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Audi schickt den Quattro zum Mond

Audi schickt den Quattro zum Mond

Die Google-Stiftung hat ein internationales Wettrennen für privat finanzierte Teams zum Erdtrabanten ausgeschrieben

Vor zehn Jahren setzte eine von der Suchmaschine Google finanzierte Stiftung einen Preis von 20 Millionen US-Dollar für ein Wettrennen zum Mond aus. Der Google Lunar-X-Prize sollte den Wissenschaftlern und Ingenieuren gehören, die bis Ende 2012 ein automatisches Fahrzeug auf den Mond bringen, das dort eine Strecke von mindestens 500 Metern zurücklegt und ein Live-Video zur Erde überträgt. Zwei Dutzend Teams meldeten sich für den Wettbewerb - doch geflogen ist bisher keines. Dreimal wurde der Wettbewerb bereits verlängert, nun läuft die letzte Frist ab. Bis Ende dieses Jahres haben die Teilnehmer Zeit, das rund 400 000 Kilometer entfernte Ziel zu erreichen. Gelingt das nicht, verfällt der Preis.

Im Rennen sind mittlerweile noch 16 Teams. Sie kommen meist aus Hochschulen und Forschungsinstitutionen. Mit kleinen Startup-Unternehmen haben sich viele Forscher zu diesem Zweck selbstständig gemacht. Sie hoffen auf neue Geschäftsfelder wie den Transport wissenschaftlicher Instrumente zum Mond, sie wollen Mondsiedlungen bauen und Observatorien oder den Mondbergbau voranbringen.

Mit dabei sind die Berliner Part-Time-Scientists. Das Team besteht aus 70 Raumfahrtenthusiasten mehrerer Nationen. Es will in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), der Audi AG und anderen Partnern den Mondlander Alina auf die Mondoberfläche bringen. Er kann 100 Kilogramm Nutzlast tragen. Dazu gehören sollen zwei solarbetriebene, vierrädrige Rover namens Audi lunar quattro, die rund 25 Kilogramm Masse haben.

Bereits in den 1970er Jahren hatte die Sowjetunion mit zwei ferngesteuerten Lunochod-Fahrzeugen demonstriert, dass es möglich ist, ein solches Vehikel von der Erde aus zu steuern. Die Audi lunar quattros sind kleiner als ihre Vorgänger und fahren autonom. Ziel ist es, möglichst nahe bei der Apollo-17-Landestelle zu landen. Die Rover sollen die technischen Hinterlassenschaften der US-Astronauten besuchen, die seit 45 Jahren unberührt auf der Mondoberfläche stehen, und Fotos zur Erde übertragen.

Die Mitbewerber kommen aus den USA, aus Indien, Israel und Japan. Hinter dem US-Team Moon Astrobotic stehen ehemalige Mitarbeiter der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh. Sie haben ein autonomes Landegerät namens Peregrine und den pyramidenförmigen Rover Andi entwickelt. Letzterer ist nicht einmal halb so groß wie das Audi-Modell.

Zur Finanzierung hat Astrobotic Partnerschaften mit dem Logistik-Unternehmen DHL und dem europäischen Raumfahrtkonzern Airbus Defence and Space geschlossen. Doch weder Astrobotic noch den Part-Time-Scientists ist es bislang gelungen, ein flugtaugliches Mondlandegerät zu testen.

Zu Weihnachten warf John Thornton, Chef von Astrobotic, schließlich das Handtuch. Dem Magazin Spacenews erklärte er den Ausstieg aus dem Wettbewerb. Das Team werde aber bis zum Jahr 2019 weiter am Mondlander Peregrine arbeiten und wolle ihn künftig vermarkten.

Das Beispiel zeigt das zentrale Problem des Mond-Wettbewerbs. Erst eine Handvoll Teams hat einen Startvertrag unterzeichnet - und der bietet keine Garantie für den Flug zum Mond. Das gilt beispielsweise für die Mannschaften Moon Express und Synergy Moon. Sie haben zwar Verträge mit den kalifornischen Dienstleistern Rocket Lab und Interorbital Systems geschlossen. Doch deren Raketen waren noch nie im All.

Die Part-Time-Scientists unterzeichneten zum Jahresende einen Startvertrag mit Spaceflight Industries in Seattle - einem Vermittler, der weltweit nach Angeboten für den Start sogenannter Sekundär-Nutzlasten von verschiedenen Startdienstleistern wie Arianespace, SpaceX, ISRO oder ULA sucht. Die Bestätigung des Fluges steht noch aus. Andere internationale Teams haben sich auf die Entwicklung kleiner Mondfahrzeuge konzentriert, die mit Landegeräten anderer Teilnehmer fliegen sollen. Mit dem Ausscheiden von Astrobotic verringern sich deshalb auch die Erfolgsaussichten für Gruppen aus Chile und Mexiko.

Das japanische Team Hakuto (weißes Kaninchen) dagegen hat die Kurve bekommen. Es wechselte zum indischen Team Indus. Es entwickelt ein eigenes Mondlandegerät und hat einen Startvertrag mit dem staatlichen indischen Startdienstleister Antrix Corporation, der Flüge auf der seit vielen Jahren erprobten Trägerrakete PSLV ermöglicht. Das geplante Landegebiet ist das Mare Imbrium.

Zu den Teilnehmern mit den besten Erfolgschancen gehört schließlich Space IL aus Israel. Dort wird das Projekt von der Bevölkerung aufmerksam verfolgt. Es hat die Unterstützung der Regierung und wird von zwei Stiftungen in den USA gefördert. Als einziges Team konnte Space IL sich eine Mitfluggelegenheit auf einer Falcon-9-Rakete des US-Unternehmens SpaceX sichern. Damit könnte Israel nach der UdSSR, den USA und China die dritte Nation werden, die sanft auf dem Erdnachbarn landet.

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 So sehen der Mondlander Alina und sein Audi-Rover aus. Foto: Seidenfaden
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 Diese Aufnahme zeigt das Hakuto genannte Mondauto der japanischen Mannschaft. Foto: Team Hakuto
Diese Aufnahme zeigt das Hakuto genannte Mondauto der japanischen Mannschaft. Foto: Team Hakuto Foto: Team Hakuto

20 Millionen Dollar für den Flug zum Mond Die Internet-Suchmaschine Google hat vor zehn Jahren mit der X-Prize-Stiftung in den USA einen Wettflug zum Mond ausgerufen, bei dem es um einen Hauptgewinn von 20 Millionen Dollar und zwei weitere Preise von je fünf Millionen geht. Teilnehmen dürfen nur privat finanzierte Teams. Sie müssen ein Roboterfahrzeug auf dem Mond absetzen, das dort mindestens 500 Meter zurücklegt und ein HD-Video zur Erde sendet.