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Android-Notruf-Funktion: Wenn das Smartphone Leben rettet

Android-Notruf-Funktion : Wenn das Smartphone Leben rettet

Android-Handys senden nun den Standort des Geräts an Rettungskräfte, wenn der Nutzer den Notruf wählt.

Wer in Deutschland ein Android-Smartphone besitzt, soll im Notfall bald bessere Karten haben. Die großen deutschen Mobilfunkanbieter – die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) – haben zusammen mit Google eine Funktion im Betriebssystem integriert, die Android-Handys ihre Standortdaten an die nächste Leitstelle übertragen lässt, wenn der Nutzer die Notrufnummer 112 wählt. Dank einer neuen Ortungstechnologie soll die Position des Geräts bis auf wenige Meter genau angezeigt werden können. So sollen Rettungskräfte möglichst schnell den Weg zur Unfallstelle finden, erklären die Netzbetreiber in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Nach Mitteilung der Anbieter könne der Dienst gerade in ländlichen Gegenden sehr hilfreich sein. Wenn in der Nähe der Unfallstelle nicht unmittelbar ein Straßenschild zu finden sei, sei es für Verletze schwierig, ihren genauen Standort zu beschreiben. Auch wenn Personen auf Autobahnen, im Wald oder an anderen abgelegenen Orten verunglücken, sei es oft nicht möglich, den Rettungsdiensten die exakte Position zu nennen.

Smartphone-Nutzer müssen keine App installieren oder eine bestimmte Einstellung an ihrem Handy vornehmen. Sobald die Notrufnummer 112 gewählt werde, werden die Standortdienste im Smartphone automatisch aktiviert und das Ergebnis an die zuständige Leitstelle übermittelt. Der Internetkonzern Google, der das mobile Betriebssystem Android entwickelt, hat laut eigenen Angaben dafür gesorgt, dass der Standort bei einem Notruf auch dann übertragen wird, wenn der Nutzer alle Ortungsdienste auf seinem Gerät untersagt hat. Der Konzern versichert jedoch, er habe die Notfallfunktion so eingerichtet, dass die Daten nur übermittelt werden können, wenn der Smartphone-Nutzer den Notruf gewählt habe.

Die Notfallortung wird laut ­Google von allen Smartphones unterstützt, die mit der Android 4.0 oder einer neueren Version laufen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Google Play Dienste, ein Bündel an Programmen, das auf nahezu allen Android-Geräten jederzeit im Hintergrund läuft, installiert sind. Sofern auf dem Smartphone der Google Play Store, Googles Online-Verkaufsplattform für Android-Smartphones, zu finden ist, lassen sich die Google Play Dienste jederzeit herunterladen und auf dem neuesten Stand halten.

Der Dienst wird für alle Leitstellen in Deutschland von der Integrierten Leitstelle Freiburg-Breisgau im Hochschwarzwald in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr betrieben. Derzeit seien ein Drittel der rund 250 Leitstellen in Deutschland an das System angebunden. Die übrigen Leitstellen würden in den kommenden Monaten folgen, erklären die deutschen Netzbetreiber. Der Dienst soll für Kunden von Telekom, Vodafone und O2 kostenlos sein.

Bei der Entwicklung des Konzeptes habe man von Anfang an großen Wert darauf gelegt, dass der Dienst datenschutzfreundlich umgesetzt werde, erklären die Anbieter. In den Leitstellen werden die Daten nur kurzzeitig gespeichert. Eine Arbeitsgruppe der Datenschutzkonferenz, einem Gremium der Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder, habe das Konzept ausgiebig geprüft, versichern die Netzbetreiber.

Nutzer von iOS-Geräten bleiben bislang außen vor. Der iPhone-Konzern Apple denkt laut eigener Aussage jedoch darüber nach, seine Geräte ebenfalls für das Notfallsystem in Deutschland freizuschalten.

In iPhones ist seit der Version 11 von Apples mobilem Betriebssystem iOS jedoch ohnehin bereits eine Notfallfunktion eingebaut. Wer ein iPhone 8, iPhone X oder ein neueres Modell besitzt, muss laut Angaben von Apple den Ein-/Aus-Knopf an der rechten Seite des Geräts und eine der Lautstärketasten an der linken Seite des Handys gedrückt halten. Als Erstes erscheint der Schieber „Notruf SOS“. Den können Nutzer nach rechts ziehen, um den Notruf zu starten. Oder man hält die beiden Tasten weiter gedrückt. Nach kurzer Zeit startet ein Countdown mit Signalton. Bleiben die Finger auf den Tasten, startet der Notruf bei Ende des Countdowns. In den Einstellungen können Nutzer unter „Notruf SOS“ die Option „Mit Seitentaste anrufen“ aktivieren. Ist sie eingeschaltet, kann man den Notruf auch absetzen, indem man fünfmal hintereinander den Ein-/Aus-Knopf drückt. Genauso lässt sich diese Notruffunktion auch auf einem ­iPhone 7 und auf älteren Modellen aktivieren.