Vom Flaschenverschluss zum Hocker

Vom Flaschenverschluss zum Hocker

Kork ist seit einiger Zeit als Material für Wohnprodukte wieder sehr gefragt. Doch wie bei vielen Naturstoffen ist auch die Gewinnung von Kork aufwendig.

Kork kennt man als Verschluss für Weinflaschen, ebenso als Fußbodenbelag oder Dämmstoff. Seit einigen Jahren erfreut sich das Material auch bei Wohnprodukten wieder großer Beliebtheit. Sogar der Möbelgigant Ikea bedient den Trend gleich mit einer kompletten Kollektion von Produkten aus Kork. Für deren Design hat das schwedische Unternehmen mit Ilse Crawford eine der derzeit international erfolgreichsten Innenarchitektinnen engagiert. Zu der von der Britin entworfenen Produktfamilie gehören Sitzmöbel, ein Tisch, eine Leuchte, Untersetzer sowie verschiedene Glasgefäße mit Korkverschluss. Crawford begründet ihre ungewöhnliche Materialwahl mit den vielfältigen Eigenschaften des Werkstoffes: "Kork ist wasserabweisend, leicht und sehr robust", sagt sie.

"Was noch wichtiger ist: Es fühlt sich gut an. Wir wollten eine Kollektion schaffen, deren Stücke man gerne anfasst." In der haptischen Qualität des Werkstoffes sieht die Designerin einen Gegenpart zur immer immaterieller werdenden modernen Welt. "Je digitaler unser Leben wird, desto mehr sehnen wir uns nach dem Greifbaren", sagt Crawford. Wie bei allen Naturstoffen ist auch die Gewinnung von Kork aufwendig. "Erst bei der dritten Schälung, wenn der Baum ungefähr 40 Jahre alt ist, können sie zum ersten Mal das wertvollste Produkt, den Naturkorken, aus der Rinde ausstanzen", erklärt Ulrike Schaeidt, Mitglied im Deutschen Kork-Verband. "Sie müssen aufpassen, dass kein Feuer entsteht. Sonst haben sie 40 Jahre Investition in den Sand gesetzt." Wie ein guter Wein müsse auch Kork lange reifen.

Bei der Ernte der Rinde geht nichts verloren, sondern alles wird verwertet. Aus dem wertvollsten Teil werden die Korken ausgestanzt. Die Abfälle - rund zwei Drittel des Volumens - zermahlen die Produzenten zu Granulat. Dieses wird mit einem Bindemittel versetzt und unter Hitze zu Blöcken gepresst. Alte Korken können so zermahlen werden, denn Kork ist zu 100 Prozent recycelbar. Die Korkblöcke sind das Rohmaterial für die Designer.

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