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Nachhaltigkeit beim Möbelkauf
So erkennt man nachhaltiges Holz

Auch ein nachhaltiger Wald besteht letztendlich nur aus Bäumen. Dennoch lässt sich an einigen Details seine durchdachte Struktur ausmachen. Etwa, dass der Baumbestand den klimatischen Standortverhältnissen entspricht.
Auch ein nachhaltiger Wald besteht letztendlich nur aus Bäumen. Dennoch lässt sich an einigen Details seine durchdachte Struktur ausmachen. Etwa, dass der Baumbestand den klimatischen Standortverhältnissen entspricht. FOTO: dpa-tmn / Nicolas Armer
Paderborn. Bei Möbeln aus Massivholz sollte eigentlich klar sein, was man bekommt: ein Stück aus Naturmaterial, über viele Jahre gewachsen, frei von Schadstoffen. Doch wofür steht eigentlich Nachhaltigkeit beim Möbelkauf?

() Es ist ein Wald wie jeder andere. Bis auf diese Buchstaben, die Förster auf ein paar gefällte Stämme gesprüht haben: PEFC. Die Buchstaben stehen für „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, übersetzt etwa "Programm für die Anerkennung von Forstzertifizierungssystemen. Sie zeigen an, dass dieser Wald nahe Paderborn als nachhaltig gilt. Das PEFC-Zeichen gilt gemeinsam mit dem des Forest Stewardship Council (FSC) als das wichtigste Kennzeichen für Verbraucher in diesem Bereich.


Im Supermarkt befinden sich diese Markierung an vielen Produkten: an Grillkohle und Zahnstochern, auf Verpackungen von Taschentüchern, Toilettenpapier und Tampons, an Schulheften und auf Kochlöffeln. Begriffe wie biologisch, fair und natürlich sind nicht nur für Lebensmittel und Kleidung in aller Munde, sondern auch für solche Holzprodukte. Doch wann ist Holz eigentlich definitiv nachhaltig produziert?

In dem nachhaltigen Wald bei Warburg-Scherfede nahe Paderborn verraten viele Details, dass seine Struktur durchdachter ist als die anderer Wälder. Denn Waldbesitzer müssen auf bestimmte Punkte achten, um im Zertifizierungssystem PEFC zu bestehen. „Wenn wir einen Baum herausnehmen, verbleiben die Krone und das Wurzelwerk im Bestand“, nennt Dirk Teegelbekkers, Geschäftsführer von PEFC Deutschland, beim Ortsbesuch ein Kriterium des Siegels. „Denn es ist wichtig, dass wir Totholz im Wald belassen, damit Insekten Lebensräume finden.“



Außerdem gebe das verrottende Holz Nährstoffe an den Boden ab und versorge damit den neuen Bestand. Damit bei der Pflege und beim Fällen Schäden an den anderen Bäumen vermieden werden, habe dieser Wald auch alle 20 Meter Schneisen für Fahrzeuge, erklärt der Förster Florian Bitter vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW.

Auch wenn manche dieser Aspekte nur in zertifizierten Wäldern Anwendung finden müssen, sind in Deutschland nachhaltig bewirtschaftete Wälder die Regel. Denn Gesetze sehen unter anderem eine langfristige Bestandsplanung für öffentliche Wälder und größere Privatwälder vor. Grundsätzlich lasse sich daher sagen, dass die deutschen Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden – auch ohne ein Siegel zu tragen, erläutert Ulrich Bick vom Thünen-Institut für internationale Waldwirtschaft und Forstökonomie in Hamburg. Er verantwortet Entwicklung und Prüfung von Zertifizierungssystemen.

„Der Wald in Deutschland wird alle zehn Jahre inventarisiert, und dann wird eine Planung bezüglich der künftigen Bewirtschaftung gemacht“, sagt Bick. Die Planung sehe in der Regel vor, dass nicht mehr Holz entnommen werden darf als die Menge, die der Wald an Zuwachs bringen kann. Außerdem werde erhoben, welche Baumart oder welche Mischung sich an diesem Standort langfristig selbst einstellen würde. „Das ist aus ökologischen Überlegungen sehr sinnvoll und wichtig, aber auch aus ökonomischen. Denn ein so geplanter Wald ist am besten gewappnet gegen Sturm- und Käferschäden“, erläutert Bick.

Allerdings gebe es im deutschen Holz- und Möbelhandel eben nicht nur Hölzer aus Deutschland. Ob diese nachhaltig sind, lasse sich am Endprodukt für den Laien nicht erkennen. Innerhalb der EU sei Holz aus illegalen Quellen immerhin verboten. Wer den Rohstoff oder Holzprodukte erstmals auf den EU-Markt bringe, müsse den Nachweis erbringen, dass das Holz nicht aus illegalen Quellen stammt.

Die nachhaltige Bewirtschaftung von Holz aus internationalen Wäldern lasse sich aber nur mit den freiwilligen Siegeln PEFC und FSC gesichert erkennen, sagt Bick. Beide gehen teilweise sogar noch über die Regulierungsmaßnahmen der EU-Gesetze hinaus, vor allem aber über die Vorschriften vieler anderer Länder. Die Siegel garantierten außerdem auch eine gute Behandlung der Menschen, die im und mit dem Wald arbeiten.

Wollen Firmen das PEFC-Siegel am Endprodukt, wie einem Möbelstück, aufbringen, müssen sie sich kontrollieren lassen. Das gelte auch für die dazwischengeschalteten Betriebe. Das FSC-Siegel differenziere hier: Die Kennzeichnung „100%“ stehe für Material komplett aus zertifizierten Wäldern, beim „MIX“-Label sei ein Anteil nicht zertifizierter Holz-Bestandteile möglich. Der Verbraucher könne PEFC und FSC gleichsetzen.

(dpa)