| 20:19 Uhr

Kinder-Uni
Gott und die Welt im Audimax

Dr. Alexander Maier hat bei der Kinder-Uni jede Menge Dinge mitgebracht, die typisch für das Christentum, Judentum und den Islam sind.
Dr. Alexander Maier hat bei der Kinder-Uni jede Menge Dinge mitgebracht, die typisch für das Christentum, Judentum und den Islam sind. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken . „Kann mein Gott sehen, was ich tue?“ Das wollte Alexander Maier bei der letzten Vorlesung der Kinder-Uni dieses Jahres herausfinden. Von Martina Kind

Nur noch acht Tage bis Heiligabend! Dann kommt bei vielen Familien wieder traditionell die Weihnachtsgans auf den Tisch, während „Stille Nacht, heilige Nacht“ aus den Lautsprechern ertönt. Aufregend wird es aber erst nach dem Festessen, wenn die Zeit für die langersehnte Bescherung endlich gekommen ist und es ans Geschenkeauspacken geht.



Doch was feiern wir an Weihnachten überhaupt? Das wollte der Religionspädagoge Alexander Maier bei der letzten Kinder-Uni in diesem Jahr von seinen jungen Studenten wissen. Und auf eine Antwort musste er nicht lange warten. „Die Geburt von Jesus Christus“, rufen alle Kinder einstimmig. Der soll vor mehr als 2000 Jahren auf die Welt gekommen sein, heißt es in der Bibel. Und daran glauben viele Christen in aller Welt.

Wer hingegen zu einer anderen Religion gehört, zum Beispiel dem Islam, der feiert das Weihnachtsfest nicht. Und auch bei Juden ist es nicht üblich, Weihnachten so zu feiern, wie viele von euch es von zu Hause kennen. Stattdessen gibt es bei ihnen das sogenannte Chanukka-Fest.

So unterschiedlich diese drei Religionen auf den ersten Blick erscheinen, so gibt es doch einige Dinge, die sie miteinander verbindet, erklärt Alexander Maier den Besuchern der Kinder-Uni. Denn egal ob Christentum, Judentum oder Islam: Wer an einen Gott glaubt, der hat eine besondere Beziehung zu ihm und sucht auch oft seine Nähe. „Wer seinen Gott sehr lieb hat, der möchte gerne bei ihm sein. Das könnt ihr euch vorstellen wie bei euren Eltern oder Freunden. Mit ihnen seid ihr bestimmt auch am liebsten zusammen“, erklärt Maier. Wer nun aber mit Gott sprechen und ihm von all seinen Freuden und Sorgen erzählen will, der kann sich nicht einfach mit ihm auf die Couch setzen und anfangen zu plaudern – wie man es mit seinen Freunden macht.

Wie sprechen Menschen aber dann zu Gott? Wieder schnellen alle Arme im Audimax in die Luft. Klar, das ist ja auch wirklich kinderleicht. „Sie beten!“, sind sich alle einig. „Und da haben wir schon wieder eine Gemeinsamkeit von Christen, Juden und Muslimen“, sagt Maier. Zwar unterscheide sich die Art und Weise, wie sie zu Gott sprechen. Muslime zum Beispiel beten immer auf einem Teppich und richten sich dabei gen Mekka, weil dort der Ursprung ihres Glaubens liegt. Juden tragen beim Beten unter anderem einen speziellen Schal und einen Riemen aus Leder, den sie sich um die Hand und den Arm binden. Und Christen falten ihre Hände und knien oft, wenn sie Gott etwas zu sagen haben. Nichtsdestotrotz haben sie alle dasselbe Ziel beim Beten: sich mit Gott auszutauschen und ihm ganz besonders nah zu sein.



Wie können wir uns diesen Gott überhaupt vorstellen, wenn wir ihn beim Beten schon nicht sehen können? Sitzt er, wie viele Menschen denken, wirklich im Himmel und schaut immer auf uns hinab? Falls ja, wäre das in manchen Situation doch ziemlich unangenehm. Denn dann würde er ja auch sehen, wenn wir mal etwas Freches gesagt oder getan haben und wäre mit Sicherheit sauer auf uns. Vielleicht würde er uns sogar bestrafen. Andererseits sagen manche Eltern doch bestimmt nicht einfach ohne Grund „Der liebe Gott sieht alles“, wenn ihre Kinder etwas angestellt haben, oder?

Wir dürfen uns Gott nicht als eine Art Polizist oder Richter vorstellen, der Buch über die guten und schlechten Tagen der Menschen führt, erklärt Alexander Maier. Stattdessen ist er der Meinung, dass Gott vielmehr Ausschau nach jedem Menschen hält, weil er sich eben für ihn interessiert und wissen möchte, was er den lieben langen Tag treibt. Und auch wenn wir manchmal Dinge tun, die vielleicht nicht so toll sind und anderen wehtun, würde uns Gott nicht dafür bestrafen, ist sich Maier sicher. Angst muss also niemand vor ihm haben. Doch ein Rätsel bleibt noch: Sitzt Gott wirklich auf einer Wolke im Himmel, während er die Menschen beobachtet? Diese Frage kann nun wirklich niemand beantworten, auch Alexander Maier nicht. Wer und wo Gott also ist, das bleibe wohl für immer ein großes Geheimnis.