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Bei vielen Hautkrankheiten spielt die Psyche eine Rolle

Unser Haut ist ein Spiegelbild unserer Seele. Die Gesellschaft für Psychosomatische Medizin geht davon aus, dass Botenstoffe, die der Körper in Stresssituationen ausschüttet, unter anderem Neurodermitis verstärken können. Nico Pointner

Berlin. Fast jeder dritte Patient, der an einer Hautkrankheit leidet, hat auch psychische Probleme. Das hat eine Studie in 13 europäischen Ländern ergeben, bei der 3600 Patienten untersucht und befragt wurden. Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM) geht davon aus, dass eine Vielzahl von Hauterkrankungen auf seelische Ursachen zurückzuführen ist. Sie fordert nun, dies bei der Therapie stärker zu berücksichtigen. Das sei ganz besonders wichtig bei Kindern.

In den vergangenen Jahrzehnten haben Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte zugenommen, so die DGPM. Zwar werde die Anlage dazu meist vererbt, doch ob die Krankheit tatsächlich ausbricht, hänge von zahlreichen Faktoren ab - und dazu zähle eben auch die psychische Verfassung.

Während 29 Prozent der Hautarzt-Patienten auch an einer psychischen Erkrankung litten, habe diese Quote in der 1400 Personen umfassenden Kontrollgruppe der Euro-Studie nur 16 Prozent betragen. Die Forscher hätten außerdem festgestellt, so die DGPM, dass der Anteil von Menschen mit Depressionen unter den Hautarzt-Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe mehr als doppelt so hoch gewesen sei und dass Angsterkrankungen und sogar Suizidgedanken anderthalbmal so häufig vorgekommen seien.

Seelische Ursachen


"Wenn eine Hauterkrankung auf psychische Probleme zurückgeht, ist die Behandlung nur adäquat, wenn die psychischen Probleme erkannt und mitbehandelt werden", so Professor Uwe Gieler, Leiter der Hautklinik der Uni Gießen. Vor allem bei allergischen Leiden gebe es immer mehr Hinweise auf seelische Ursachen. "Neurodermitis kann sich durch Stress verschlimmern, unterdrückte Wut in Nesselsucht äußern", so der DGPM-Sprecher.

Ursache seien wahrscheinlich Neuropeptide, Botenstoffe , die der Körper in Stress-Situationen ausschüttet und die Entzündungen verstärken können. "Gerade die Haut reagiert häufig als Überdruckventil der Seele", so Gieler. Schwerwiegende Lebensereignisse, wie die Trennung der Eltern oder der Tod eines Elternteils in der frühen Kindheit, erhöhten das Risiko für allergische Erkrankungen eines Kindes.