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Neuer Streaming-Dienst für Musik
Auch Google will ein Stück vom Kuchen

Musik direkt aus dem Internet zu streamen, wird gerade bei jüngeren Menschen immer beliebter.
Musik direkt aus dem Internet zu streamen, wird gerade bei jüngeren Menschen immer beliebter. FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Berlin. Mit Youtube Music versucht der Konzern, auf dem umkämpften Markt der Musik-Streaming-Anbieter Fuß zu fassen. Von Marc Sepeur

Google bietet seinen neuen Musik-Streaming-Dienst ­Youtube Music, der in den USA bereits Ende Mai startete, jetzt auch in Deutschland an. Anders als die Konkurrenz soll die Plattform neben den Audioformaten auch Zugriff auf Musikvideos oder Live-Auftritte anbieten.


Viele der Funktionen gibt es zwar schon in der Gratis-Version, diese birgt aber denselben Nachteil wie die Youtube-App: sobald eine andere Anwendung aufgerufen oder das Handy-Display ausgeschaltet wird, stoppt auch die Musik. Die Vollversion für zehn Euro soll werbefrei sein, im Hintergrund weiterlaufen und Downloads erlauben, mit denen Titel auch offline wiedergegeben werden können. Wer noch zwei Euro mehr drauflegt, erhält Zugriff auf „Youtube Premium“. Für Premium-Kunden soll Youtube dann generell werbefrei sein. Gleichzeitig bekommen Nutzer Zugang zu den Eigenproduktionen des Unternehmens. Zurzeit gibt es dort nur amerikanische Inhalte mit deutschen Untertiteln. Im Herbst seien daneben erste deutsche Produktionen geplant, so der Konzern. Beide Abos, Youtube Music und Youtube Premium, sind auch als Familien-Abo verfügbar, für jeweils 15, beziehungsweise 17 Euro im Monat.

Google will damit auf dem hart umkämpften Musik-Streaming-Markt Fuß fassen, der aktuell von Spotify angeführt wird. Auch bei dem schwedischen Unternehmen ist das Grundpaket kostenlos, dann aber mit Werbung und schlechterer Musikqualität. Wer auf die 30 Millionen Songs ohne Unterbrechung durch Werbung zugreifen will, zahlt dafür zehn Euro im Monat. Mit einem Familienzugang für 15 Euro kann die App von bis zu sechs Personen parallel genutzt werden.



Was die Preise angeht, ist das Angebot von Apple Music identisch. Die Musikbibliothek ist mit 40 Millionen Liedern allerdings deutlich umfangreicher als die des schwedischen Konkurrenten. Anders sieht es bei den Schnittstellen aus. Wie bei Apple üblich, werden Nutzer belohnt, die über die hauseigenen Produkte, etwa mit dem iPhone, auf die Musiksammlung zugreifen. Die Bedienoberfläche ist in Apples ­iTunes integriert. Bei Geräten anderer Anbieter gestaltet sich das schwieriger. Zwar sind die Funktionen identisch, die Bedienung aber weniger komfortabel als mit iTunes.

Noch mehr Titel als Apple bietet nur Amazon Music Unlimited. Die Datenbank umfasst rund 50 Millionen Lieder. Nicht zu verwechseln ist das Angebot mit „Amazon Prime Music“, einem in Amazon Prime integrierten Musikdienst, bei dem es nur knapp zwei Millionen Titel gibt. Wie bei Apple werden auch bei Amazon Nutzer bevorzugt behandelt, die bereits Kunden sind. So zahlen Prime-Mitglieder nur acht Euro im Monat anstelle der üblichen zehn Euro. Noch günstiger wird es für diejenigen, die Songs ausschließlich über Amazons Geräte Echo oder Echo Dot hören wollen. In diesem Fall schlägt das Abo mit vier Euro im Monat zu Buche.

Den französischen Anbieter ­Deezer gibt es ebenfalls in einer Gratis- und einer kostenpflichtigen Variante. Nutzer der kostenlosen Version müssen sich auch hier auf Werbung und eingeschränkte Funktionen einstellen. Auch die Preise entsprechen mit zehn Euro pro Monat für ein normales Abo und 15 Euro pro Monat für ein Familienpaket der Norm. Enthalten sind 43 Millionen Songs und der Zugriff auf die hauseigene Musik- und Videoproduktionsreihe. Wer Wert auf Musikqualität legt, kann zudem ein Zusatzpaket buchen, das für 20 Euro pro Monat bessere Klangqualität bieten soll.

Dies ist nicht der erste Vorstoß Googles auf dem Musikmarkt. Mit „Play Music“ hatte der Konzern im Jahr 2011 schon einmal einen Dienst auf den Markt gebracht, der sich allerdings nicht durchsetzen konnte. Einstellen möchte Google das Angebot trotzdem nicht. Kunden, die bereits einen kostenpflichtigen Play Music Account haben, erhalten nun auch Zugang zu Youtube Music.