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Autoren verlegen aktuell ihre Lesungen wegen des Kontaktverbots ins Netz

Kostenpflichtiger Inhalt: Lesungen im Internet : Vorhang auf für Lesungen vom Sofa

Ein Künstler braucht sein Publikum. Doch was, wenn beide nicht zusammenkommen dürfen? Das Internet bietet eine Lösung.

Von virtuellen Lesungen bis zur Schreibwerkstatt – nach der Absage vieler Literatur-Veranstaltungen in der Corona-Krise bieten Schriftsteller und Verlage im Internet Alternativen für das Kopfkino. Wir haben einige Beispiele zusammengestellt.

So trägt zum Beispiel Schauspieler und Sänger Uwe Ochsenknecht auf seinem Instagram-Profil jeden Abend um 19 Uhr eine Gute-Nacht-Geschichte vor.

www.instagram.com/­uweochsenknecht/

Ebenfalls auf der Fotoplattform Instagram liest Caroline Peters, die dem Ensemble des Wiener Burgtheaters angehört, von montags bis freitags um jeweils elf Uhr aus dem Kinderbuch „Magie hoch zwei“ von Sibylle Luig und Ulrike Barth-Musil.
www.instagram.com/­carolinepetersliest

Im Februar hat Jasmin Schreiber ihren Debütroman „Marianengraben“ veröffentlicht. Ihre erste Online-Lesung haben über 4000 Zuschauer mitverfolgt. An diesen Erfolg will sie anknüpfen und hat weitere Lesungen angekündigt.
www.instagram.com/­lavievagabonde

Der neue Psycho-Thriller „Offline“ von Bestseller-Autor Arno Strobel handelt davon, wie es ist, fünf Tage ohne Internetzugang zu sein. In Corona-Zeiten hat der gebürtige Saarlouiser bereits mehrfach auf seinen Facebook- und Instagramseiten aus seinem aktuellen Buch gelesen. Seine Leser haben dabei die Möglichkeit, ihm über die Kommentarfunktion Fragen zu stellen.

www.facebook.com/arnostrobel.de

www.instagram.com/arno.strobel

„Internetlesungen habe ich über die Jahre hinweg schon ein paarmal gemacht. Die Erfahrungen waren überwiegend positiv“, blickt Strobels Kollege Markus Heitz zurück. Aktuell hat der Fantasy-Bestseller-Autor aus Homburg zwar noch keinen neuen Termin geplant, doch er überlegt: „Je nachdem, wie lange die Menschen noch mit den Corona-Beschränkungen zurechtkommen müssen, wäre es vielleicht an der Zeit.“

www.instagram.com/
meister_mahet

Max Czollek hat 2018 das Sachbuch „Desintegriert Euch!“ veröffentlicht. Auf dem gleichnamigen Instagram-Account lesen Schauspieler wie Robert Stadlober und Lena Klenke aus dem Werk des Lyrikers und Essayisten.

www.instagram.com/
desintegriert_euch/

Daneben gibt es verschiedene Facebook-Gruppen, die literarische Veranstaltungen bündeln und einen Terminüberblick geben. So hat der Schweizer Schriftsteller Donat Blum „Viral – das Online-Literaturfestival“ initiiert und zusammen mit seinen Kolleginnen Kathrin Bach und Melanie Katz innerhalb eines Tages auf die Beine gestellt. Daraufhin hätten sich in nur drei Stunden rund 80 Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeldet, erklären die Gründer. Seitdem werden jeweils mittwochs, freitags, samstags und sonntags zwischen 19 und 21.30 Uhr Lesungen auf Facebook live übertragen.

www.facebook.com/glitteratur/

Zudem gibt es auf dem sozialen Netzwerk die „Lesen gegen Langeweile“-Gruppe. „Schnapp Dir dein Lieblingsbuch und beginne vorzulesen. Lenk dich dadurch ab und mache anderen eine Freude“, fordern die Administratoren die Mitglieder auf. Die Live-Übertragungen der Vorleser beginnen jeweils um 19 Uhr.

Unter dem Titel „Lesungen für Groß und Klein“ wollen auch die Schauspieler Fabio Sorgini und Barbara Wegener auf ihrer Facebookseite „einen kleinen künstlerischen Beitrag gegen die Langeweile leisten“. Jeweils von montags bis freitags lesen sie immer nach dem Sandmännchen um 19.15 Uhr aus Büchern wie „Peterchens Mondfahrt“. Das Angebot sei „besonders für alle Kinder, die jetzt 24 Stunden ihre Eltern um sich haben und einfach mal 30 Minuten spannenden Geschichten und Märchen folgen möchten“, gedacht.

www.facebook.com

Darüber hinaus gibt es im Internet auch Möglichkeiten, selbst kreativ tätig zu werden. So lädt Regisseurin und Autorin Doris Dörrie gemeinsam mit dem Diogenes Verlag täglich unter dem Titel „Morning Pages“ bei Instagram zum Schreiben ein. Ein Thema wird in kurzen Videos vorgegeben. Ansonsten gilt: Zehn Minuten durchschreiben ohne abzusetzen.

www.instagram.com/
doris_doerrie/

In der virtuellen Schreibwerkstatt „Corona-Chroniken“ können junge Autoren ihre Texte veröffentlichen. Schauspieler vom Volkstheater Rostock sprechen, spielen oder singen diese vor. Das Ergebnis soll auf YouTube und anderen Social-Media Plattformen erscheinen.

www.corona-chroniken.com

Das „Dekameron“ ist eine Sammlung von 100 Novellen von Giovanni Boccaccio, die wahrscheinlich zwischen 1349 und 1353 entstanden sind. Das Werk feierte kurz vor der Ausbreitung der Corona-Epidemie seine Premiere am Deutschen Theater in Berlin. Ensemble-Mitglieder haben einige Geschichten aus dem Werk vorgelesen. Diese werden täglich um 18 Uhr auf der Internetseite und den Social-Media-Kanälen des Hauses veröffentlicht.

www.deutschestheater.de

Auch verschiedene Radio- und Fernsehsender bieten Lesungen im Internet an. So hat der NDR die Aktion „Kultur trotz Corona“ ins Leben gerufen. Auf der Webseite der Kampagne können sich Autoren in selbst gefilmten Videos präsentieren. Die Clips sind online abrufbar und werden zudem auszugsweise gesendet. Eine ähnliche Plattform bietet auch der Sender 3sat Künstlern, die derzeit nicht auf der Bühne stehen dürfen.

Andere ARD-Sender wie der MDR bieten Podcast-Lesungen von Kinderbüchern wie „Robinson Crusoe“ bis zu Klassikern wie „Kleiner Mann, was nun?“ an.

www.ndr.de

www.3sat.de

Schauspieler Uwe Ochsenknecht liest ­Gute-Nacht-Geschichten. Foto: Ursula Düren/dpa/Ursula Düren
Aus einem Kinderbuch liest Schauspielerin Caroline Peters. Foto: dpa/Henning Kaiser
Autorin Jasmin Schreiber plant weitere Online-Lesungen. Foto: Jasmin Schreiber
Autor Arno Stroble stellt sich live den Fragen seiner Leser. Foto: Gaby Gerster
Autor Markus Heitz hat schon große Online-Erfahrung. Foto: Stefan Freund/Fotograf: Stefan Freund
Regisseurin Doris Dörrie stellt ihren Fans Schreibaufgaben. Foto: dpa/Jens Kalaene

www.mdr.de