Abwasserleitung muss stets dicht sein

Bonn · Die Bundesländer und teils auch die Kommunen haben keinesfalls eindeutig geregelt, wann und wie Abwasserleitungen auf Dichtheit überprüft werden müssen. Die Hausbesitzer sind jedoch zur Prüfung verpflichtet. Sie sollten sich daher selbst über Fristen und Vorschriften informieren.

Es gehört zu den Aufgaben von Hausbesitzern, zu überprüfen, ob ihre Abwasserleitungen dicht sind. Allerdings fehlt vielen der Durchblick bei den Fristen und Pflichten. Aktuell gilt die DIN 1986-30. Ihr zufolge sollten neue Leitungen, die nach Einbau auf Dichtheit kontrolliert wurden, nach 30 Jahren erneut geprüft werden. Für alle anderen Leitungen beträgt die Frist 20 Jahre. Konkrete Fristen zu setzen, sei Aufgabe der Bundesländer, erklärt Amal Khalil vom Verband Wohneigentum in Bonn .

Die Bundesländer, teilweise auch deren Städte und Gemeinden, könnten selbst festlegen, welche Kanäle wie oft geprüft werden müssen, erläutert die Expertin. Tatsächlich handhaben die Länder die Regelungen zur Überprüfung der Dichtheit sehr unterschiedlich. In Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind bestimmte Fristen festgelegt und Abläufe geregelt. Keine verbindlichen Prüffristen gibt es derzeit im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bremen und den östlichen Bundesländern. In den meisten dieser Länder haben Städte und Kommunen das Recht, eigene Regelungen einzuführen. Dies gilt auch für Bayern und Hessen.

"Jeder Hauseigentümer ist für die Instandhaltung seiner Abwasserleitungen jedoch selbst verantwortlich", betont Amal Khalil. Wer unsicher sei, sollte sich bei seiner Kommune erkundigen, ob und wie die Dichtheitsprüfung geregelt ist. Die wichtigen Fragen sind: Gibt es eigene Regelungen? Welche Fristen gelten? Liegt die Immobilie in einem Wasserschutzgebiet? Auch Bauherren klären besser vorab, ob die Kommune für neue Entwässerungsanschlüsse Dichtheitsnachweise fordert. "Wenn ja, ist zu klären: Wie wird geprüft? Wer stellt die Nachweise aus?", sagt Khalil.

Oft werden Hauseigentümer von den Kommunen über ihre Prüfpflichten informiert. Allerdings sollten sie sich darauf nicht verlassen. Denn die Kommunen handhaben das oft unterschiedlich. "Einige schreiben alle Hausbesitzer an und informieren über Fristen, andere organisieren Informationsveranstaltungen", erklärt Khalil. Denn die Pflicht, über Dichtheitsprüfungen zu informieren, sei nicht allgemein geregelt.

Im Zweifelsfall ist es besser, wenn Hausbesitzer selbst aktiv werden und zum Beispiel einen Blick in die örtliche Abwassersatzung werfen. Dort ist geregelt, welche Fristen gelten und wie die Dichtheit geprüft werden muss. Denn Unwissenheit schützt nicht vor Strafe: Können Hausbesitzer bei einer Kontrolle keinen Nachweis über eine fristgerechte Prüfung ihrer Leitungen vorlegen, droht ihnen ein Bußgeld. Wer seine Leitungen überprüfen will, sollte sich mehrere Angebote einholen, rät Fatma Öksüz von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn es seien viele unseriöse Firmen unterwegs, die die Unsicherheit der Hausbesitzer ausnutzen wollten. Diese prüfen oft mehr als nötig, sind dadurch teurer und bescheinigen zudem nicht selten falsche Defekte, welche gegen weiteres Geld repariert werden sollen.

Die Ausgaben für eine Dichtheitsprüfung liegen laut Verbraucherzentrale für ein Einfamilienhaus zwischen 300 und 500 Euro. Sie hängen unter anderem von der Länge der Leitungen ab, aber auch von der Zugänglichkeit der Kanäle und Schächte. Die Kosten können als Handwerksleistungen steuerlich abgesetzt werden. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Az.: VI R 1/13).

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