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Abzocker locken Bewerber in eine Falle und machen sie zum Täter.

Job-Scamming : Betrüger locken Bewerber in die Falle

In der Pandemie müssen viele Arbeitnehmer finanzielle Abstriche machen, haben vielleicht sogar ihre Anstellung verloren. Kriminelle nutzen die Situation der Jobsuchende dreist aus. Die Opfer werden ungewollt zu Tätern gemacht.

Wer dringend Geld braucht, sollte bei der Jobsuche dennoch vorsichtig sein. Insbesondere wenn bei der Tätigkeit das eigene Konto eine zentrale Rolle spielen oder der Bewerber ein Video-Identverfahren durchlaufen soll, um die Stelle zu bekommen, ist höchste Vorsicht geboten, warnt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen.

Das Video-Identverfahren wird normalerweise verwendet, um sich beispielsweise bei einer Kontoeröffnung oder beim Abschluss eines Mobilfunkvertrages zu identifizieren. Das funktioniert per Videochat. Der Verbraucher hält in der Regel beide Seiten seines Personalausweises in die Kamera. Meist erhält er anschließend per SMS oder E-Mail einen Code, den er eingeben muss, um das Video-Identverfahren zu beenden. Neben dieser Möglichkeit zur Identifikation wird oft auch Post-Ident eingesetzt. Dabei muss sich der Kunde in einer Post-Filiale identifizieren.

Kriminelle sind laut LKA gezielt auf der Suche nach arglosen Jobsuchenden, mit deren Hilfe sie illegale Geschäfte bis hin zur Geldwäsche abwickeln wollen. Die falschen Angebote kommen nicht nur per Mail, sondern sind dem LKA zufolge sogar auf Jobbörsen zu finden. Häufig würden vermeintliche Treuhänder oder Produkttester gesucht.

Oft missbrauchten die Betrüger die Identität existierender, seriöser Unternehmen, bauten aufwendig deren Webseiten nach, um ihre Opfer zu täuschen, und stehlen das Impressum des jeweiligen Unternehmens samt Anschrift und Handelsregisternummer.

Viel Ärger kann sich ein Bewerber sparen, wenn er ein Video-Identverfahren bei einer Bank nur akzeptiert, wenn er dort selbst ein Konto eröffnen möchte. Im Rahmen einer Bewerbung ist das Verfahren unüblich. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen berichtet vom Fall einer jungen Frau, die auf die Betrüger hereingefallen ist. Per Video-Ident wurde ein Konto auf die Bewerberin angelegt, während ihr vorgegaukelt wurde, dass sie nur das Verfahren testen und bewerten solle. Die Betrüger „verwenden das auf ihren Namen bei der Kreditbank angelegte Konto für eBay-Verkäufe“, erklären die Verbraucherschützer. „Ahnungslose Käufer haben ihren Kaufpreis auf dieses Konto eingezahlt. Die Produkte haben sie im Zweifel nicht erhalten.“

Daher rät das Landeskriminalamt Niedersachsen, falls es doch zu einer Video-Authentifizierung kommt, ist eines wichtig, egal wie der Bewerber zuvor unterrichtet worden ist: Er muss klar sagen, worum es angeblich geht. Also etwa: „Ich bewerbe mich um einen Job und muss mich identifizieren.“ So kann der Video-Ident-Dienstleister erkennen, dass eine Identität missbraucht werden soll und die betrügerische Kontoeröffnung stoppen.

Grundsätzlich rät das LKA, keine persönlichen und sensiblen Daten an Unbekannte zu übermitteln. Dazu gehörten etwa eingescannte Personalausweise, Gehaltsnachweise oder Selfies mit Personalausweis.

Wer auf die Maschen hereingefallen und bereits als „Treuhänder“ tätig geworden ist oder unwissentlich ein Konto per Video-Identverfahren eröffnet hat, sollte möglichst schnell Anzeige bei der örtlichen Polizei erstatten, am besten mit Screenshots von der Jobanzeige und ausgedrucktem Mailverkehr. Laut Verbraucherzentrale Niedersachsen kann eine Strafanzeige auch im Internet gestellt werden.

Außerdem gilt es, beteiligte Kreditinstitute – soweit bekannt – zu informieren, mahnt das LKA. Das betrifft insbesondere die eigene Bank, da dort schnell Geldwäscheverdachtsanzeigen eingehen könnten. Denn häufig würden Betroffene ungewollt auch selbst zu Tätern. Da die Kriminellen Konten ihrer Opfer für Überweisungen verwenden, gelten sie als Finanzagenten, warnt die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zudem könnten Verbraucher, die Geld auf das Konto der Opfer überwiesen haben, dieses zurückfordern. Daher raten die Verbraucherschützer Betroffenen, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden.

www.online-strafanzeige.de

(dpa)