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Wissenschaft in zehn Minuten

Saarbrücken. Ein Wissenschaftler steht vor seinem Publikum, beendet seinen Vortrag und die Zuschauer toben vor Begeisterung. Was für Studenten und Dozenten nach einem Märchen klingen dürfte, ist beim Saarbrücker "Science Slam" Realität Von SZ-Mitarbeiter Florian Mayer

Saarbrücken. Ein Wissenschaftler steht vor seinem Publikum, beendet seinen Vortrag und die Zuschauer toben vor Begeisterung. Was für Studenten und Dozenten nach einem Märchen klingen dürfte, ist beim Saarbrücker "Science Slam" Realität. Bereits zum zweiten Mal traten Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen mit ihren Vorträgen beim wissenschaftlichen Schlagabtausch von "cc-NanoBioNet" und dem Saarbrücker "Dichterdschungel" gegeneinander an. Aufgrund der sehr positiven Resonanz des vergangenen Jahres wurde der Slam von der Sparte 4 in den großen Kinosaal der "Camera Zwo" verlegt, sagte Martin Schreyer von NanoBioNet.Die Regeln des Wettbewerbs sind einfach: Jeder Referent hat zehn Minuten Zeit und darf alle erdenklichen Hilfsmittel nutzen. Gleichzeitig sollte die Präsentation auch noch leicht verständlich und so unterhaltsam wie möglich sein. Denn den Gewinner bestimmt am Ende das Publikum durch die Lautstärke des Applauses. Zu hören bekamen die rund 250 Zuschauer acht Referenten aus den unterschiedlichsten Themengebieten: Nutzung von Erdwärme, Datenbanksysteme in der Informatik, aussterbende Sprachen, Genetik, theoretische Zeitreisen, "kommunizierende" Bücher und Bücherregale, Raketenwissenschaft und - der Horror aus vergangenen Schultagen - Mathematik.



Mathe mal spannend

"Kontraintuitive Aspekte der Mathematik" nannte der 24-jährige Student Robin Woll seinen ersten Slam-Beitrag, der ihm gleich den Sieg einbrachte. Nur mit einem gefalteten DIN-A-3-Blatt und im lässigen Plauderton schaffte er es, dem Publikum zu zeigen, dass das menschliche Gehirn nicht in der Lage ist, mit exponentiellen Gleichungen umzugehen. Ganz nebenbei bewies er dann noch, dass eine Wirtschaft, die auf exponentiellem Wachstum aufbaut, überhaupt nicht funktionieren kann. Diesem anschaulichen und lockeren Vortrag konnte dann selbst ein Duschkopf, der in eine Rakete verwandelt wurde, nichts anhaben. Woll selbst war von seinem Sieg vollkommen überrascht: "Ich hatte kein Stück mit dem Sieg gerechnet. Vor mir waren so gute Leute, da hatte ich keine großen Erwartungen". Aber auch die anderen Slammer waren von dem jungen Saar-Studenten beeinruckt. "Ein super Vortrag und das ganz ohne Powerpoint-Präsentation. Der hat wirklich Talent", sagte der Saarbrücker Informatik Professor Jens Dittrich, der bereits an mehreren Science Slams erfolgreich teilgenommen hat, in Saarbrücken aber ganz knapp hinter Woll auf Platz zwei landete. "Ich möchte so etwas auch an der Uni forcieren", sagte Dittrich weiter. "Was man hier lernt, lässt sich auch auf die Lehre an der Uni übertragen. Selbst bei Konferenzvorträgen funktioniert sowas", betonte er. Auch Woll sieht in dem Format großes Potenzial: "Ein sehr cooles Konzept. Das Gehirn funktioniert emotional. Diese Seite muss man ansprechen - Entertainment eben - dann bleibt was hängen".

Die Organisatoren waren auch begeistert: "Ich bin es nicht gewohnt, dass 250 Leute auf einer wissenschaftlichen Veranstaltung sind und dafür auch noch Eintritt zahlen", sagte Matthias Mallmann von NanoBioNet. Einem dritten Science Slam in Saarbrücken stehe damit, so die Veranstalter, nichts im Wege.