| 20:06 Uhr

Kinder-Uni
Klüger durch richtige Nutzung des Computers

Ted, Sinan, Professor Armin Weinberger und Julian (von links) schauen sich vor der Vorlesung den Hauptgegenstand des Vortrages an.
Ted, Sinan, Professor Armin Weinberger und Julian (von links) schauen sich vor der Vorlesung den Hauptgegenstand des Vortrages an. FOTO: Iris Maria Maurer
In der letzten Vorlesung des Jahres ging Professor Armin Weinberger diese Woche der Frage nach, ob Computer wirklich dumm machen. Von Esther Simon

„Was glaubt ihr, machen Computer dumm?“, will Professor Weinberger gleich zu Beginn seiner Vorlesung von seinen jungen Studenten wissen. Bei dieser Frage sind sich die Teilnehmer der zweiten Kinderuni nicht einig, eine knappe Mehrheit hält diese Aussage für einen Mythos. Ob sie damit richtig liegen, werden sie im Laufe der nächsten 45 Minuten erfahren.


Nach einer kurzen Vorstellung seiner Assistentinnen Allison Kolling und Lara Schmitt geht es aber zunächst einmal auf eine Reise in die Vergangenheit. Denn die Erwachsenen, so Weinberger, haben schon immer gesagt, dass die neuen Entwicklungen die Jugend verblöden würden. 400 v. Chr. etwa hieß es, dass die Gedächtnisleistung der Jugend sich verringern würde, da sie alles aufschreiben, statt es sich zu merken. Oder im 18. Jahrhundert, dass die Jugend verdummen würde, da sie so viele Romane lesen würde.

Doch warum sollen Computer eigentlich dumm machen? Hier werden von den Erwachsenen immer drei Punkte aufgeführt, die Weinberger sich mit den Kindern genauer anschauen will. Hierfür will er bei jeder Behauptung von seinen Juniorstudenten wissen, ob diese stimmen oder nicht. Und die Nachwuchsstudenten liegen immer richtig.



Zunächst heißt es immer, dass der Computer sinnvollere Aktivitäten ersetze. Es stimme schon, dass Kinder mehr Medien nutzen als früher, meint der Professor. Auch seien Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass Kinder, die während der Schulwoche einen großen Medienkonsum haben, in der Schule schlechter sind. Kinder mit einem maßvollen Medienkonsum seien jedoch besser als Kinder ohne Medienkonsum. Auch ist der Medienkonsum bei Kinder, die Sport treiben und/oder musizieren, geringer als bei Kindern ohne diese Hobbys. Beim Thema Mediennutzung weist Weinberger auch noch auf die Vorbildfunktion der Eltern hin.

Als zweites Argument für die Behauptung, dass Computer dumm machen, wird immer angeführt, dass Computer die Denkarbeit für einen übernehmen. Ein typisches Beispiel hierfür sind Navigationsgeräte und Taschenrechner. Im Zeitalter von Smartphones gibt es natürlich auch unterschiedliche Apps, die einem vieles abnehmen können. Der Professor führt hier gemeinsam mit seinen Assistentinnen eine Übersetzungs-App sowie eine App, die mathematische Gleichung löst, vor. Jedoch wird schnell klar, dass es bei all diesen Dingen sehr darauf ankommt, wie man sie benutzt. Wer etwa ohne auf die Umgebung zu achten, einem Navi folgt, verliert natürlich mit der Zeit jeden Orientierungssinn.

Das dritte Argument gegen Mediennutzung ist die Beeinflussung von Kindern (und Erwachsenen) durch Medien. Da diese bestimmen, was wir für richtig und normal halten und heutzutage jeder Nachrichten veröffentlichen kann, ist ein bewusster und kritischer Umgang mit diesen sehr wichtig. Vor allem, da wir heutzutage Zugang zu mehr Informationen haben als jemals zuvor.

Abschließend kommt Professor Weinberger zu dem Schluss, dass es sehr darauf ankommt, was wir mit dem Computer machen, wie viel Wissen wir bereits haben und auch wie die Familie und Freunde mit Computern umgehen. Compute machen also nicht grundsätzlich dumm.

Zum Schluss der Vorlesung gibt es noch einen Vergleich zwischen dem menschlichen Gehirn und einem Computer. Allgemein formuliert sind die Prozesse, die ablaufen bei beiden gleich. Es gibt immer eine Informationseingabe, -verarbeitung und am Ende eine Informationsausgabe.

Zur Veranschaulichung, was das menschliche Gehirn kann und was nicht, gibt es noch zwei Experimente. Zunächst diktiert Weinberger einer seiner Zuhörerinnen mehrere Zahlenkombinationen, die sie wiederholen soll. Ab sechs Ziffern wird dies schon schwierig. „Das ist normal“, meint Weinberger. Man könne sich nur fünf bis neun Dinge merken. Das müssen die anderen jungen Studenten auch feststellen, als direkt danach ein Videoexperiment mit allen gemacht wird. Während der Großteil genau sagen kann, wie oft die weiß angezogene Mannschaft sich den Basketball zugeworfen hatte, hat nur ein Bruchteil der Kinder den Gorilla bemerkt, der ebenfalls durch das Bild gelaufen war.

Mit einem großen Applaus werden Professor Weinberger und seinen Assistentinnen schließlich verabschiedet und die Vorlesung endet mit begeisterten Gesichtern.