Saar-Uni will Millionen in Infrastruktur und Forschung stecken

Kostenpflichtiger Inhalt: Großes Investitionsprogramm : Saar-Uni investiert Millionen in Exzellenzprojekt

35 Millionen Euro fließen in den Ausbau der Infrastruktur und in die wissenschaftlichen Schwerpunkte. Neuer Entwicklungsplan reicht bis 2030.

Die Jahre 2018 und 2019 werden in die Annalen der Saar-Universität nicht unbedingt als ihre erfolgreichsten eingehen. Nach dem enttäuschenden Ergebnis in der Exzellenzinitiative, bei der die Informatik ihr Projekt „Digitale Realität“ nicht durchbekam, scheiterte in diesem Sommer der erste Versuch, den Titel einer EU-Uni zu erlangen. In diesem Winter beginnt eine neue Bewerbungsrunde dieses EU-Wettbewerbs, bei der Exzellenzinitiative erhält die Uni allerdings erst 2025 eine neue Chance.

Um in den immer härter werdenden Wissenschaftswettbewerben nicht zurückzufallen, müsse die Hochschule jetzt in die Zukunft investieren, sagt ihr Präsident Manfred Schmitt. Ein neuer Universitätsentwicklungsplan soll die Schwerpunkte des Auf- und Ausbaus bis zum Jahr 2030 definieren. Drei Themen – Informatik, NanoBioMed und Europa – gelten dabei als gesetzt. Wie sie ausgebaut werden können, das soll ab dem kommenden Jahr in mehreren Arbeitsgruppen an der Hochschule diskutiert werden.

Die Vokabel „Ausbau“ ist an der Saar-Uni derzeit allerdings ein heißes Eisen. Ihr Saarbrücker Campus muss in Teilen renoviert werden oder ist gar ein Sanierungsfall (wir haben mehrfach berichtet). Etwa 200 Mitarbeiter der Verwaltung mussten bereits ins ehemalige Telekomgebäude am Meerwiesertalweg in Saarbrücken ausziehen, um Platz für Wissenschaftler zu schaffen. Deshalb wird Beton in der Zukunftsstrategie eine gewichtige Rolle spielen, kündigen Uni-Präsident Manfred Schmitt und der Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung Roland Rolles an. Die Saar-Uni plant ein Investitionsprogramm in zweistelliger Millionenhöhe, erklären die Vertreter des Uni-Präsidiums. Und Neubauten spielen dabei eine besondere Rolle.

Vorgesehen ist zum Beispiel Ersatz fürs marode Rechenzentrum in Saarbrücken. Außerdem soll die IT-Infrastruktur aufgerüstet werden und die Hochschule will ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte personell verstärken. Zudem sollen Ausgründungen gefördert werden. Drei Arbeitsgruppen sollen Vorarbeiten für diesen Teil des Strategiepapiers leisten, erklärt der Uni-Präsident.

Wer soll das bezahlen? Manfred Schmitt und Roland Rolles verweisen auf die von der Landesregierung ursprünglich als Kofinanzierung zur Exzellenzinitiative zugesagten 2,5 Millionen Euro pro Jahr. Dieser Zuschuss soll trotz der Informatik-Panne bei der jüngsten Exzellenz-Bewerbung ausgezahlt werden. Die Landesmittel wolle die Universität durch Eigenleistung in derselben Höhe aufstocken. So soll ein auf mindestens sieben Jahre angelegtes Investitionspaket mit Ausgaben von fünf Millionen Euro jährlich geschnürt werden.

Und woher kommen die Uni-Millionen? Das Thema berührt einen heiklen Punkt der Hochschulfinanzen, den bereits der Bundesrechnungshof kritisiert hat. Die Universität habe rund 80 Millionen Euro aus nicht abgerufenen Hochschulpaktmitteln auf ihren Konten, lautete die Kritik der Rechnungsprüfer. Dazu kommt eine ähnliche Summe aus bewilligten, aber noch nicht abgerufenen Geldern sogenannter Drittmittelprojekte, die Forscher der Hochschule eingeworben, aber noch nicht ausgegeben haben. Die Hochschulpakt-Millionen seien zur Hälfte verplant, erwiderte das Uni-Präsidium in diesem Frühjahr auf den Bericht des Rechnungshofes. Beispiele dafür seien ein neues Hörsaal-, Seminar- und Bibliotheksgebäude der Medizinischen Fakultät in Homburg, ein neues Praktikumsgebäude der Pharmazie in Saarbrücken und das neue Campus-Management-System für die vier staatlichen Hochschulen des Saarlands.

Die Vertreter des Uni-Präsidiums versuchen nach Kräften ihre Ungeduld zu verbergen, doch ihr Zähneknirschen ist nicht zu überhören. Weil die Umsetzung vieler Bauprojekte auf dem Campus nur langsam voranschreitet, koste die Hochschule in Zeiten von Negativ­zinsen der Besitz dieser Millionen sehr viel Geld. Roland Rolles spricht von einer halben Million Euro Negativzinsen pro Jahr.

Dieses Geld sei besser eingesetzt, wenn die Universität zum Beispiel den Neubau des schon lange geplanten und dringend benötigten neuen Rechenzentrums aus den auf ihren Konten vorübergehend geparkten Millionen vorfinanziert, den Bau dann selbst abwickelt und die Landesregierung diese Vorleistungen später zurückerstattet. Die Landesregierung und die Saar-Uni wollen dazu eine sogenannte Vorfinanzierungsvereinbarung abschließen, bestätigte das Innenministerium. „Es ist geplant, dass auf dieser Basis weitere noch nicht konkretisierte Maßnahmen folgen sollen“, erklärte Pressesprecherin Katrin Thomas. Ein solches Finanzierungsmodell können sich die Vertreter der Saar-Universität auch für das geplante fünfstöckige Innovationszentrum am Stuhlsatzenhausweg vorstellen, das mit EU-Fördergeldern gebaut werden soll und mit 14 Millionen Euro ähnlich teuer wie das Rechenzentrum ausfallen soll. „Bis Ende 2023 muss dieser Bau abgerechnet sein“, sagt Roland Rolles.

Dringend benötigt würden auf dem Campus in den kommenden Jahren außerdem neue Büros und Labors, erklärt Uni-Präsident Manfred Schmitt. Da herrsche Mangel an allen Ecken und Enden. In den Ingenieurwissenschaften seien bereits Berufungen von Professuren gescheitert, weil die Uni nicht in der Lage gewesen sei, den Bewerbern die für ihre Arbeit notwendigen Laborflächen zur Verfügung zu stellen. Millioneninvestitionen seien außer für das geplante Campus-Managementsystem auch für die Erneuerung der Netzinfrastruktur erforderlich, erklärt Roland Rolles. Um die Schwerpunktbereiche der Uni für die nächsten Hochschulwettbewerbe konkurrenzfähig zu machen, müsse schließlich auch in neue fächerübergreifende Forschungsprojekte und möglicherweise neue Professuren investiert werden, kündigt Uni-Präsident Manfred Schmitt an.

Dass sich die beiden Vertreter des Uni-Präsidiums dem Thema Investitionsprogramm trotzdem nur mit großer Vorsicht verbal nähern, hängt vor allem damit zusammen, dass sie den Eindruck vermeiden wollen, die Saar-Uni sei plötzlich zu Geld gekommen. Das Investitionsprogramm sei ein „Einmaleffekt“ und dazu bestimmt „ein paar Projekte ins Rollen zu bringen.“

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