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Mit dem Bachelor zur Doktorwürde

Saarbrücken. Die Informatik am Saarbrücker Campus ist weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt. Innerhalb nur weniger Meter befinden sich zahlreiche Institute, und diese leben von gut ausgebildeten Wissenschaftlern Von SZ-Redaktionsmitglied Philip Weber

Saarbrücken. Die Informatik am Saarbrücker Campus ist weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt. Innerhalb nur weniger Meter befinden sich zahlreiche Institute, und diese leben von gut ausgebildeten Wissenschaftlern. "Wir sind ein extrem starker Forschungsstandort, aber den Personalbedarf konnten wir nicht mehr abdecken", erklärt Michelle Carnell, Leiterin der Graduiertenschule für Informatik an der Saar-Uni. Um gute Informatiker nach Saarbrücken zu locken, sie zu binden und so international wettbewerbsfähig zu bleiben, öffnete die Graduiertenschule am Campus deshalb ihre Pforten auch für Bachelor-Absolventen, die dort ohne einen eigentlich erforderlichen Master-Abschluss direkt promovieren können.Einer von ihnen ist der 25-jährige Christopher Haccius. Während seines Bachelor-Studiums an der Uni Bruchsal entschied er sich für eine akademische Karriere und für Saarbrücken: "Das Angebot ist einfach besser als an anderen Unis." Dieses besteht darin, dass die angehenden Doktoren in einer bis zu 18 Monate langen Vorbereitungsphase, in der sie mit 800 Euro monatlich unterstützt werden, das Rüstzeug für die akademische Welt bekommen. Sie lernen das, was eigentlich im Master-Studium vermittelt wird. "Was man sich spart, ist die Masterarbeit", erklärt der Informatiker. Derzeit bereiten sich 60 Stipendiaten so auf ihre Doktorarbeit vor, insgesamt arbeiten 378 Informatik-Doktoranden an der Saar-Uni. Davon hat gerade mal ein Viertel bereits in Saarbrücken studiert. "Der Rest ist eine bunte Mischung aus aller Herren Ländern, der uns sehr gut", erzählt Michelle Carnell. Die Vorteile für die Stipendiaten liegen für sie auf der Hand. Neben der finanziellen Unterstützung profitieren sie von dem breiten wissenschaftlichen Spektrum, das am Saarbrücker Campus angeboten wird: "Man kann verschiedene Stellen ausprobieren, bevor man sich festlegt." 25 Stipendiaten werden pro Semester aufgenommen, bewerben tun sich regelmäßig Hunderte, berichtet Carnell.


Ein Novum an der Saarbrücker Graduiertenschule ist, dass auch Fachhochschulabsolventen an der Graduiertenschule promovieren können. "In der Schule war ich eher ein mittelmäßiger Schüler und als ich 2003 an der FH Karlsruhe anfing zu studieren, habe ich mir nicht vorstellen können, dass ich mal eine Doktorarbeit schreiben werde", erzählt Jeremias Rößler (29). Doch als er nach sieben, statt nach acht Semestern und als Jahrgangsbester sein Informatik-Diplom in der Tasche hatte, kam es dann doch anders. Den Weg nach Saarbrücken bereut er nicht: "Im Gegensatz zu der üblichen Herangehensweise an eine Dissertation habe ich hier einen Promotionsstudiengang mit klar geregelter Studienordnung und Pensum", dennoch sei man an der Graduiertenschule sehr flexibel, was ihm als zweifachen Vater mehr als entgegenkomme.