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Mit Vollgas durchs Studium

Bei der Einstellung eines Rennautos kommt es auf jedes Detail an. Da ist auch in der Box höchste Konzentration angesagt. Fotos: Joel Kernasenko
Bei der Einstellung eines Rennautos kommt es auf jedes Detail an. Da ist auch in der Box höchste Konzentration angesagt. Fotos: Joel Kernasenko
Saarbrücken. Ein Motorsport-Team besteht aus Spezialisten. Dass die auch sehr jung sein können, beweisen drei Studenten der Universität des Saarlandes. Mit ihrem Rennstall treten sie gegen Profis von Maserati und Porsche an. Sarah Konrad

Auf dem Siegerpodest steht Stefan Monz nie. Für seine harte Arbeit erhält der 23-Jährige keinen Applaus. Den bekommen andere. Ein Problem hat der Student der Saar-Uni damit aber nicht. Er ist gerne der Mann im Hintergrund. "Ich freue mich, wenn unsere Fahrer gewinnen. Sie wissen mein Zutun schon zu schätzen. Ein Sieg ist immer auch eine Teamleistung", sagt Monz.


Der angehende Wirtschaftsinformatiker aus Eppelborn-Wiesbach ist als Manager für den reibungslosen Ablauf im Motorsport-Team "RYS Team KTM" verantwortlich. Es ist eines von 20 Teams, die in der GT4-Serie auf Rennstrecken in ganz Europa gegeneinander antreten. "Ich kümmere mich ums Marketing und die Organisation. Achte etwa darauf, dass meine Crew pünktlich an der Strecke eintrifft", erklärt Monz. Der Student ist ein echter Motorsport-Freak. Im Fernsehen verpasst er kein Rennen. In seiner Freizeit zockt er Auto-Rennspiele am Computer. Selbst sitzt er jedoch nie hinter dem Steuer. Das sei zwar sein Traum, der sich allein aus Sicherheitsgründen vermutlich aber nicht erfüllen werde.

"Ich finde es ziemlich cool, dass wir überhaupt mit solchen Fahrzeugen arbeiten dürfen. Diese Chance bekommt längst nicht jeder", wirft sein Kommilitone Patrick Christoffel (23) ein. Er und der 25-jährige Jerome Kaspar, der am Saarbrücker Lehrstuhl für Konstruktionstechnik promoviert, sind ebenfalls Mitglieder des "RYS Teams KTM". Als Ingenieure kümmern sie sich ums Auto, ein 360-PS-Bolide des Leichtbau-Spezialisten KTM. Die beiden bereiten das Fahrzeug auf die technische Abnahme vor, kalkulieren den Spritverbrauch und überwachen sämtliche Daten des Autos.



Für jedes Rennen sei eine andere Einstellung des Wagens notwendig. "Dazu schauen wir uns die Strecke und die Bedingungen genau an", berichtet Christoffel. Ihm ist es wichtig, jedes kleinste Detail im Voraus zu planen. Der Mechatronik-Student will nichts dem Zufall überlassen. Immer ist das jedoch nicht möglich.

Diese Erfahrung machte das junge Team gleich bei seinem zweiten Rennen im französischen Pau. Regen und Temperaturen um zwölf Grad, "alles, was man von Südfrankreich nicht erwartet", erinnert sich Monz. Die Ingenieure stellten den KTM auf Regen ein, doch kurz vor Rennbeginn schien auf einmal die Sonne. In solchen Momenten sei Improvisationsgeschick gefragt. Jeder Handgriff müsse sitzen. Ohne eine optimale Einstellung könne das Auto oft nicht einmal die volle Renndistanz bewältigen, erklärt Monz.

"Am Rennwochenende gab es viel Kleinholz auf der Fahrbahn", berichtet Monz, "aber unser Auto hatte nicht mal einen Kratzer."

Bei der Konkurrenz, gegen die das Team antritt, handelt es sich übrigens um Rennsport-Größen wie Maserati , Porsche , Chevrolet und BMW . "Die Profis sehen uns nicht als die kleinen Nachwuchssportler an. Sie begegnen uns auf Augenhöhe", sagt Monz. Kein Wunder, vor allem in engen Kurven kann es das Auto des Studenten-Teams mit den Großen aufnehmen. "Unser Fahrzeug ist extrem wendig. Wo ein Chevy in die Eisen gehen muss, fährt der KTM einfach außen vorbei", erzählt Christoffel stolz. Nur auf Strecken mit langen Geraden und viel Höchstgeschwindigkeit habe der KTM das Nachsehen. "Da können wir nicht mit unseren 500 PS starken Gegnern mithalten."

Doch wie ist es überhaupt möglich, dass die drei Saarländer an solchen Rennen teilnehmen dürfen? Der bayerische Rennsport-Unternehmer Johann Reiter von "Reiter Engineering" ist auf sie aufmerksam geworden. Er fördert junge Fahrer sowie Ingenieur- und Management-Talente in ganz Europa. Insgesamt nehmen acht KTM-Renner von Reiter an der GT4-Meisterschaft teil. Die Studenten der Saar-Uni sind eines von drei deutschen Studenten-Teams. Eine Crew besteht aus zwei Fahrern und drei Studenten . Ein professioneller Renningenieur und der ehemalige Formel-1-Fahrer Tomá{scaron} Enge stehen dem Nachwuchs bei Fragen zur Seite. "Wir sind bereits lange im Evolution Racing Team der Saar-Uni aktiv", erzählt Monz. Die Studenten entwickeln dort ihren eigenen Wagen und treten in der Formula-Student-Rennserie gegen andere Unis an. "Johann Reiter hat diese Rennen wohl verfolgt und uns angeschrieben."

Gemeinsam mit seinem Team hofft er nun auf ein perfektes Saisonfinale. "Das Grundgerüst steht und jetzt möchten wir noch die letzten Fehler beheben", verrät Christoffel. Der Ansporn ist groß: Wenn sie sich am Ende der Rennsaison gegen die anderen Studenten-Teams durchsetzen, dürfen sie nächstes Jahr in der höherklassigen GT3-Rennserie an den Start gehen. Außerdem belohnt Reiter nicht nur die schnellsten Rennpiloten, sondern auch die besten Ingenieure und Manager. "Den Titel wollen wir unbedingt gewinnen", sagt Monz. Dann würde er selbst einmal auf dem Siegerpodest stehen und den verdienten Applaus für seine Arbeit bekommen.

Zum Thema:

Hintergrund Drei von fünf Rennen hat das "Reiter Young Stars Team KTM" schon hinter sich gebracht. Nach den Wochenenden in Monza (Italien), Pau (Frankreich) und Spa-Francorchamps (Belgien) stehen noch die folgenden Termine an: 22. bis 25. September Hungaroring (Ungarn), 6. bis 9. Oktober Zandvoort (Niederlande). sara

Das Renn-Team bei einer Lagebesprechung (von links): Jerome Kaspar, Stefan Monz, Patrick Christoffel, Jamie Jason Vandenbalck und Teamchef Hans Reiter. Vorne sitzend: Fahrerin Laura Kraihamer.
Das Renn-Team bei einer Lagebesprechung (von links): Jerome Kaspar, Stefan Monz, Patrick Christoffel, Jamie Jason Vandenbalck und Teamchef Hans Reiter. Vorne sitzend: Fahrerin Laura Kraihamer.