320 Todesfälle im Jahr 2022 „Asbest-Welle“ rollt auf Deutschland zu – Immobilien im Saarland sind stark betroffen

Saarbrücken · Im Saarland könnte in mehr als 170 000 Häuser der krebserregende Baustoff Asbest verbaut worden sein. Die IG Bau warnt vor einer „Asbest-Welle“ im Zuge anstehender Sanierungsarbeiten und fordert besseren Schutz für Bauarbeiter und Hobbyhandwerker.

Immobilien-Drama: Asbest-Welle auf Saarland zu– IG Bau schlägt Alarm
Foto: picture-alliance/ ZB/Bernd Wastneck

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) warnt vor einer „Asbest-Welle“ in Deutschland, ausgehend von zunehmenden Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an Wohnhäusern. Es sei davon auszugehen, dass alle Gebäude, die zwischen 1950 und 1989 gebaut, saniert oder modernisiert wurden, asbestbelastet sind. Im Saarland seien davon insgesamt 170 858 Häuser betroffen.

320 Todesfälle durch Asbest-Erkrankung 2022

Eine Gefahr durch Asbest für die Gesundheit gehe erst für den Menschen aus, wenn Asbest-Partikel durch staubige Bauarbeiten in die Luft gelangen und eingeatmet werden, erklärt Carsten Burckhardt, Bundesvorstand der IG Bau. Für Bauarbeiter und Hobbyhandwerker sei daher das Tragen einer Atemmaske und eines Schutzanzugs besonders wichtig, um sich vor Asbest zu schützen.

Durch das Einatmen von asbestbelastetem Baustaub kann es zu einer Veränderung des Lungengewebes bis hin zu Krebserkrankungen kommen, so Burckhardt. Im vergangenen Jahr hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft bundesweit 320 Todesfälle registriert, die auf eine Asbest-Erkrankung, wie eine Asbestose sowie Lungen-, Kehlkopf- oder Eierstockkrebs, zurückzuführen seien.

Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz stellt 53 Mängel auf Baustellen fest

Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) hat im vergangenen Jahr 176 gewerbliche Baustellen kontrolliert, auf denen mit asbestbelasteten Materialien aufgrund von Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten gearbeitet wurde. Dabei wurden 53 Mängel festgestellt, teilt das Umweltministerium unserer Zeitung mit. In sieben Fällen seien diese so gravierend gewesen, dass ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde. Des Weiteren wurden sechs Strafanzeigen an das Landeskriminalamt weitergeleitet.

Auf Beschwerden von Anwohnern hin wurden zudem sieben private Baustellen kontrolliert. In sechs Fällen wurde eine Beschwerde an das Landeskriminalamt zur Prüfung einer Straftat weitergeleitet, so ein Sprecher des Umweltministeriums. Tendenziell sei die Anzahl der Mängel zwischen 2018 (123 Mängel) und 2021 (42 Mängel) rückläufig gewesen. In diesem Jahr wurden dem LUA bereits 442 gewerbliche Baustellen im Saarland gemeldet, bei denen Arbeiten mit asbesthaltigen Produkten durchgeführt werden.

IG Bau fordert Schadstoff-Gebäudepass und Abwrack-Prämie für Asbest-Häuser

Um auf die Gefahr von Asbest verstärkt aufmerksam zu machen, fordert die IG Bau verschiedene Maßnahmen. Zum einen spricht sich die Gewerkschaft für eine Einführung eines Schadstoff-Gebäudepasses aus. Dieser soll vor Bauarbeiten Auskunft über das Asbestvorkommen und andere Schadstoffe im Gebäude geben.

Außerdem fordert die IG Bau eine Sanierungs- und Abwrack-Prämie für Asbest-Häuser sowie eine übergreifende Kooperation von Bund, Ländern und Kommunen, um auf möglichst breiter Ebene auf die drohende Zunahme der Asbest-Gefahr aufmerksam zu machen.

Asbest-Fasern sind zwischen 1950 und 1990 überwiegend in Zement, Fußbodenbelägen und Belägen von Bremsen und Kupplungen zum Einsatz gekommen. Seit 1993 gilt in Deutschland ein Herstellungs- und Verwendungsverbot.