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Biologen warnen vor Folgen des Tiefsee-Bergbaus

Biologen warnen vor Folgen des Tiefsee-Bergbaus

Jeder Eingriff am Meeresgrund hinterlässt jahrzehntelang sichtbare Spuren, erklärt das Alfred-Wegener-Institut

(np) In den Tiefen der Meere liegen Rohstoffe zum Mitnehmen. Dazu gehören auch sogenannte Manganknollen auf dem Boden des Pazifiks. Die bis zu 20 Zentimeter großen Knollen bestehen zu großen Teilen aus diesem Schwermetall, das zum Beispiel zur Herstellung von Mobiltelefonen genutzt wird. Ob das Reservoir am Meeresgrund abgeräumt werden darf, ist unter Wissenschaftlern umstritten, denn dabei werden auch Teile des Meeresbodens abgetragen. Der Lebensraum in der Tiefsee könnte schwer geschädigt werden.

Biologen des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) berichten nun, dass die Knollen auf dem Grund der Tiefsee wie ein Anker wirken. Sie dienen zum Beispiel Tiefseekraken im Peru-Becken als Brutstätte. Die Tiere heften ihre Eigelege in 4000 Metern Tiefe an Schwämme, die wiederum auf Manganknollen wachsen, weil der Boden sonst zu schlammig ist.

Die Tiere legen nur wenige Eier und bewachen ihre Brut vermutlich viele Jahre lang. Forschungsergebnisse zeigten, dass der Nachwuchs bei einer Wassertemperatur von drei Grad Celsius erst vier Jahre nach der Eiablage schlüpfe. Am Grund des Peru-Beckens beträgt die Wassertemperatur nur 1,5 Grad Celsius. "Wir vermuten deshalb, dass die Krakenembryos hier viele Jahre benötigen, um sich vollständig zu entwickeln", so Professor Antje Boetius vom AWI. Der Tiefseebergbau hätte mit großer Wahrscheinlichkeit schwerwiegende Folgen für diese Tiere.

Bei einem Experiment in den späten 1980er Jahren hatten deutsche Forscher im Peru-Becken den Meeresboden umgepflügt, um Manganknollen abzuräumen. Nach 26 Jahren untersuchten die Wissenschaftler nun wieder den Meeresboden. Bis heute hätten sich Bestände ganzer Tiergruppen von diesem Eingriff noch nicht wieder erholt, so das AWI.