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Projekt an der Universität des Saarlandes: Künstliche Nase soll Corona erkennen

Forschungsarbeit an der Saar-Uni : Wie eine künstliche Nase Corona riechen könnte

Oft verläuft eine Corona-Infektion symptomlos, weitere Ansteckungen lassen sich nur schwer vermeiden. Eine Forschungsarbeit an der Universität des Saarlandes will hierfür eine Lösung finden – mittels einer künstlichen Nase.

Viele Corona-Infizierte bemerken nichts von ihrer Infektion. Sie haben entweder keine Symptome oder können sie nicht zuordnen. Nichtsahnend besuchen sie die Großeltern im Altenheim, Freunde im Krankenhaus, gehen zur Arbeit, Schule oder in die Disko.

Hier setzt die Forschungsarbeit von Sybelle Goedicke-Fritz aus dem Team von Saar-Uni-Professor Michael Zemlin an. Sie arbeitet an einem Verfahren, das Corona-Infektionen innerhalb von nur einer Minute am Geruch erkennen soll. Sie will einer sogenannten elek­tronischen Nase – einem Gerät, das mit sensiblen Geruchs-Sensoren ausgestattet ist – beibringen, das Coronavirus zu identifizieren.

Die Grundidee ist nicht neu. „Die Erfahrung, dass kranke Menschen anders riechen, hat wohl jeder schon gemacht. Und auch in der Medizin wird der Geruch schon seit Langem in die Diagnostik mit einbezogen“, erläutert die Forscherin. „Schon im antiken Griechenland nutzte Hippokrates den Geruchssinn, um Krankheiten zu erkennen“, sagt Goedicke-Fritz. „Bei jeder Infektion entsteht eine charakteristische Entzündungsreaktion, die dazu führt, dass Geruchsstoffe gebildet werden. Es handelt sich dabei um flüchtige organische Substanzen, die zum Beispiel ausgeatmet werden oder mit dem Schweiß austreten.“

Infektionen unterscheiden sich ganz individuell, sie hinterlassen im übertragenen Sinne einen persönlichen Fingerabdruck. An den individuellen „Geruchs-Abdrücken“, sogenannten Smellprints, die Corona bei Patienten hervorrufen, forscht Goedicke-Fritz: Sie vergleicht hierfür die „Smellprints“ aus Atemluft, Speichel, Auswurf und Schweiß von Kindern mit den Ergebnissen von PCR- und Antigentests. „Unser Ziel ist es, auf diese Weise eine neue Screeningmethode zu entwickeln, die zum Beispiel als schneller Eingangstest für Orte mit hohen Besucherzahlen oder öffentlichen Einrichtungen zum Einsatz kommen kann“, sagt die Forscherin.

Die Else-Kröner-Fresenius-Stiftung fördert das Projekt nun als eine von vier „Ideen gegen Tröpfchen“ im Rahmen eines Förderwettbewerbs für präventive Forschung zu Tröpfchen- und Aerosolinfektionen mit 220 000 Euro über 24 Monate.