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Studium
Behinderte Studenten verzichten oft auf Hilfe

Jeder zehnte Student ist behindert oder leidet an einer chronischen Krankheit.
Jeder zehnte Student ist behindert oder leidet an einer chronischen Krankheit. FOTO: gms / Christiane Link
Berlin. Studie des Deutschen Studentenwerks beklagt „Unterlassungssünden“ der Hochschulen.

(dpa) Rheuma, Depression, Epilepsie – an den Hochschulen in Deutschland sind zehntausende Studenten eingeschrieben, die unter chronischen Krankheiten leiden oder behindert sind. Eigentlich sollte es für diese Studenten erleichterte Studienbedingungen geben. Doch die Realität sehe oft anders aus, berichtet das Deutsche Studentenwerk.


Deutschlandweit verzichteten ungezählte Studenten auf diese möglichen Erleichterungen, zeigt eine Studie des Deutschen Studentenwerks und des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Viele junge Menschen wüssten über die Hilfsmöglichkeiten schlicht nicht Bescheid oder sie hätten Hemmungen, sich als beeinträchtigt zu outen, erklärt der Präsident des Studentenwerks, Rolf-Dieter Postlep.

Insgesamt habe mehr als jeder Zehnte der rund 2,8 Millionen Studierenden eine Behinderung oder chronische Krankheit. Mehr als die Hälfte leide unter psychischen Erkrankungen, jeder Fünfte habe ein chronisches körperliches Leiden wie Rheuma oder Epilepsie. Dazu kämen zusätzlich Studenten mit Bewegungs- oder Sinnesbeeinträchtigungen oder Legasthenie.



Neun von zehn der Betroffenen hätten Schwierigkeiten mit der Organisation ihres Studiums, habe die Umfrage ergeben. Ihnen bereiteten eine hohe Zahl von Prüfungen, Anwesenheits- und Zeitvorgaben Probleme. Aber nur knapp jeder dritte Betroffene habe bei seiner Hochschule schon einmal mögliche Erleichterungen beantragt – etwa einen individuellen Studienplan, die Änderung der Bedingungen für Prüfungen oder die Verlegung eines Praktikums.

Solche sogenannten Nachteilsausgleiche könnten etwa beim Prüfungsausschuss oder beim jeweiligen Prüfungsamt beantragt werden. In der Regel sei dafür die Stellungnahme eines Facharztes oder Therapeuten nötig. Betroffene sollten sich deshalb vorher mit den in fast allen Hochschulen zu findenden Beratern für Behinderungen in Verbindung setzen, um die individuellen Möglichkeiten zu erörtern, erklärte das Studentenwerk. Die Beauftragten für Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten müssten dabei persönliche Angaben streng vertraulich behandeln.

Den Hochschulen warf Studentenwerkschef Postlep unter anderem vor, ihre Studienanfänger häufig nicht ausreichend über solche Möglichkeiten zu informieren. „Das ist eine Unterlassungssünde.“ Oft lägen an irgendwelchen Orten entsprechende Infobroschüren herum, das sei aber viel zu wenig. Der Grünen-Bildungspolitiker Kai Gehring rief auch Bund und Länder auf, die Betroffenen bei der Gestaltung ihrer Förderprogramme stärker in den Blick zu nehmen.

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(dpa)