Neuer Studiengang zum Maschinellen Lernen an der Saar-Uni

Universität des Saarlands : Saar-Uni startet neues Hightech-Studium

„Data Science and Artificial Intelligence“ soll die IT-Spezialisten der nächsten Generation ausbilden.

Big Data lautet ein Schlagwort der modernen Informatik, bei dem schwer zu sagen ist, was es bedeutet, weil jeder etwas anderes darunter versteht. Einigkeit herrscht aber nicht nur unter Informatikern bei folgender Aussage: Big Data gehört die Zukunft. „Die Datenauswertung bietet enorme Chancen für alle Bereiche der Gesellschaft“, heißt es zum Beispiel in einer Erklärung des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts. Nach Angaben des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Unternehmensberatung McKinsey werden derzeit bis zu 95 000 Informatiker mit fortgeschrittenen Datenkenntnissen in Deutschland gesucht. Und das Institut für Hochschulentwicklung (HIS) berichtet, viele Unternehmen rekrutierten ihren Fachkräftenachwuchs direkt aus den Hörsälen der Universitäten.

Das Angebot in dieser Spezialdisziplin, die Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Data Science verbindet, ist mit zwei Dutzend Studiengängen in Deutschland überschaubar. Im kommenden Wintersemester soll es wachsen. Dann will die Saar-Universität in den kleinen Kreis der Anbieter dieser Hightech-Ausbildung aufrücken. Sie bietet einen Bachelor- und einen internationalen Masterstudiengang „Data Science and Artificial Intelligence“ an.

„Künstliche Intelligenz kommt inzwischen überall zum Einsatz, beim Online-Shopping, beim autonomen Fahren und in der medizinischen Datenanalyse“, erklärt Jens Dittrich – der Informatikprofessor der Saar-Uni leitet die Gruppe Big Data Analytics. Der Schwerpunkt von Data Science der Saar-Universität liegt nicht auf den Daten allein, sondern auch auf der Art und Weise, wie sie verarbeitet und mit Hilfe von Methoden der Künstlichen Intelligenz und des Maschinellen Lernens ausgewertet werden.

Die Informatiker bereiten komplexes Datenmaterial auf, analysieren es mit statistischen Verfahren und Programmen der Künstlichen Intelligenz, um darin nach unbekannten Mustern, Trends und Fakten zu suchen. „Im neuen Studiengang lernen die Studierenden, wie man Probleme so analysiert, dass man sie mit Verfahren aus den Gebieten Artificial Intelligence und Data Science automatisiert lösen kann“, erklärt Dittrich. Dabei spielten schon früh Beispiele aus der Praxis eine Rolle. Sie können aus der Medizin stammen – dann geht es zum Beispiel darum, Röntgenbilder zu analysieren oder Hautveränderungen als gut- oder bösartig einzustufen. In der Astronomie werden Programme der intelligenten Datenanalyse benutzt, um Planeten fremder Sonnen zu suchen, es gebe aber auch Anwendungen aus diesem Gebiet der Informatik, die Kunstfälschungen erkennen und andere, die Musikstücke komponieren oder Produktionsprozesse in der Industrie verbessern können.

Wer sich für Data Science ausschließlich aus der Perspektive des Benutzers von IT-Dienstleistungen interessiert, dem rät Jens Dittrich zu einem Blick auf die Internetseiten von DeepL. Das Kölner Unternehmen bietet seit dem Jahr 2017 einen automatisierten Übersetzungsdienst im Internet an, der in höchsten Tönen gelobt wird. Bei der Qualität dieser Übersetzungen sei am augenfälligsten, welche Fortschritte die Datenwissenschaften in den vergangenen fünf Jahren gemacht haben, erklärt der Saarbrücker Informatiker.

Sieben Anwendungsfächer sind zum Start der beiden Studiengänge geplant. Sie stammen aus den Themenfeldern Physik, Quantum Engineering, Chemie, Biologie, Psychologie, Computerlinguistik und Materialwissenschaften. Der Datenspezialist müsse schließlich auch vom Anwendungsgebiet, in dem er später mit seinen Programmen arbeite, etwas verstehen, erklärt Jens Dittrich. Dass die Absolventen dieses Studiengangs fest mit der Informatik verdrahtet sind, zeige dann aber wiederum die Gewichtung des Anteils der jeweiligen Vertiefungsrichtung an dieser akademischen Ausbildung. Sie betrage rund zehn Prozent der Vorlesungen. „Die Informatik macht jeweils etwa 90 Prozent aus.“

Über die Zeit nach ihrem Abschluss müssen sich die Absolventen keine Sorgen machen. Laut einer Umfrage des Stifterverbands bei 607 Unternehmen werden bis zum Jahr 2023 rund 455 000 Experten für komplexe Datenanalyse in Deutschland gesucht. Dass die Nachfrage nach diesem Studiengang auch auf der Seite der Studenten groß ist, habe sich jüngst beim Tag der offenen Tür der Saar-Universität gezeigt, erinnert sich Jens Dittrich. Für den auf sechs Semester angelegten Bachelor „Data Science and Artificial Intelligence“ können sich Abiturienten ab August bis Ende September einschreiben. Dort werde es keine Zulassungsbeschränkungen geben, erklärt der Informatiker der Saar-Uni, „auch wenn das sicher schwierig wird.“ Für den internationalen Master-Studiengang habe es allein in den ersten zwei Wochen nach seiner Ankündigung 140 Bewerber gegeben.

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