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Kunst mit Ausrufezeichen

 Für ihre Inszenierung am Saarbrücker Schloss im Sommer vergangenen Jahres erhielten die Beteiligten des Projektes „Rotationen“ jetzt den Landespreis für Hochschullehre. Foto: Dietze
Für ihre Inszenierung am Saarbrücker Schloss im Sommer vergangenen Jahres erhielten die Beteiligten des Projektes „Rotationen“ jetzt den Landespreis für Hochschullehre. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Mit ihrer Schloss-Inszenierung „Rotationen“ begeisterten sie im letzten Jahr das Publikum. Dafür wurden die Protagonisten von Kunst- und Musikhochschule Saar nun mit dem ersten Platz beim Landespreis für Hochschullehre ausgezeichnet. Christian Leistenschneider

Im Sommer 2015 bot sich auf dem Saarbrücker Schlossplatz für einige Stunden ein spektakulärer Anblick: Die gesamte Fassade des Schlosses war in ein Formenspiel aus Farben und Mustern getaucht. Davor standen tausende Menschen mit Kopfhörern in tiefste Konzentration versunken. Diese ungewöhnliche Kombination aus visuellem Bombast und akustischer Meditation war das Ergebnis des interdisziplinären Projektes "Rotationen", für das die Beteiligten den ersten Platz des Hochschullehre-Preises des Saarlandes erhielten.

"Kunst mit Ausrufezeichen" hätten seine Studenten kreieren wollen, erklärt Florian Penner von der Hochschule der Bildenden Künste Saar, einer der Verantwortlichen des Projekts. "Das Schloss hat dafür einen idealen Ort geboten." Die Grundidee war die Verbindung von Bild und Musik zu einem Gesamterlebnis. Als Kooperationspartner stand die Hochschule für Musik Saar bereit. "Die Kombination dieser Elemente lag auf der Hand", meint deren Professor Oliver Strauch. "Auch in Filmen werden Bilder zur Erzeugung von Emotionen mit Musik unterlegt. Darum ist es wichtig, dass die Studenten damit Erfahrungen machen. Und im Saarland wird das Thema Musikvideo in keinem Studiengang angeboten."

Damit das Zusammenspiel funktioniere, müsse man vor allem inhaltlich einen gemeinsamen Nenner finden, sagt Florian Penner: "Es kommt darauf an, dass man etwas zu erzählen hat. Das ist wichtiger als formale Perfektion." Darum beschäftigten sich die Beteiligten intensiv mit dem Ort der Inszenierung, dem Schloss und seiner Geschichte. Der Schlossbrand von 1793 inspirierte Hadi Hajdarevic zu der Projektion "Feuer": Ein virtuelles Flammenmeer verschlingt darin das Gebäude.

Ähnlich düster ist die Projektion von Künstler François Schwamborn angelegt: "Ich wollte die Schönheit des Schlosses bewusst brechen", erläutert er seinen Ansatz. Dabei bewegte ihn das Schloss als Symbol der Macht: "Für mich repräsentiert es ein System, das die Schwachen unterdrückt." Sein Bruder Florian, der auch an dem Projekt beteiligt war, lieferte die Klänge dazu: Aufnahmen aus der Pariser U-Bahn, die für Schwamborn eine unheimliche Atmosphäre ausstrahlten, brachten ihn auf eine bedrohliche Illumination aus grünen und blauen Farben. Umgekehrt lief es bei der Installation "Kletterer" von David Schwarz. Eine genau inszenierte Choreografie von Fassadenkletterern musste mit präzisen Rhythmen unterlegt werden. "Da musste die Abstimmung ganz exakt sein", sagt Schlagzeugstudent Leo Kwandt von der HfM.

Herausfordernde Begegnungen


Für die Studenten bot die interdisziplinäre Arbeitsweise eine gute Gelegenheit, voneinander zu lernen, meint Florian Penner: "Musiker müssen in der Gruppe arbeiten, während Künstler oft Einzelkämpfer sind." Die Begegnung zwischen Musikern und bildenden Künstlern lief dabei nicht immer ganz reibungslos: "Das war eine Herausforderung, weil man eine ganz andere Sprache spricht", sagt Schwamborn. "Aber durch die Kontakte konnte man seinen Horizont erweitern und neue Lösungen finden." Diese Erfahrung hat Kwandt auch gemacht: "Ein Problem war: Wie vermittelt man seine Ideen, ohne Fachbegriffe zu benutzen, die der andere nicht versteht? Bildende Künstler und Musiker arbeiten in ganz anderen Strukturen. Damit man das in Einklang bringt, muss natürlich auch die menschliche Ebene passen."

Der mit insgesamt 50 000 Euro dotierte Landespreis Hochschullehre wird seit 2003 jährlich an Lehrende saarländischer Hochschulen vergeben. Damit sollen besondere Leistungen und innovative Lehrkonzepte belohnt und gefördert werden. Sieger in diesem Jahr waren Prof. Oliver Strauch von der Hochschule für Musik Saar und Florian Penner von der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Für ihr gemeinsames Projekt "Rotationen", einer visuell-musikalischen Inszenierung des Saarbrücker Schlosses, erhielten sie ein Preisgeld von 30 000 Euro. Den zweiten Platz (10 000 Euro) belegten Prof. André Miede und Prof. Enrico Lieblang von der HTW für die Entwicklung eines Studienkonzepts, das Elemente aus Computerspielen wie spezielle Aufgabenstellungen und Punktsysteme einbezieht. Platz drei (10 000 Euro) ging an Prof. Eve Hartnack (HTW) für ein Lehrkonzept zum regionalen Bauen, das auf Bürgerbeteiligung setzt.