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Nachtspeicherheizungen sind zu teuer
Relikt aus der Vergangenheit oder echte Option?

Nachtspeicheröfen werden mit Strom aufgeheizt und waren früher in vielen Wohnungen eingebaut.
Nachtspeicheröfen werden mit Strom aufgeheizt und waren früher in vielen Wohnungen eingebaut. FOTO: Andrea Warnecke / dpa-tmn
Berlin/Bonn. Nachtspeicheröfen waren viele Jahre gang und gäbe. 2009 sollten sie verboten werden, doch die Regelung wurde wieder gekippt.

(dpa) Nachtspeicheröfen sind ein Relikt aus alten Zeiten. Das sind elektrisch betriebene Heizungen, deren Wärmespeicher sich mit Strom aufheizen, der nachts eingespeist und tagsüber genutzt wird – eine Idee aus den 1960er und 1970er Jahren, als Kraftwerke in Schwachlastzeiten ihren Strom zu einem deutlich günstigeren Nachttarif verkauften. Und heute?


„Die Nachtspeicheröfen wurden eingebaut, als Strom noch günstig und CO2 noch kein Thema war“, sagt Jürgen Stefan Kukuk von der Arbeitsgemeinschaft für sparsamen und umweltfreundlichen Energieverbrauch (ASUE) in Berlin. Vor allem in der Nähe großer Kraftwerke waren die Öfen verbreitet. Ihr Komfort sei gar nicht mal schlecht, erklärt Kukuk. Sie können die Wärme bis zu 36 Stunden speichern. „Aber die Technik ist überholt. Und Heizen mit Strom ist auch aus Umweltgründen nicht akzeptabel.“ Auch ökonomisch sei diese Art zu Heizen heute ein Desaster.

Denn die günstigen Nachtstromtarife gebe es nicht mehr. Die Energieversorger könnten ihre Kraftwerkskapazitäten besser anpassen und ein Überangebot an Nachtstrom vermeiden. „Nachtspeicheröfen sind inzwischen die umweltbelastendste und teuerste Art zu heizen“, fasst Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima in Sankt Augustin bei Bonn zusammen. „Umweltbewusste und wirtschaftlich denkende Hausbesitzer werden ihre alten Geräte sukzessive durch effizientere und umweltfreundliche Heizungen ersetzen.“

Eigentlich sollten Nachtspeicheröfen bis 2020 sogar per Gesetz aus den Häusern verschwunden sein. Aber die 2009 beschlossene Regelung wurde vier Jahre später wieder gekippt. So heizen noch heute viele Menschen mit Nachtspeicheröfen. Rund 2,4 Millionen Anlagen gab es im Jahr 2000. Im Jahr 2017 waren noch etwa 1,6 Millionen in Betrieb, hat das Verbraucherportal Finanztip in Berlin ermittelt.

„Viele Nutzer haben keine Wahl“, sagt Stefan Materne von der Energieberatung der Verbraucherzentralen. Vor allem Mieter haben keinen Einfluss darauf, was für eine Heizung in ihrem Haus läuft. Sie können nicht mehr tun, als ihre Nachtspeicheröfen herunterzudrehen, um zu sparen. „Und zahlen dann trotzdem das Zwei- oder Dreifache gegenüber den Nutzern moderner Heizungssysteme“, erklärt Materne. „Denn der günstigste Arbeitspreis für Strom liegt gegenwärtig bei 18 bis 19 Cent pro Kilowatt. Gas kostet sechs Cent oder sogar weniger.“



Finanztip empfiehlt Mietern, einen Wärmestromtarif abzuschließen. Diese Tarife lägen durch niedrigere Entgelte für jede verbrauchte Kilowattstunde und geringere Netzentgelte rund 30 Prozent unter denen für Haushaltsstrom. Bei Nachtspeicherheizungen zahlten Verbraucher rund neun Cent pro Kilowattstunde weniger als für Haushaltsstrom.

Haus- und Wohnungsbesitzer, die noch Nachtspeicheröfen betreiben, seien hingegen gut beraten, diese auszutauschen. Allerdings sei es eine Frage des Einzelfalls, ob der Ersatz durch ein modernes Heizsystem überhaupt wirtschaftlich und welches geeignet ist. „Das hängt stark von der Dämmung des Gebäudes und dem Heizverhalten der Bewohner ab“, erklärt Wagnitz.

Prinzipiell sei vieles möglich, von der Direktheizung, Fernwärme, Wärmepumpe, Blockheizkraftwerk, Pelletheizung bis zur Brennwertheizung. Allerdings könne der bauliche Aufwand erheblich sein. „Bei Nachtspeicheröfen fehlt das wasserführenden Leitungssystem im Haus“, erläutert Materne. Die Nachtspeicheröfen werden an Stromleitungen angeschlossen und mit elektrischer Energie aufgeladen. Soll nun zum Beispiel eine neue Brennwertheizung eingebaut werden, müssten Heizungsrohre verlegt und Heizkörper installiert werden. Außerdem brauche man Platz für einen Heizkessel, einen Schornstein und eventuell einen Öltank. „Angesichts der Einsparung der hohen Stromkosten Jahr für Jahr kann sich der Aufwand aber lohnen“, so Maternes Urteil.

Bei Systemen mit einem Wärmespeicher sei das Heizwasser-Verteilsystem schon vorhanden. Hier müsse lediglich der Wärmeerzeuger ausgetauscht zu werden. Die Hoffnung mancher Experten, die Geräte noch anderweitig weiter nutzen zu können, zum Beispiel als Speicher für ein Überangebot an erneuerbaren Energien, habe sich weitgehend zerschlagen. „Die alten Nachtspeicheröfen sind nicht flexibel genug, um erneuerbare Energien aufzunehmen, wenn sie entstehen, und abzugeben, wenn sie gebraucht werden“, erklärt Kukuk. „Wir brauchen Speicher, die die Energie über ein bis zwei Wochen halten. Das können die alten Nachtspeicheröfen nicht.“ Zudem seien etliche Modelle mit Asbest belastet.

(dpa)