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Internationale Funkausstellung in Berlin
Schlaue Lautsprecher erobern die Haushalte

Mit der Beosound-Modellreihe mischt jetzt auch der dänische Hersteller Bang & Olufsen auf dem Markt für intelligente Lautsprecher mit.
Mit der Beosound-Modellreihe mischt jetzt auch der dänische Hersteller Bang & Olufsen auf dem Markt für intelligente Lautsprecher mit. FOTO: Bang & Olufsen a/s
Berlin. Bei der Internationalen Funkaustellung präsentieren viele Hersteller eigene Geräte mit den Assistenten von Google und Amazon. Von Andrej Sokolow (dpa)

Als Amazon vor knapp vier Jahren seinen Echo-Lautsprecher mit der sprechenden Assistenz-Software Alexa an Bord vorstellte, belächelten viele den schmalen Zylinder mit dem trockenen Sound noch als Exoten. Doch Käufer griffen zu, Google und Apple zogen nach. Spätestens zur diesjährigen Internationalen Funkausstellung IFA, die am Freitag dieser Woche beginnt, ist klar: Kein Hersteller von Unterhaltungselektronik kommt daran vorbei, seine Geräte mit digitalen Assistenten auszustatten. Diese ermöglichen nicht nur Suchanfragen sondern etwa auch die Steuerung von Haushaltsgeräten per Sprachbefehl. Die meisten verlassen sich dabei notgedrungen auf die Helfer von Amazon und Google – und öffnen den Online-Riesen damit die Türen in immer mehr Haushalte.


Wenn es noch einen Beweis dafür bräuchte, wie unverzichtbar Alexa und Google Assistant für die Branche geworden sind, kommt er von Bang & Olufsen. Der dänische Hifi-Spezialist macht normalerweise Technik für gut betuchte Käufer, die sich mehr um Sound und Design als um neumodische Gimmicks scheren. Zur IFA gibt es jedoch zwei neue Modelle – Beosound 1 und 2 zu gewohnt deftigen Preisen von 1500 und 2000 Euro – mit eingebautem Google Assistenten. Der Internet-Riese setzt genauso wie Amazon darauf, seine Assistenzsoftware nicht nur in eigenen Lautsprechern, sondern auch in Technik möglichst vieler anderer Hersteller am Markt zu etablieren.

Den Elektronik-Anbietern kommt das entgegen, denn kaum ein Unternehmen hat die nötigen Ressourcen, um einen eigenen digitalen Assistenten aus dem Boden zu stampfen. Dass sich selbst ein Unternehmen wie Apple trotz riesiger Geldreserven mit seiner Siri-Software schwer tut, zeigt das Ausmaß der Herausforderung. Obwohl Siri bereits 2011 zum ersten Mal auf den iPhones auftauchte, zeigt zumindest die deutsche Version Schwächen gegenüber Alexa und Googles Assistant. Im Kampf um die Wohnzimmer bleibt Apple bisher seinem Prinzip treu, seine Software nur auf den eigenen Geräten laufen zu lassen. Dementsprechend sind Apples Modelle mit dem Namen HomePod die einzigen Lautsprecher mit Siri an Bord.



Auch Samsung will die Assistenzsoftware nicht von anderen übernehmen. Wenige Wochen vor der IFA kündigte der Smartphone-Marktführer einen Lautsprecher mit seinem eigenen Assistenten Bixby an. Details dazu soll es allerdings erst im November geben. Nach der Übernahme des Audio-Spezialisten Harman mit Marken wie JBL oder AKG mangelt es Samsung zwar nicht an Hifi-Kompetenz. Der Bixby-Assistent bekam auf Smartphones des Konzerns bisher aber eher schwache Noten. Harman spielt sich solange mit Lautsprechern, die Alexa und Google-Assistant verwenden, warm.

Unklar ist bisher, wie sehr Verbraucher tatsächlich erpicht sind, ihre Musikanlagen per Sprachbefehl zu steuern. Beim Anbieter vernetzter Lautsprecher Sonos heißt es zumindest, die Kunden hörten seit der Integration von Alexa mehr Musik. In der öffentlichen Wahrnehmung der Technik spielen aber auch immer wieder Datenschutz-Sorgen mit. Dass diese nicht unbegründet sind, zeigte im Mai ein aufsehenerregender Fall in den USA, bei dem Alexa wegen einer Serie von Hörfehlern eine Unterhaltung eines nichtsahnenden Paares aufnahm und an einen ihrer Kontakte verschickte. Wie Amazon damals erklärte, habe die Software im Echo-Lautsprecher zunächst einmal in dem Gespräch fälschlicherweise ihren Namen „Alexa“ herausgehört und dann die Anweisung, eine Nachricht zu versenden.

Der Digitalverband Bitkom sagt smarten Lautsprechern ungeachtet dessen eine große Zukunft voraus. Bereits jeder Achte Verbraucher in Deutschland besitzt ein solches Gerät. Das ergab eine Studie, die Bitkom anlässlich der IFA veröffentlichte.

Laut dieser Untersuchung haben 84 Prozent der Bundesbürger bereits von digitalen Sprachassistenten gehört, noch 2016 waren es erst fünf Prozent. „Wir erleben gerade den rasanten Aufstieg intelligenter Sprachassistenten“, sagt Christopher Meinecke, Leiter für Digitale Transformation bei Bitkom. Mehr als jeder Vierte kann sich der Studie zufolge vorstellen, künftig per Sprache Geräte zu bedienen. Das Smartphone liegt als Steuerzentrale allerdings noch weit vorn: Handy oder Tablet nutzen 76 Prozent der Nutzer für die Steuerung ihrer vernetzten Geräte zu Hause.

Das Modell Beam von Sonos lässt sich in das Boxen-System des Herstellers einbinden und so mit anderen Lautsprechern kombinieren.
Das Modell Beam von Sonos lässt sich in das Boxen-System des Herstellers einbinden und so mit anderen Lautsprechern kombinieren. FOTO: dpa-tmn / Sonos
Die günstigste Variante der smarten Lautsprecher von Amazon ist der nur gut acht Centimeter breite Echo Dot.
Die günstigste Variante der smarten Lautsprecher von Amazon ist der nur gut acht Centimeter breite Echo Dot. FOTO: AP / Mike Stewart