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IT-Studiengang für Unternehmensgründer
Vom Campus direkt in die eigene Firma

Ein neuer Masterstudiengang der Saar-Universität will Informatikern helfen, aus einer wissenschaftliche Idee die wirtschaftliche Basis für eine Unternehmensgründung zu entwickeln. Professor Andreas Zeller (links) ist einer der Initiatoren des Projekts. 
Ein neuer Masterstudiengang der Saar-Universität will Informatikern helfen, aus einer wissenschaftliche Idee die wirtschaftliche Basis für eine Unternehmensgründung zu entwickeln. Professor Andreas Zeller (links) ist einer der Initiatoren des Projekts.  FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Ein neuer Masterstudiengang der Saar-Uni will aus Informatikern in vier Semestern Unternehmensgründer machen.

Die Informatik ist die Paradedisziplin der Saar-Universität. Denn bei den beiden entscheidenden Themen der IT-Welt, die Stichworte lauten Cybersicherheit und Künstliche Intelligenz, sind die Hochschule und die mit ihr verbundenen Institute am Campus in der Regel immer vorne dabei. Die Informatik gilt in der aktuellen Runde der Exzellenzinitiative, dem Forschungswettbewerb der deutschen Hochschulen, mal wieder als aussichtsreicher Kandidat. Und auch bei Unternehmen der Softwarebranche ist der Standort hochgeschätzt. Das zeigt die Ansiedlung von Sy­mantec, einem der Weltmarktführer für Sicherheitssoftware, am Helmholtz-Zentrum für Cybersicherheit Cispa in Saarbrücken.


Seit 2014 wächst an der Uni auch die lange Zeit unveränderliche Zahl der Informatik-Immatrikulationen. Auslöser war die Einführung des Studiengangs Cybersicherheit, der mittlerweile bei den Einschreibungen mit der klassischen Informatik gleichgezogen und die Gesamtzahl der Immatrikulationen fast verdoppelt hat. „Seit dem vergangenen Jahr geht‘s richtig ab“, erklärt Informatik-Professor Andreas Zeller. Knapp 150 Studenten melden sich jeweils in den beiden großen Themenfeldern zum Wintersemester an – insgesamt gibt es an der Saar-Uni über 1400 Informatikstudenten. Das Fach Cybersicherheit ist an den etwa 70 Informatikstandorten in Deutschland noch relativ selten, ein Abschluss gilt quasi als Jobgarantie. Wie der IT-Branchenverband Bitkom meldet, sind die Datenschutzexperten heiß begehrt. Über die Hälfte der Unternehmen in Deutschland erklärten, der Arbeitsmarkt sei praktisch leergefegt.

In einem Punkt hat der IT-Standort Saarbrücken allerdings Nachholbedarf. Bei der Umsetzung wissenschaftlicher Ideen in wirtschaftliche Projekte geht noch mehr, sagt Andreas Zeller, der auch als Leitender Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum forscht. Den Gründergeist beflügeln soll nun ein neuer Modell-Studiengang, der zum Wintersemester 2018/19 startet. Er trägt den zungenbrecherischen Namen „Entrepreneurial Cybersecurity“ und zielt auf Studenten, die ihre Zukunft eher als Unternehmer denn als Wissenschaftler sehen.



Der neue Masterstudiengang ist als Nachbrenner des 2014 eingeführten Bachelors Computersicherheit konzipiert. Er soll an dessen Inhalte mit einer konkreten Geschäftsidee anknüpfen. Die bringen die Bewerber um einen Studienplatz idealerweise gleich selbst mit. In Frage komme die Entwicklung eines Prototyps, eines Demonstrators oder die praktische Umsetzung einer auf dem Campus entwickelten wissenschaftlichen Theorie. „Eben alles, womit sich ein Informatiker heute selbstständig machen kann“, sagt Andreas Zeller, der das Konzept des Studiengangs gemeinsam mit Cispa-Chef Professor Michael Backes ausgetüftelt hat. Wenn‘s funktioniert, könnte es auf weitere Themen in der Informatik ausgeweitet werden, zum Beispiel Computergrafik oder Netzwerktechnologien. „Ziel ist, dass die Studenten anschließend oder sogar schon während ihres Studiums darauf aufbauend ein Unternehmen gründen können“, so Zeller. Auch wer an der Uni in einem Informatik-Studiengang eingeschrieben ist, könne, freie Kapazitäten vorausgesetzt, an den Veranstaltungen des neuen Studiengangs teilnehmen. Sie könnten bei einem späteren Wechsel auch angerechnet werden.

Das Projekt der Universität ist wirtschaftlich geerdet. Damit sich die Studenten mit ihren Gründungsplänen nicht in unrealistischen akademischen Gedankenspielen verlieren, sollen sie unter anderem von Spezialisten aus der Wirtschaft betreut werden. In der ersten Runde des viersemestrigen Studiengangs sortieren Professoren der Uni die Projekte ihrer Studenten. Danach sollen die Geschäftsideen im zweiten Durchgang mit Mentoren aus der Wirtschaft weiterentwickelt werden. Beim betreuten Gründen auf dem Campus kommt auch der Hightech-Gründerfonds (HTGF) ins Spiel, mit dem das Cispa künftig kooperiert. Dieser Fonds, dem neben einer Reihe von Unternehmen auch das Bundeswirtschaftsministerium angehört, investiert in sogenannte Technologie-Startups und tritt in Saarbrücken auch als Finanzier auf.

Die Studenten sollen ihre Ideen regelmäßig vor gemischten Jurys präsentieren, die dann über die weitere Entwicklung und über mögliche Beteiligungen entscheiden.

Im ungünstigsten Fall habe ein Student am Ende des vier Semester dauernden Ideen-Castings einen Master-Abschluss in der Tasche, „im besten Fall hat er dazu sein eigenes Unternehmen“, erklärt Zeller. Auch die Uni und das Saarland profitierten von diesem Konzept. Wenn‘s gut läuft „und uns die Ideen nicht ausgehen“, könnten nach der Anlaufphase ein Dutzend IT-Unternehmen jährlich an der Saar-Uni gegründet werden. Wenn jedes nur zehn Arbeitsplätze biete, wäre das auch ein Pluspunkt fürs Land. Der neue Studiengang scheint beim Nachwuchs auf großes Interesse zu stoßen. Die Zahl der Bewerbungen überschreite bereits die der verfügbaren Plätze, erklärt Andreas Zeller.

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