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München: Blaues Wunder von Madagaskar: Zoologen finden Rieseninsekt

München : Blaues Wunder von Madagaskar: Zoologen finden Rieseninsekt

Die mehr als 20 Zentimeter langen Riesenstabschrecken geben Wissenschaftlern Rätsel auf. Sie strahlen für eine kurze Zeit in schillernden Farben.

(np) Zweige sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Das zeigen die Stab- und Gespenstschrecken. Die Insekten leben vor allem in tropischen und subtropischen Regionen und haben sich in erstaunlicher Weise an ihre Umwelt angepasst. Auf den ersten Blick ähneln sie Blättern oder Ästen.

Wissenschaftler der Zoologischen Staatssammlung München und der Universität Göttingen haben nun in Madagaskar zwei neue Arten der Riesenstabschrecken entdeckt, die mehr als 20 Zentimeter lang werden können und zu den größten Insekten der Insel zählen. Eine dieser Riesenstabschrecken fiel den Forschern aber nicht nur wegen ihrer Größe auf.

Die erwachsenen Männchen einer dieser Arten tarnen sich im Unterschied zu den meisten anderen Insekten dieser Gattung nicht als Äste, sondern präsentieren sich in üppiger Farbenpracht. Warum sich die Männchen diese Extravaganz leisten, sei ein Rätsel, sagen die Forscher. Die wichtigste Überlebensregel für Stabschrecken sei es eigentlich, sich im Geäst unsichtbar zu machen. Wie die knallbunten Tiere es schafften, trotz ihrer Signalfarben zu überleben, sei rätselhaft.

Die Forscher halten es für möglich, dass die Signalfarben eine Warnung an Feinde darstellen. „Möglicherweise nehmen die Riesenstabschrecken Pflanzengifte auf, die sie in ihrem Körper einlagern, und signalisieren mit ihrer Farbenpracht, dass sie nicht genießbar sind“, sagt Frank Glaw, Kurator an der Zoologischen Staatssammlung München.

Eine andere Erklärung könnte lauten, dass bunte männliche Tiere auf Weibchen besonders anziehend wirken. Glaws Kollege Oliver Hawlitschek fragt sich allerdings, ob diese Erklärung bei den hauptsächlich nachtaktiven Tieren zutreffen kann. Auffällig sei jedenfalls, dass die Männchen ihre Farbenpracht erst entwickelten, nachdem sie erwachsen geworden seien. Bis zur letzten Larvenhäutung sähen sie aus wie ein brauner Zweig und seien tagsüber fast unsichtbar. Erst danach verwandelten sie sich binnen weniger Tage in ein farbenprächtiges Insekt.

Die Weibchen bleiben hingegen wie die meisten Stab- und Gespenstschrecken zeitlebens gut getarnt. „Mit dieser Strategie hat die Insektenordnung der Phasmiden seit Jahrmillionen überlebt, mehr als 3000 Arten hervorgebracht und alle wärmeren Regionen der Erde besiedelt“, erklärt Sven Bradler von der Universität Göttingen.