Die Varroa-Milbe bedroht mehr Insekten als bisher gedacht

Bienensterben : Die Bienen-Milbe ist gefährlicher als bisher angenommen

Der Parasit kann über einen Umweg außer der Honigbiene auch Wildbienen und Hummeln gefährlich werden, warnen Forscher der Universität Ulm.

(np) Die Varroa-Milbe bedroht nicht nur Bienenvölker weltweit. Der Parasit, der binnen eines Jahres ein Bienenvolk auslöschen kann, ist deutlich gefährlicher als bisher gedacht, berichten Bienenforscher der Universitäten Ulm und Exeter (England). Sie haben herausgefunden, dass die Milbe auf einem Umweg Wildbienen und Hummeln gefährlich werden kann, obwohl sie diese Insekten nicht direkt befällt.

Die Wissenschaftler um die Ulmer Professorin Lena Wilfert berichten, dass diese Parasiten die Übertragung eines Insektenvirus begünstigen, das von den Bienen auf andere geflügelte Tiere überspringen kann.

Die Varroa-Milbe ist ein Honigbienenparasit. Sie hat es auf die Kleinsten im Bienenvolk abgesehen und entwickelt und vermehrt sich in der Brut. Die Forscher untersuchten sowohl Varroa-freie als auch Varroa-befallene Inseln vor der französischen und britischen Küste. Dabei habe sich herausgestellt, dass das sogenannte Flügeldeformationsvirus in Milbengebieten weit verbreitet war. Honig- und Wildbienen teilen sich gemeinsame Lebensräume und nutzen dieselben Pflanzen.

Das Flügeldeformationsvirus befällt Bienen vor allem im Larven- und im Verpuppungsstadium. Bei erwachsenen Bienen ist die Krankheit an einer Verformung der Flügel zu erkennen, der Verkürzung des Hinterleibes sowie an Verfärbungen. Viele infizierte Larven sind nicht lebensfähig und sterben, nachdem sie geschlüpft sind. Befallene Bienenvölker schaffen es daher meist nicht über den Winter. Für die betroffenen Imker sind die ökonomischen Schäden immens.

Nach der Bienenseuchen-Verordnung seien in Deutschland alle Besitzer von Bienenvölkern aufgerufen, Stände, die mit Varroa-Milben befallen sind, zu behandeln, erklären die Bienenforscher. Weil von diesen Schutzmaßnahmen auch Wildbienen profitierten, sei es auch ökologisch von großer Bedeutung, Honigbienenvölker milbenfrei zu halten, erklären Lena Wilfert und Robyn Manley von der University of Exeter.

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