Mieter dürfen Wohnungen nur im Rahmen des normalen Gebrauchs beschädigen

Immobilien : Wenn die Wand durchlöchert ist

Was gehört zum Gebrauch einer Wohnung? Und wo fängt Beschädigung an? Darüber streiten sich Mieter und Vermieter häufig.

Grundsätzlich kann ein Mieter innerhalb seiner vier Wände tun und lassen, was er will. „Er darf Regale einbauen oder andere Dinge an Wänden und Decken befestigen“, sagt Beate Heilmann von der Arbeitsgemeinschaft Mietrecht und Immobilien im Deutschen Anwaltverein. Wer die Wohnung allerdings sinnlos beschädige, müsse Schadenersatz leisten.

Ein häufiger Streitpunkt sind Dübellöcher. Wo darf man bohren, wo nicht? Wer beispielsweise zwei Löcher für ein Regal bohrt, handelt vertragsgemäß. Schwieriger wird es bei 30 Bohrlöchern oder mehr. Aber auch das kann in Ordnung sein, wenn es nicht anders geht. „Wer Löcher in Fliesen bohren will, sollte vorher mit dem Vermieter reden“, betont Anja Franz vom Mieterverein in München.

Wie so oft, gilt auch hier: „Es kommt auf den Einzelfall an. Es gibt zwar viele Urteile zu diesem Thema, aber keine einheitliche gesetzliche Regelung“, sagt Franz. Wenn möglich, sollten Mieter nicht direkt in die Fliesen, sondern in die Fugen bohren. Das lässt sich später leichter reparieren.

Auch andere Befestigungen sollten Mieter prüfen, Ankleben zum Beispiel. Ist dies möglich, und der Mieter hat davon keinen Gebrauch gemacht, kann der Vermieter Schadenersatz verlangen. So urteilten die Amtsgerichte Köpenick (Az.: 4 C 64/12) und Münster (Az.: 28 C 3053/07).

Bohrt der Mieter ohne erkennbaren Nutzen Dübellöcher in Badfliesen, handelt es sich um eine Beschädigung. Dann ist eine Grenze überschritten. Laut Landgericht Göttingen (Az.: 5 S 106/88) ist der Mieter gegenüber dem Vermieter schadenersatzpflichtig.

Diskussionen gibt es oft auch über Schäden am Parkettboden. „Es ist ganz normal, dass ein Parkettboden mit der Zeit abgenutzt wird“, sagt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Auf den typischen Laufwegen in der Wohnung entstehen Spuren, Möbel hinterlassen Abdrücke. Auch Kratzer unter den Stühlen am Esstisch gehören bis zu einem gewissen Grad zur vertragsgemäßen Nutzung, erklärt sie.

Das Amtsgericht Frankfurt entschied, dass oberflächliche Kratzer sind im Alltag fast unvermeidlich sind (Az.: 33 C 710/14 (51)). Für solche Schäden müssen Mieter beim Auszug nicht geradestehen. Auch kleine Kerben lassen sich über die Jahre kaum vermeiden.

Umsicht ist trotzdem angesagt. Bei Schreibtischstühlen mit Rollen ist zum Beispiel zu erwarten, dass sie Parkett oder Laminat zerkratzen und auch auf anderen Fußböden Schäden hinterlassen können. Hier kann es nicht schaden, eine Unterlage unter den Stuhl zu legen.

Auch das Tragen von Straßenschuhen in der Wohnung wird von Gerichten toleriert. Es gehöre zum Wohnalltag, entschied das Amtsgericht Frankfurt (Az.: 33 C 3259/10-26). Entstehen vermehrt im Eingangsbereich wegen der Schuhe Kratzer, ist das eine vertragsgemäße Abnutzung, urteilt das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az.: I-10 U 46/03). Entsprechende Schäden sind mit der Miete abgegolten.

Anders ist das bei Schäden, die über den üblichen Verschleiß hinausgehen: Rotweinflecken oder Brandlöcher im Parkett oder auf dem Teppichboden. Dafür muss der Mieter aufkommen, befand das Landgericht Dortmund (Az. 21 S 110/96). Das gilt auch für Kratzer durch Tierhaltung, urteilte das Landgericht Koblenz (Az.: 6 S 45/14).

Ein Grenzfall ist das Rauchen. Grundsätzlich dürfen Mieter in ihrer Wohnung rauchen. Wenn durch den Qualm die Teppichböden so sehr stinken, dass die Wohnung so nicht weiter vermietbar ist, muss der Mieter einen neuen Teppichboden bezahlen, entschied das Amtsgericht Magdeburg (Az.: 17 C 3320/99).

Auch eine unerlaubte Tierhaltung oder das Betreiben eines Gewerbes mit Publikumsverkehr ist in Mietwohnungen unzulässig. „Geht eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, ist der Vermieter zur fristlosen Kündigung berechtigt“, sagt Heilmann.

Wer schuldhaft oder fahrlässig Schäden anrichtet, kann meist davon ausgehen, dass das nicht unter die normale Wohnungsnutzung fällt. Etwa wenn die Parfümflasche fällt und einen Sprung ins Waschbecken schlägt oder der heiße Topf auf der Arbeitsfläche Brandflecken zurücklässt. „Das kann passieren. Mit einer Haftpflichtversicherung können sich Mieter für solche Schäden wappnen“, sagt Franz.

Mehr von Saarbrücker Zeitung