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Ende der Finanzmisere
Millionenförderung für Saar-Uni und HTW

Auf dem Campus der Saar-Uni soll sich durch die zusätzlichen Gelder in den kommenden Jahren einiges verändern.
Auf dem Campus der Saar-Uni soll sich durch die zusätzlichen Gelder in den kommenden Jahren einiges verändern. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Die Landesregierung plant eine deutliche Aufstockung der Haushalte der beiden großen Hochschulen des Saarlandes. Mehrere Millionen Euro zusätzlich sollen bis zum Jahr 2022 in Forschung und Lehre investiert werden. Von Peter Bylda
Peter Bylda

Die Saar-Universität und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) können nach fünf Nullrunden im kommenden Jahrzehnt mit einem deutlichen Haushaltszuwachs rechnen. Das ist ein Ergebnis der Haushalts-Eckpunkte-Klausur der Landesregierung. Zusätzlich zu der von der Koalition bereits vereinbarten grundsätzlichen Anhebung der Etats um 15 Millionen Euro, über deren Verteilung allerdings noch nicht entschieden ist, soll es eine weitere Aufstockung in Millionenhöhe für ausgewählte Forschungsfelder und Großprojekte geben.


Der aus Sicht der Hochschulen bei weitem wichtigste Punkt betrifft allerdings die Tariferhöhungen. Die Landesregierung will sie ab dem Jahr 2021 vollständig übernehmen. Die bisherige Regelung, die in den vergangenen Jahren vor allem an der Saar-Uni für gewaltigen Frust gesorgt hat, sieht vor, dass die Hochschule für Gehalts- und Tarifsteigerungen bis zu einer Grenze von 2,5 Prozent selbst aufkommen – sprich: sparen – muss. Bis zum Jahr 2019 stehen deshalb „harte Einsparungen“ auf dem Campus an, beklagte das Uni-Präsidium vor kurzem in einem Bericht zur Lage der Hochschule (wir haben berichtet). Die Personalausgaben machen rund zwei Drittel der Etats von Saar-Uni (derzeit 191 Millionen Euro) und HTW (27 Millionen Euro) aus. Präzise Angaben zur Höhe dieses von den Tarifverhandlungen abhängigen Budgetpostens gibt es nicht, doch könnte nach Schätzungen des Uni-Präsidiums allein dieser Punkt im Jahr 2021 zwischen drei und vier Millionen Euro ausmachen, an der HTW dürfte der Betrag zwischen einer dreiviertel und einer Million Euro liegen.

Beide Hochschulen verhandeln im Augenblick mit der Landesregierung ihre ab dem kommenden Jahr geltenden Drei-Jahres-Etats. Dabei geht es auch um die sogenannten Strategiefonds, die Saar-Universität und HTW aufbauen sollen. Die Uni soll dafür nach den Vorstellungen der Landesregierung jährlich eine Million Euro erhalten, die HTW ein Fünftel dieser Summe. Die Strategiefonds sind eine Investition in die Konkurrenzfähigkeit des Saarlands im immer härter werdenden Wettkampf der Hochschulen um lukrative Forschungsvorhaben. Solche millionenschweren sogenannten Drittmittelprojekte bringen sehr viel Geld ins Land. Sie setzen aber in jedem Fall voraus, dass eine Hochschule erst einmal selbst im Forschungsfeld investiert, auf dem sie in einem Wettstreit antritt. Für solche strategischen Investitionen drohe der chronisch klammen Saar-Uni das Geld auszugehen, hatte das Präsidium jüngst geklagt.



Neben der Informatik soll der Bereich Nano-Bio-Medizin an der Universität in den kommenden Jahren für die Exzellenzinitiative fit gemacht werden. Bei diesem Forschungswettbewerb der Spitzenhochschulen in Deutschland geht es um die ganz großen Projekte in zweistelliger Millionenhöhe. Diesen im Zukunftskonzept 2030 der Uni-Leitung formulierten Plan will die Landesregierung ebenfalls finanziell fördern. Acht Millionen Euro sollen 2021 und 2022 in das Programm investiert werden, in dem das neue Zentrum für Bioinformatik und das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung in Saarbrücken zentrale Rollen spielen. Zusätzlich sollen die Forschungskapazitäten der Medizinischen Fakultät in Homburg ausgebaut werden. Dafür soll ab 2020 der seit Jahren eingefrorene Zuschuss von knapp zwölf Millionen Euro schrittweise bis 2022 auf 15 Millionen Euro erhöht werden.

Die größte Investition an der Hochschule für Technik und Wirtschaft betrifft die Ingenieurwissenschaften. Weil hier demnächst ein Fünftel der 60 Professuren ausscheiden, hatte HTW-Präsident Wolrad Rommel bereits im Winter mehr Unterstützung von der Landesregierung reklamiert. Die will den Generationswechsel jetzt nutzen, um diesen Fachbereich zu modernisieren und dafür 2020 knapp eine halbe Million Euro einsetzen. Bis 2022 soll dieser Betrag auf über eine Million Euro steigen.

Den finanziellen Zusagen stehen auch klare Forderungen gegenüber, die nun Bestandteil der Verhandlungen über den nächsten Globalhaushalt sein werden. Die Uni muss bei den Drittmitteln weiter punkten, den Schwerpunkt NanoBioMed ausbauen und ein klinisches Studienzentrum in Homburg etablieren, die HTW soll ihre Ingenieurwissenschaften inhaltlich neu ausrichten. Beide Hochschulen sollen die Digitalisierung vorantreiben und die vom Wissenschaftsrat angeregten Kooperationsplattformen in den Ingenieur- und Wirtschaftwissenschaften und zu Gesundheitsthemen jetzt startklar machen.

In den Präsidien von Saar-Uni und HTW hat das Gesamtpaket positive Resonanz ausgelöst. Uni-Präsident Manfred Schmitt freute sich in einer ersten Reaktion über „dieses deutliche Signal“. Dies sei eine „Kehrwende“ der Hochschulpolitik im Saarland. Und HTW-Präsident Wolrad Rommel erklärte: „Die Landesregierung hat den zentralen Stellenwert der Hochschulen erkannt.“