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Wegweiser durch die Kamera-Landschaft

Berlin. Bei der Frage nach der richtigen Kamera gehen die Meinungen auseinander. Muss es eine mit Wechseloptik sein, reicht eine bessere Kompaktkamera, oder ist man auch mit dem Smartphone gut bedient? dpa-Mitarbeiter Dirk Averesch

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Wenn ein Neukauf ansteht, sollten Hobbyfotografen also realistisch einschätzen, welches Gewicht und welche Ausrüstung sie bereit sind, mit sich herumzutragen. Einige Ratschläge zur Grundsatzentscheidung:

Smartphone: Die "Immer-dabei-Kamera" für einfache Ansprüche. Zumindest die Top-Geräte können in puncto Bildqualität mit den meisten Kompaktkameras mithalten und bieten inzwischen auch deutlich lichtstärkere Optiken, urteilt die Zeitschrift "FotoWelt". Auf einen optischen Zoom müsse man bei fast allen Smartphones verzichten. Typische Probleme bei den integrierten Smartphone-Kameras können die Auslöseverzögerung und Bildrauschen bei wenig Licht sein.

Kompaktkamera: Diese handlichen Apparate machen alles automatisch. Die besten Bilder machen Kompaktkameras draußen, wenn es schön hell ist. Ihr Nachteil ist der im Vergleich zu hochwertigeren Kameras winzige Bildsensor. Der zwingt die Kamera bei wenig Licht oder in Innenräumen dazu, länger zu belichten oder die Lichtempfindlichkeit (ISO) des Sensors zu erhöhen. Das eine führt schnell zu Verwacklern, das andere zu mehr Bildrauschen, störenden Pixeln, die in Helligkeit und Farbe von denen des eigentlichen Bildes abweichen.

"Kompaktkameras mit Drei- bis Fünf-fach-Zoom sind praktisch tot", sagt Markus Bautsch, Foto-Ingenieur bei der Stiftung Warentest . Gut verkauften sich dagegen noch Kompakte mit 25- bis 30-fachem Zoom, die immer noch relativ flach gebaut sind.

Aufgewertete Kompakte: Sie werden auch als Premium-Kompaktkameras bezeichnet und genügen mittleren bis hohen Ansprüchen. Denn in den Gehäusen stecken leicht oder auch deutlich größere Bildsensoren als in normalen Kompakten, oft auch lichtstarke Objektive, teils mit starkem Zoom. Wie bei Systemkameras mit Wechselobjektiven lassen sich Blende und Verschlusszeit manuell einstellen, was dem Fotografen mehr Kontrolle über seine Kamera gibt und ihm so künstlerische Freiheiten lässt. Der Vorteil der aufgewerteten Kompaktkameras : Alles ist nach Herstellerangaben hochwertig und in einem oft handlichen Gehäuse verpackt. "Die Kameras sind sehr interessant, weil Kamera und Objektiv perfekt aufeinander abgestimmt sind", sagt Bautsch. "Da ist man schon sehr dicht bei den Systemkameras ."

Systemkameras ohne Spiegel: Die Klasse für höchste Ansprüche. Die Kameras bieten Wechselobjektive, große Sensoren und oft auch einen elektronischen Sucher, der das Bild schon unter Berücksichtigung von Einstellungen wie Belichtung, Weißabgleich oder gewählten Effekten anzeigt. Und: Spiegellose stehen digitalen Spiegelreflexkameras (DSLR) bei der automatischen Schärfeeinstellung in Sachen Geschwindigkeit in nichts nach - im Gegenteil, erklärt Bautsch.

Auch Bildqualität und manuelle Einstellmöglichkeiten liegen auf dem gleichen Niveau. Ähnlich handlich wie Kompaktkameras sind sie aber nur mit extraflachen Objektiven. Bei allen anderen Objektiven schrumpft der Transportvorteil gegen über einer DSLR, weil man trotz des kleinen und leichten Gehäuses eine Tasche braucht.

Spiegelreflexkamera: Auch die klassische digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) ist für höchste Ansprüche konzipiert. Sie wird von vielen Fotografen gerade wegen ihres optischen Suchers, in den das Bild über den namensgebenden Spiegelmechanismus fällt, wegen ihrer hohen Bildqualität und wegen der riesigen Objektivauswahl geschätzt. Ein von Canon, Nikon, Pentax & Co viel genutztes Bildsensor Format ist APS-C. Sensoren dieser Größe stecken inzwischen aber auch in vielen Systemkameras ohne Spiegel. "Der Trend ist klar", urteilt Foto-Ingenieur Bautsch. "Ich denke, die Tage der Spiegelreflex-Technik sind gezählt" - auch wenn insgesamt noch viel mehr DSLR verkauft werden. Nach einer Prognose der Gesellschaft für Konsumforschung soll der Absatz von Systemkameras von 230 000 Millionen verkauften Kameras in 2013 auf 310 000 in diesem Jahr steigen. Die Zahl der DSLR soll um fünf Prozent auf unter eine Million sinken.