| 11:02 Uhr

Info-Portale im Internet
Ärger um Online-Bewertung von Ärzten

Viele Menschen suchen im Internet nach einem Arzt. Auf Online-Portalen wie Jameda und Sanego sind nicht nur allgemeine Informationen zu Praxen gelistet, wie etwa Adresse und Öffnungszeiten, sondern auch Bewertungen von anderen Patienten.
Viele Menschen suchen im Internet nach einem Arzt. Auf Online-Portalen wie Jameda und Sanego sind nicht nur allgemeine Informationen zu Praxen gelistet, wie etwa Adresse und Öffnungszeiten, sondern auch Bewertungen von anderen Patienten. FOTO: Andrea Warnecke / dpa-tmn
Karlsruhe. Der Bundesgerichtshof befindet viele Info-Portale für nicht neutral: Zahlende Mediziner werden häufig bevorzugt. Von Anika von Greve-Dierfeld (dpa)

Millionen von Menschen klicken sich jeden Monat durch Internet-Portale wie Jameda, Sanego oder DocInsider, um einen passenden Arzt zu finden. Dort gibt es nicht nur allgemeine Informationen zu den Praxen, wie beispielsweise die Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten, sondern auch Bewertungen von anderen Patienten. Ein aktuelles Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) beanstandet allerdings, dass solche Seiten oft nicht neutral sind.


Nicht immer haben sich die im Internet gelisteten Ärzte auch selbst dort angemeldet. Eine Hautärztin aus Köln hat nun erfolgreich gegen den Anbieter Jameda geklagt: Ihre Praxis war gegen ihren Willen auf dem Online-Bewertungsportal vertreten (Az.: VI ZR 30/17).

Prinzipiell dürfen Internet-Anbieter zwar alle Arztpraxen auflisten, auch wenn deren Besitzer damit nicht einverstanden sind. Der BGH hatte in einem früheren Urteil bereits entschieden, dass Ärzte hinnehmen müssen, auf solchen Plattformen aufzutauchen und bewertet zu werden, da dies dem öffentlichen Interesse und der freien Arztwahl diene. Die Kölner Ärztin sah das anders: Sie werde durch die Werbung ihrer Konkurrenten benachteiligt. Denn Mediziner, die Geld an den Online-Anbieter Jameda bezahlen, werden dort prominenter platziert als andere.



Solche Portale dienen meist nicht nur als Informations- und Bewertungsseite für Patienten, sondern auch als Werbeplattform für die Ärzte. Je nach Monatsbeitrag können diese so etwa ein Foto einstellen und ausführlichere Angaben zu ihrer Praxis machen. Bei Medizinern, die nicht zahlen wollen, sind hingegen nur die Basisdaten wie Adresse und Fachrichtung zu sehen. Außerdem werden Werbeanzeigen der zahlenden Kunden auf den Profilen der anderen geschaltet. Die Klägerin aus Köln , die von vornherein nicht auf Jameda gelistet werden wollte, sah sich dadurch ungerecht behandelt.

Das BGH sah dies ähnlich. Das Portal habe mit dieser Art von Zwei-Klassen-Behandlung den Boden eines neutralen Informationsvermittlers verlassen. Das müsse niemand hinnehmen. Jameda darf die Daten der Kölner Ärztin damit nicht mehr führen. Nach Angaben des Anbieters wurden die vom BGH beanstandeten Werbeanzeigen bereits entfernt.

Bewertungsportale mit ähnlichen Geschäftsmodellen müssen ihre Werbeformate nun ebenfalls umgestalten. Der BGH weise sehr deutlich darauf hin, dass insbesondere Arztbewertungsseiten der Neutralität verpflichtet seien, sagt der Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands. Auch Paetrick Sakowski, Experte für Wettbewerbsrecht, betont: „Solche Online-Portale müssen ihre Werbeangebote nun grundsätzlich überprüfen. Wird auf Meinungsseiten für Konkurrenz zum Bewerteten geworben, ist die Nutzung seiner Daten rechtswidrig.“