszugeben. So sehen sich mittlerweile zwei von fünf Internetnutzern Filme und Serien über kostenpflichtige Streamingdienste an, jeder Fünfte zahlt für Musik-Streaming. Im Jahr 2022, so mutmaßt der Digitalverband, würden nur noch zehn Prozent aller TV-Geräte, fünf Prozent aller Spielkonsolen und 35 Prozent aller Audio-Anlagen nicht mit dem Internet verbunden sein.

Die Bitkom-Untersuchung enthält auch Prognosen zu Absatz- und Umsatzzahlen. Der Markt für Unterhaltungselektronik komme in diesem Jahr in Deutschland voraussichtlich auf einen Gesamtumsatz von 8,6 Milliarden Euro. Erneut werden Flachbildfernseher mit 45 Prozent den größten Anteil daran haben. Mit ihnen werden etwa 3,8 Milliarden Euro umgesetzt. Der Umsatz mit Smartphones werde jedoch größer sein, so der Digitalverband. Mit dem Verkauf von voraussichtlich 22,4 Millionen Smartphones sollen hierzulande 2019 voraussichtlich 11,9 Milliarden Euro umgesetzt werden. Der Durchschnittspreis pro Gerät werde bei 532 Euro liegen.

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