Tübingen: Pech gehabt: Zweifel an Intelligenz des Neandertalers

Tübingen : Pech gehabt: Zweifel an Intelligenz des Neandertalers

(np) Wie intelligent war der Neandertaler? Dass er in der Lage war, Tiere aus über 20 Meter Distanz zu töten, haben Wissenschaftler des University College London vor Kurzem nachgewiesen.

Doch wie baute er die Waffen, die das möglich machten? Neandertaler nutzten Birkenpech als Klebstoff, um Steinspitzen an Hölzern zu befestigen. So entstanden zum Beispiel Speere. Birkenpech ist ein Klebstoff, der aus schwelender Birkenrinde gewonnen werden kann. Die Forschung ging bislang davon aus, dass dieser Steinzeit-Kleber nur in einem komplizierten Prozess hergestellt werden kann, bei dem Baumrinde unter Luftabschluss erhitzt werden muss, berichtet die Uni Tübingen. Weil der Neandertaler Birkenpech nutzte, er also dieses Herstellungsverfahren beherrschte, wurden ihm höhere geistige Fähigkeiten zugeschrieben. Doch nun haben Forscher der Uni Tübingen demonstriert, dass es einen viel einfacheren Weg gibt, den Kleber herzustellen. Damit wackelt die Annahme, der Neandertaler habe eine höhere Handwerkskunst beherrscht.

Die Forscher experimentierten mit in der Steinzeit alltäglichen Materialien, berichtet die Hochschule. Sie sammelten zum Beispiel Birkenrinde im Wald und verbrannten sie neben flachen Flusskieseln mit glatter Oberfläche. Nach drei Stunden habe sich dort bereits eine brauchbare Menge des schwarzen, klebrigen Materials abgesetzt, die sich leicht von der Oberfläche der Steine abkratzen ließ. „Dieses Birkenpech wies ähnliche Merkmale auf wie Proben, die wir von Neandertaler-Fundorten kennen“, sagt Dr. Patrick Schmidt. Die Klebkraft sei sogar höher gewesen als die von Proben, die mit komplizierteren Verfahren gewonnen wurden. Die Herstellungsweise sei so einfach, dass sie auch zufällig hätte entdeckt werden können, erklärt Dr. Claudio Tennie. Als Indiz höherer geistiger Fähigkeiten tauge die Verwendung dieses Klebers damit nicht, sagen die beiden Forscher.

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