Ab Oktober sollen Autos via Internet an- und umgemeldet werden können.

Ab Herbst : Kfz-Zulassung mit einem Klick

Ab Herbst soll es bundesweit möglich sein, Autos via Internet anzumelden. Doch dafür ist der elektronische Personalausweis nötig.

Für einen Besuch in einer Kfz-Zulassungsstelle müssen Autobesitzer oft viel Zeit mitbringen. Nummer ziehen, sitzen, warten. Geduld ist gefragt. Ab Herbst soll sich das ändern. Das Projekt i-Kfz soll die internetbasierte Fahrzeugzulassung ermöglichen. Ein neues Auto sollen Halter künftig online anmelden, umschreiben oder wiederzulassen können, ohne zum Amt gehen zu müssen.

In Teilen ist das jetzt schon möglich, betrifft aber nur Abmeldungen oder Wiederzulassungen im selben Bezirk. Dies waren die ersten beiden Phasen des Projekts. „Wir ermöglichen nun auch das erstmalige An- und das Ummelden per Mausklick“, erklärte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

20 Millionen Zulassungsvorgänge für Pkw hat es laut Bundesverkehrsministerium 2018 gegeben. Damit sei die Kfz-Zulassung eine der meistgenutzten Verwaltungsvorgänge in Deutschland. Geplant ist, i-Kfz im Herbst bundesweit anbieten zu können. Allerdings wird das Verfahren nur für Fahrzeuge möglich sein, die erstmals nach dem 1. Januar 2015 zugelassen worden sind.

Was einfach klingt, erfordert vom Nutzer mehr als nur eine Internet­anbindung. „Zur Identifizierung ist ein Personalausweis mit Onlinefunktion notwendig. Daneben wird ein Lesegerät oder ein Smartphone mit NFC-Chip zur drahtlosen Übertragung der Daten benötigt“, erklärt Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS.

Die KÜS gehört zu den ersten Projektpartnern von i-Kfz und hat die entsprechenden Sicherheitsanforderungen für die Daten-Übermittlung umgesetzt. „Wird ein Fahrzeug online zugelassen, erfolgt ein Datenabgleich mit dem Zentralen Fahrzeugregister“, erklärt Schuster. Prüforganisationen wie die KÜS übermitteln ihre Daten nach der Hauptuntersuchung (HU) an das Register des Kraftfahrt-Bundesamts, von wo aus sie dann von den Zulassungsstellen abgerufen werden können.

In der Praxis soll die Online-Neuzulassung künftig so ablaufen: Im Onlineportal der Behörde identifiziert sich der Fahrzeughalter mittels Personalausweis mit PIN und Kartenlesegerät oder via Smartphone mit der Ausweis App. Das Programm wird gebraucht, um eine sichere und verschlüsselte Verbindung bei der Identifikation herzustellen. Dann muss bei der Zulassungsbescheinigung Teil II, früher auch Fahrzeugbrief genannt, der Sicherheitscode freigelegt werden. Dieser ist dort unter einem Aufkleber verdeckt angebracht. In die Auftragsmaske im Portal werden nun alle notwendigen Daten wie Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN), Sicherheitscode, Datum der Hauptuntersuchung eingetragen. Ebenfalls gebraucht wird die Nummer der elektronischen Versicherungsbestätigung (eVB), mit der nachgewiesen wird, dass das Auto haftpflichtversichert ist. Letztlich sind die Kontodaten des Halters einzutragen. Dann wird ein freies Kennzeichen ausgewählt, oder ein reserviertes Kennzeichen oder Wunschkennzeichen angegeben.

Die Daten werden vom System automatisch geprüft und der Antragsteller zahlt die anfallenden Gebühren. Anschließend wird der Antrag von einem Sachbearbeiter geprüft. Per Post kommen dann Zulassungsbescheid, die Zulassungsbescheinigung Teil I und II sowie die Plaketten für die Kennzeichen.

Eine Zeitersparnis hat der Autofahrer hier also nur bedingt, denn bis die Post mit Brief und Prüfsiegeln ankommt, können zwei bis drei Tage vergehen. Dafür entfällt die Wartezeit in den Behördenräumen. „Und niemand muss einen halben Tag für die Zulassung einplanen oder unter Umständen sogar einen Urlaubstag dafür nehmen“, sagt Johannes Boss vom ADAC. Der Verkehrsklub begrüßt die Einführung der Online-Zulassung, ungeachtet der technischen Hürden, die es für Nutzer gebe.

Wird ein bereits zugelassenes Fahrzeug umgemeldet und das Kennzeichen mitgenommen, geht es schneller. Die Mitnahme ist künftig auch dann möglich, wenn neuer und alter Fahrzeughalter in unterschiedlichen Zulassungsbezirken wohnen. Vor Ort stellt der neue Halter über das Handy auf dem Onlineportal den Antrag und bekommt einen vorläufigen Zulassungsbescheid in sein elektronisches Postfach auf dem Portal. „Das Auto ist somit zugelassen. Die Dokumente werden auf dem Postweg zugeschickt“, erläutert der Landesbetrieb Verkehr (LBV) der Stadt Hamburg auf Anfrage.

Was die Online-Meldung nicht ersetzen kann, ist das Aufkleben der amtlichen Prüfsiegel. Das soll der Autofahrer künftig selbst erledigen. In Hamburg etwa verschickt der LBV eine genaue Anleitung, damit die Plaketten korrekt aufgeklebt werden.

Schuster zufolge ist dies noch nicht einheitlich geregelt. Es habe tatsächlich schon falsch aufgeklebte HU-Siegel gegeben. „Es gibt Zulassungsstellen, wo dieser Teil der Online-Anmeldung noch nicht dem Kunden überlassen wird und die Autofahrer gebeten werden, mit den Nummernschildern vorbeizukommen.“

Noch sind nicht alle Zulassungsstellen so vernetzt, dass sie den Autofahrern i-Kfz anbieten können. „Für die Zulassungsstellen gibt es noch eine Übergangsfrist bis Oktober, um die technischen Voraussetzungen zu schaffen“, sagt Boos. Dem Bundesverkehrsministerium zufolge sind mehr als 400 der insgesamt 431 Zulassungsbehörden in Deutschland an das Verfahren angebunden. Aufseiten der Prüforganisationen würden nahezu alle Anbieter wie TÜV, Dekra oder KÜS die Voraussetzungen für i-Kfz erfüllen.

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