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Studenten der HTW an neuer Wirkungsstätte
„Im sichersten Gebäude des Saarlandes“

Ein Blick ins neue Lernumfeld an der HTW: Dozent Moritz Czarny unterrichtet Studenten in einem der Seminarräume im Haus des Wissens.
Ein Blick ins neue Lernumfeld an der HTW: Dozent Moritz Czarny unterrichtet Studenten in einem der Seminarräume im Haus des Wissens. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Nach einer jahrelangen Odyssee beginnen im neuen Hochhaus der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken endlich die ersten Lehrveranstaltungen. Doch an einigen Stellen muss noch nachgebessert werden. Von David Seel und Marc Sepeur

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) musste lange darauf warten, ihr neues Domizil zu beziehen. Denn ursprünglich sollten die Arbeiten am Haus des Wissens, dem ehemaligen Gesundheitsamt in Alt-Saarbrücken, bereits 2013 fertiggestellt sein. Wegen Brandschutzmängeln forderte die Bauaufsicht der Stadt umfangreiche Nachbesserungen, die die Kosten in die Höhe trieben und die Bauzeit um fünf Jahre verlängerten. So mussten zwei neue Treppenhäuser angebaut werden, die im Notfall als Fluchtwege dienen sollen.


Während die Gerichte noch über die Frage entscheiden müssen, wer letztlich die enormen Mehrkosten für das Projekt tragen muss, kann der Lehrbetrieb im Haus des Wissens endlich beginnen. Im neuen Gebäude der HTW sollen rund 820 Studenten der Sozialwissenschaften von 16 Professoren und 21 wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgebildet werden.

Wobei, ganz so viele sind es anfangs nicht. „Die großen Vorlesungen für die Sozialwissenschaftler finden bisher noch auf dem Campus am Rast­pfuhl statt“, sagt HTW-Pressesprecherin Katja Jung. Das soll sich im Mai ändern, wenn das dem Hochhaus gegenüberliegende Gebäude an der Malstatter Straße an die HTW übergeben ist. Neben einem großen Hörsaal wird es die Mensa und die neue Zentralbibliothek beherbergen. Erst dann wird die neue Infrastruktur der HTW wirklich auf die Probe gestellt.



„Man merkt sofort, dass es langsam voller wird“, sagt HTW-Präsident Wolrad Rommel. Die neue Situation sieht er trotz einiger Startschwierigkeiten positiv. „Wir befinden uns hier im sichersten Gebäude des Saarlandes“, erklärt er lachend mit Blick auf die strikten Brandschutzvorschriften. „Natürlich gibt es wie bei jedem neuen Gebäude einige Kinderkrankheiten“, ergänzt Rommel. Einer der drei Aufzüge sei derzeit defekt und auch bei der Klimatisierung müsse noch ein wenig nachgebessert werden. Außerdem ertönt ein lauter Piepton, wenn Türen zu den Hörsälen oder Seminarräumen geöffnet werden. „Aber für uns ist das natürlich schon jetzt eine riesige Weiterentwicklung“, so der Präsident der HTW. „Wir werden jetzt Schritt für Schritt einziehen und die Probleme angehen.“ Im Laufe der nächsten Monate solle der komplette Studienbetrieb vom Rastpfuhl nach Alt-Saarbrücken verlegt werden.

Was sagen die Studenten zum neuen Arbeitsumfeld? Hanna Wuttke lobt vor allem das neue, sogenannte Skill-Lab, in dem die Studenten an echten medizinischen Geräten  die Betreuung eines bettlägerigen Patienten üben können. Die 20-Jährige studiert Pflegewissenschaften an der HTW. „Da unser Berufsfeld künftig von großer Bedeutung sein wird, sollte unsere Ausbildung unbedingt praxisbegleitend sein.“ Doch der Neubau hat für sie nicht nur Vorteile. Wuttke kritisiert, dass die in der ursprünglichen  Planung vorgesehene Brücke, die das Hochhaus mit dem Zentralgebäude verbinden sollte, gestrichen wurde. Nun seien die Studenten gezwungen, „ständig eine gefährliche, vielbefahrene Kreuzung zu überqueren. Ich denke es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier erste Probleme auftreten.“

Rebekka Hoffmann studiert soziale Arbeit. Ihr gefällt der Neubau im Großen und Ganzen. „Er wirkt modern, aber gleichzeitig auch ein bisschen krankenhausmäßig“, sagt die 21-Jährige. Etwas Farbe würde dem Ambiente ihrer Meinung nach gut tun. Außerdem fehlen ihr Sitzangebote auf den Gängen, wo sich die Studenten während der Pausen aufhalten könnten. „An der Wohlfühlatmosphäre sollte man noch arbeiten“, sagt sie. „Im Vergleich zur klassischen Uni fehlt uns natürlich ein Audimax. Die kleinen Veranstaltungsräume haben aber auch ihren Charme.“

Pflegewissen­schaftlerin Anne Schütz ist mit dem Neubau ebenfalls zufrieden. Die neuen Räume seien angenehm klimatisiert, ein Fortschritt gegenüber den früheren Hörsälen. Die schlichte Architektur vermittle einen klaren, sauberen  Eindruck, so die Meinung der 22-Jährigen.

Wolrad Rommel hat bereits weitere Pläne für das Gebäude. „Ursprünglich sollten ja auch die Architekten hier einziehen, für die hatten wir eine Holzwerkstatt geplant“, erzählt er. Da die Architekten nun aber vorerst auf dem HTW-Campus in Göttelborn blieben, seien noch einige Räumlichkeiten frei. „Wir machen schon seit längerer Zeit gemeinsam mit der Hochschule für Musik ein Campusradio“, so Rommel. Dieses soll nun in der ursprünglichen Werkstatt Platz finden. „Wenn der Brandschutz mitspielt, wird da auch eine Cafetaria kommen.“

Geht es nach dem HTW-Präsidenten, soll es nicht bei dem neuen Gebäude bleiben. „Uns fehlen in Saarbrücken noch immer rund 10 000 Quadratmeter Fläche“, so seine Einschätzung. Es mangele aber nicht nur an Neubauten. „Unser alter Gebäudebestand ist zum Teil dringend renovierungsbedürftig“, klagt er. „Da ist jahrelang nichts passiert, ich hoffe, dass sich das jetzt ändert.“