Wer kurz vor dem Einschlafen intensiv Sport treibt, schläft schlechter

Schlaflos durch Joggen? : Sorgt Sport am Abend für eine schlaflose Nacht?

Für die verbreitete Annahme, dass Menschen, die abends Sport treiben, schlechter einschlafen können, gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis.

(dpa) Ob Joggen, Fußball oder der regelmäßige Besuch im Fitnessstudio. Sport tut der Gesundheit gut. Doch ist er auch gut für den Schlaf? Wer abends Gewichte stemmt oder sich aufs Rennrad schwingt, schläft schlechter, so lautet eine weit verbreitete Annahme. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) weist in einem Ratgeber zum Beispiel darauf hin, dass Sport kurz vorm Zubettgehen den Schlaf stören kann.

Sportwissenschaftler der ETH Zürich haben für eine sogenannte Metaanalyse 23 Untersuchungen zu diesem Thema ausgewertet. Ihr Ergebnis: Wer weniger als eine Stunde vorm Zubettgehen intensiv trainiert, läuft tatsächlich Gefahr, schlechter einzuschlafen. Doch diese Feststellung bezieht sich ausdrücklich auf ein intensives Training kurz vor der Nachtruhe. Bei niedriger Intensität scheine Sport sogar den gegenteiligen Effekt zu haben. Die Unterschiede seien allerdings so gering gewesen, dass sie wahrscheinlich als „klinisch irrelevant“ eingestuft werden müssten.

In einem Studienüberblick aus dem Jahr 2015 haben US-Psychologen die Einflüsse des Sports zu verschiedenen Tageszeiten verglichen. Sie kommen dabei zum Ergebnis, dass Menschen, die weniger als drei Stunden vor dem Zubettgehen Sport getrieben hatten, sogar seltener aufwachten als solche, die am Nachmittag oder frühen Abend, also drei bis acht Stunden vor dem Zubettgehen, trainiert hatten.

Noch weniger Forschung gebe es mit Blick auf Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Und das ist in Deutschland laut Berichterstattung des Bundes fast jeder Dritte. Australische Wissenschaftler haben sich die Wirkung sportlicher Betätigung am Abend speziell bei übergewichtigen Männern mit Schlafstörungen angeschaut. Sie fanden keine Hinweise auf besondere Effekte eines Sportprogramms am Abend. Jedoch kann Bewegung offenbar den Biorhythmus beeinflussen und ähnlich wie Licht als Zeitgeber wirken – darauf deutet wiederum eine Studie aus den USA hin.

Dass die Ergebnisse unklar und teils widersprüchlich sind, dürfte auch daran liegen, dass meist nur Messwerte weniger Testpersonen verglichen wurden. Die Schweizer Analyse umfasste zwar 23 Studien, an denen aber nur 275 Personen teilnahmen, im Schnitt zwölf Personen pro Studie. Ihre Ergebnisse gelten damit wie die der anderen Untersuchungen als nicht belastbar.

(dpa)
Mehr von Saarbrücker Zeitung