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Millionen für grenzüberschreitendes Studium

Kostenpflichtiger Inhalt: Grenzübergreifend Studieren : Eine Brücke in die Großregion

Unter Federführung der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft soll in einem millionenschweren Projekt eine neue Form des grenzüberschreitenden Studiums in der Großregion entstehen. Auch Unternehmen sollen eingebunden werden.

Das von der Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) geleitete multinationale Hochschulprojekt „Bridge“ erhält eine Millionenförderung. 1,9 Millionen Euro, von denen 60 Prozent aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gezahlt werden, fließen an das Konsortium, das sich unter der Federführung der HTW gebildet hat. Die restliche Summe teilen sich die Organisationen der teilnehmenden Länder. Daran beteiligt sind unter anderem die Universität Trier und die Université de Lorraine. Die Organisatoren haben sich dabei viel vorgenommen: Ab September 2021 soll es möglich sein, parallel in Deutschland und Frankreich zu studieren und gleichzeitig in einem Unternehmen in der Region zu arbeiten. Zur Großregion zählen das Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen, Luxemburg und Teile Belgiens.

Duale, grenzüberschreitende Studiengänge gebe es bereits – allerdings nur deutsch-französische, erklärt Thomas Bousonville, Direktor des Deutsch-Französischen-Hochschulinstituts (DFHI) an der HTW. Es hat mehrere Jahrzehnte Erfahrung mit solchen Studiengängen. Seit über 40 Jahren besteht die Kooperation zwischen der HTW und der Université de Lorraine. Das DFHI bietet Bachelor- und Masterstudiengänge in den Bereichen Management, Ingenieurwesen und Informatik an. Dafür gibt es Kurse an beiden Hochschulen und als Abschluss ein Doppeldiplom.

Die größte Konkurrenz für das DFHI sitzt in Straßburg. Dort können junge Franzosen an der Université de Strasbourg studieren und in der Praxisphase in Unternehmen auf der deutschen Seite des Rheins arbeiten. Sie bietet zudem mit der Hochschule Kehl einen deutsch-französischen Masterstudiengang an, in dem das zweite Jahr für ein duales Studium geöffnet ist.

Es gehe bei „Bridge“ nicht primär darum, neue Studiengänge zu entwickeln. Vielmehr sollen bestehende neu organisiert werden. Statt einer gebündelten Praxisphase am Ende des Studiums, wie es bislang der Fall ist, sollen sich bei den neuen kooperativen Studiengängen Studien- und Praxisphasen abwechseln, erklärt Bousonville.

Dabei wolle man mit Unternehmen in der gesamten Großregion zusammenarbeiten, die auch in die Studiengestaltung einbezogen werden sollen. Künftig sollen die Praxisphasen, die bisher nur als Praktikum anerkannt werden, ein integraler Bestandteil des Studiums sein und bei der Bewertung stärker ins Gewicht fallen. Ob die Ausbildung wie ein klassisches, duales Studium organisiert wird, sei noch nicht entschieden. In diesem Fall würden die Firmen den Studierenden ein Gehalt zahlen oder die Studiengebühren übernehmen. Für Thomas Bousonville steht fest, dass sich die Unternehmen beteiligen müssen, bei der Höhe spielten aber gesetzliche Vorschriften der einzelnen Länder eine Rolle.

„Als Studienmodelle könnten zu Beginn Masterstudiengänge des DFHI aus dem Managementbereich dienen, die entsprechend angepasst werden“, erklärt Projektkoordinatorin Judith Wörz. Noch sei man in der Entwicklungsphase. Wenn sich zeige, dass ein Modell erfolgreich ist, könnte es auf weitere Studiengänge – auch im Bachelorbereich – ausgeweitet werden. „Natürlich werden wir uns von der bisherigen Ortsbindung verabschieden müssen und stärker auf den Austausch via E-Mail, über Cloud-Plattformen und Videokonferenzen setzen“, erklärt Thomas Bousonville.

Ein Problem seien noch rechtliche Rahmenbedingungen in den teilnehmenden Ländern, die ein grenzüberschreitendes und gleichzeitig berufsintegrierendes Studium erschwerten, so der Direktor. Im Austausch mit Frankreich gebe es am DFHI regelmäßig bürokratische Hürden in der Phase, in denen die Studierenden im jeweils anderen Land ein Praktikum in einem Unternehmen machten. Im Rahmen von „Bridge“ sollten diese Schwierigkeiten nun in der gesamten Großregion überwunden werden. Dazu müssten dann entsprechende Verträge erarbeitet werden.

Das neue Studienangebot, das mit „Bridge“ entstehen soll, passt zu den Plänen, die HTW-Präsident Dieter Leonhard verfolgt: Im Januar hat er ein Konzept vorgelegt, wie die schwächelnde Berufsakademie Saarland (ASW) in die HTW eingegliedert werden könnte (wir haben berichtet). Leonhard erklärte, dass er in diesem Fall das Angebot an dualen Studiengängen im Saarland deutlich ausbauen will. „Natürlich liegen wird mit „Bridge“ strategisch auf derselben Linie, wenn auch das eine nicht das andere bedingt“, sagt Thomas Bousonville.

Konkrete Informationen zu den neuen Studiengängen und Bewerbungsmöglichkeiten werden laut Judith Wörz zu Beginn des nächsten Jahres veröffentlicht. In der Anfangsphase rechne man mit 50 bis 60 Studierenden auf alle Partner-Hochschulen verteilt. Habe sich das Angebot etabliert, erwarte man deutlich mehr Anfragen, so Wörz. Thomas Bousonville ist zuversichtlich: „Ich erhoffe mir, dass das Projekt eine hohe Strahlkraft hat und wir damit viele Studierende ins Saarland holen können. Die Konkurrenz schläft nicht.“