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Ein Studium als Tor zur Welt
Von Saarbrücken nach Salt Lake City

Jana Burnikel bei der Lektüre englischsprachiger Literatur auf dem Campus der Universität des Saarlandes.
Jana Burnikel bei der Lektüre englischsprachiger Literatur auf dem Campus der Universität des Saarlandes. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Fremde Länder und Kulturen faszinieren die Englischstudentin Jana Burnikel seit jeher. Ihr Studium an der Saar-Uni kommt ihr da entgegen. Von David Seel

Ihre beruflichen Ziele hatte Jana Burnikel bereits früh klar vor Augen. „Eigentlich wusste ich schon immer, dass ich mal im Public-Relations-Bereich oder in der Unternehmenskommunikation arbeiten will“, sagt die 26-Jährige. Ein betriebswirtschaftliches Studium sei für sie dennoch nicht infrage gekommen. „Das klang für mich immer zu langweilig und trocken.“ Dagegen habe sie sich schon während der Schulzeit für Sprachen, Bücher und fremde Kulturen begeistern können. „Ich liebe einfach englische Literatur und kreatives Schreiben“, schwärmt die gebürtige Saarbrückerin. „Ich hatte auch eine tolle Englischlehrerin, die mein Interesse an Shakespeare und Co. geweckt hat.“


Auf der Grundlage dieser Erfahrungen entschied sich Burnikel nach dem Abitur für den Bachelor-Studiengang „English: Linguistics, Literatures and Cultures“ (Infokasten) an der Saar-Uni. Die dafür nötigen Auslandspraktika, die sie in den USA absolvierte, haben bei der Studentin tiefe Eindrücke hinterlassen. „Für den ersten Auslandsaufenthalt war ich in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah“, sagt sie. Die Vereinigten Staaten habe sie vorher nur während eines Urlaubs in New York kennengelernt. „Salt Lake City war völlig anders“, so Burnikel. „Im Grunde wirken die USA oft gar nicht wie eine Nation, sondern eher wie viele einzelne Länder mit jeweils ganz eigenen Kulturen“, so ihre Einschätzung.

Besonders überrascht habe sie, welchen zentralen Stellenwert das Thema Religion im mormonisch geprägten Utah im Leben der Menschen einnehme. „Bei uns ist Religion ja eher was für ältere Leute“, so die Studentin. In Salt Lake City nähmen hingegen auch die Jüngeren oft an religiösen Veranstaltungen wie Gottesdiensten teil. „Das ist dort eine echte Gemeinschaft“, erzählt Burnikel. Mitunter sei dieser Mikrokosmos völlig von der Außenwelt isoliert. „Die Leute dort konnten zum Teil gar nicht glauben, dass ich aus Deutschland komme und dennoch eine andere Sprache als die meines Heimatlandes spreche“, sagt sie. „Es kam mir teilweise vor wie ein Portal ins 19. Jahrhundert.“



Für ihr zweites Auslandspraktikum zog es die Studentin dann wieder nach New York, wo sie bei einem kleinen Startup-Unternehmen arbeitete. Dieses habe eine Smartphone-App entwickelt, für die es große Kosmetik-Konzerne als Investoren gesucht habe, berichtet Burnikel. In einem Startup zu arbeiten, sei zwar eine große Herausforderung gewesen, auf der anderen Seite habe sie sich hier aber auch stärker einbringen können als in einem etablierten Unternehmen, sagt sie rückblickend.

Zurzeit absolviert Burnikel ihren Master im Studiengang „British Studies“ an der Saar-Uni. Daneben ist sie in zahlreichen sozialen Projekten aktiv. So engagierte sie sich beispielsweise für die Verbesserung der Situation von Frauen an der Uni. „Im Laufe meines Studiums bin ich zunehmend sensibler für das Thema geworden“, so Burnikel. Ihr sei aufgefallen, dass Frauen auch heute noch in vielen Bereichen zurücksteckten. „Diese Denkstrukturen sind teilweise immer noch tief verankert“, sagt sie. „Wenn Männer beispielsweise für ihre Promotion Arbeiten veröffentlichen, kommen sie irgendwann an den Punkt, an dem sie sagen ‚Ok, das reicht für eine Publikation‘, während Frauen in der gleichen Situation häufig denken, sie hätten noch zu wenig geleistet.“

In diesen gesellschaftlichen Strukturen sieht Burnikel auch den Hauptgrund dafür, dass Frauen in naturwissenschaftlichen Studiengängen noch immer unterrepräsentiert sind. „Ich dachte immer, die Mädchen haben doch heutzutage genug Angebote, aber dann bekommen sie in der Schule doch ständig zu hören, dass sie für solche Berufe nicht geeignet seien“, sagt sie. Ihr habe es früher an Problembewusstsein dafür gemangelt, erklärt Burnikel. Frauen müssten auf ihrem Weg an die Uni viele Hürden überwinden.

Sie selbst habe im Studium ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ich arbeite momentan auch im IT-Bereich an der Uni. Da habe ich kürzlich jemanden getroffen, den ich aus der Schule kannte und der mich gleich fragte, was ich denn in der Informatik verloren hätte“, berichtet sie. „Dabei war ich nicht mal schlecht in Mathe.“

Um dieses Thema anzugehen, müsse man nach Burnikels Meinung bereits sehr früh ansetzen. Sie selbst engagierte sich daher in der „Koordinationsstelle Gender Equality MINT“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mädchen für naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. „Wir haben versucht, Schülerinnen mit Studierenden aus diesen Fachbereichen zusammenzubringen, die ihnen zeigen sollten, was man in der Naturwissenschaft so macht“, sagt Burnikel. „Auf diese Weise wollten wir Hemmschwellen abbauen.“

Aber auch ihr literaturwissenschaftliches Studium würde sie jederzeit weiterempfehlen, so die Studentin. „Den meisten Leuten ist nicht klar, in wie vielen verschiedenen Bereichen man damit später arbeiten kann.“ Wenn sie anderen davon erzähle, sei die erste Frage oft, ob sie mit dem Abschluss überhaupt etwas anderes als Lehrerin werden könne, so Burnikel. Dabei habe sie viele Qualifikationen erworben, die in den verschiedensten Branchen gefragt seien. „Man lernt beispielsweise, wie man Präsentationen aufbaut und wie man vor Leuten redet“, sagt sie. Die mangelnde Akzeptanz der Gesellschaftswissenschaften sei in erster Linie ein deutsches Phänomen. „In den USA ist es in vielen Bereichen völlig egal, ob ich einen Bachelor in Philosophie oder in Physik habe, die laden die Leute ins Vorstellungsgespräch ein und sehen sich an, was sie können.“