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Mischkulturen im Beet
Gesundes Miteinander im Beet

Mischkulturen schützen sich gegenseitig vor Schädlingen und Krankheiten oder fördern sich im Wachstum.
Mischkulturen schützen sich gegenseitig vor Schädlingen und Krankheiten oder fördern sich im Wachstum. FOTO: dpa-tmn / Andrea Warnecke
Fulda/Berlin. Wer biologisch gärtnern möchte, kommt um eine Methode nicht herum: die Mischkultur. Doch nicht alle Kräuter- und Gemüsesorten können auch beliebig miteinander in einem Beet kombiniert werden.

() Paprika und Buschbohnen sind für Doris Kampas ein ideales Paar. Wenn sie die beiden nebeneinander pflanzt, kann sich die Bio-Gärtnerin in der Regel sicher sein: Das wird was mit der Ernte. „Buschbohnen gedeihen im Schatten der Paprika sehr gut und reichern wiederum mit Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden an. Ein Nährstoff, der den stark zehrenden Paprika zugutekommt.“


Mischkultur heißt die Anbaumethode, die sich durch Kombination die positiven Eigenschaften von Kräutern und Gemüse zunutze macht. „Oft wird reihenweise gewechselt, gelegentlich auch innerhalb einer Reihe“ erklärt Christa Weinrich, Gartenbau-Ingenieurin aus Fulda. „In manchen Gärten verzichtet man ganz auf die Einteilung von Beeten und zieht die Reihen einfach über die ganze Anbaufläche.“

Die Mischkultur steht im Gegensatz zur Monokultur mit nur einer Art auf einer Fläche. Sie basiert auf gärtnerischem Erfahrungswissen. „Wissenschaftliche Belege dafür, dass sie funktioniert, gibt es bislang aber kaum“, sagt Herbert Lohner, Referent für Naturschutz im BUND-Landesverband Berlin. Ursprungsort ist wohl der Bauerngarten.

„Mischkultur folgt dem Prinzip der Fruchtfolge – nur innerhalb eines Jahres. Bei der Ernte wurde gleich in jede Lücke etwas Neues gepflanzt, sodass man die ganze Zeit über Gemüse im Garten hatte.“

Aber Mischkultur bringt auch aus Sicht der Fachleute viele Vorteile mit sich. So schützten sich Pflanzen gegenseitig vor Schädlingen und Krankheiten oder förderten sich im Wachstum. Laut Weinrich wehrt beispielsweise der Geruch von Sellerie und Tomaten Kohlfeinde ab. Salat und Spinat schützten junge Kohlpflanzen und Radieschen vor Erdflöhen. Auch Möhren, Lauch und Zwiebeln seien eine gute Kombination: „Frühmöhren halten die Lauchmotte fern, Zwiebeln und Lauch die Möhrenfliege ab“, sagt Weinrich.



Auch der Boden kann von einer Mischkultur profitieren. Schnellwachsende Pflanzen wie Spinat beschatten ihn und verhindern schnelles Austrocknen. Nährstoffe werden optimal genutzt, vor allem durch unterschiedliche Wurzeltiefen. „Würden immer nur Flachwurzler wie Gurken und Radieschen angebaut, hätte man nach geraumer Zeit mit erheblichen Nährstoffverlusten zu rechnen“, sagt Weinrich. Ein Teil der Nährstoffe werde durch Regen- und Gießwasser in den Untergrund gespült.

Ganz ohne Düngung kommt aber auch die Mischkultur nicht aus. „Wenn Pflanzen auf so dichtem Raum und ständig hintereinander gepflanzt werden, brauchen sie auch genügend Nährstoffe. Am besten mit gutem Reifkompost, den man vor der Beetbestellung geben kann, und mit Brennnesseljauche“, rät die Gartenbau-Ingenieurin Weinreich.

Es sei ein klassischer Anfängerfehler, zu dicht zu pflanzen, erklärt Lohner. Auch den Platzbedarf sollten Hobbygärtner nicht unterschätzen, denn dann werde die Konkurrenz der Pflanzen, unterirdisch um Nährstoffe und Wasser und oberirdisch um Licht, zu stark.

Das gelte auch für Kulturen, die nacheinander ins Beet gebracht werden. Ein Beispiel: Will man Blumenkohl und Sellerie pflanzen, sollte man die Blumenkohlreihen nicht zu eng beieinander ziehen, sagt Weinrich. „Sellerie braucht später mindestens 40 Zentimeter Abstand.“ Die Lücken zu Beginn könne man mit Salat füllen. „Er ist geerntet, wenn der Sellerie gepflanzt wird.“

Mischkultur setzt auf das Miteinander. Doch nicht alle Sorten vertragen sich gleichermaßen. So sollte man Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten, Paprika und Gurken nicht nebeneinander setzen. Sie sind nicht nur Starkzehrer, sondern sie sind auch anfällig für die gleichen Schädlinge und Krankheiten. Lohner rät: Möglichst weit auseinandersetzen. „Sonst stecken sie sich gegenseitig an – und dann kann man die Tomatenernte schon im Juli vergessen.“

Auch Salat und Petersilie passen laut Kampas nicht zusammen. „Petersilie sondert einen Stoff ab, der die Salatpflanzen vorzeitig zum Schießen, also zur Blütenbildung, bringt.“ Liebstöckel und Wermut sollten sogar besser ganz alleine stehen. „Beide Kräuter werden sehr groß und entziehen dem Boden große Mengen an Wasser und Nährstoffen. Zudem scheiden sie Duftstoffe aus, die den Wuchs anderer Pflanzen hemmen“, sagt Kampas. Als sehr verträgliche Pflanzen gelten hingegen Spinat und Karotten – zumindest solange sie nicht mit Verwandten aus derselben Pflanzenfamilie zusammengesetzt werden.

(dpa)