| 16:53 Uhr

Große Ereignisse werfen Schatten voraus
Millionenprojekt: Die Campus-Allee der HTW

  Ein Blick aus dem Gebäude der Stadtwerke: Rechts im Vordergrund befindet sich ein städtisches Umspannwerk (beige). Das Gebiet, auf dem die graue Garage steht, und der linke Teil des Parkplatzes werden an die HTW übergehen . Dort soll ein drei- bis vierstöckiger Neubau entstehen.
Ein Blick aus dem Gebäude der Stadtwerke: Rechts im Vordergrund befindet sich ein städtisches Umspannwerk (beige). Das Gebiet, auf dem die graue Garage steht, und der linke Teil des Parkplatzes werden an die HTW übergehen . Dort soll ein drei- bis vierstöckiger Neubau entstehen. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken soll in den nächsten Jahren vollkommen neu gestaltet werden. Von Peter Bylda
Peter Bylda


Nach zwei Jahren Verhandlungen haben sich Landesregierung und Stadtverwaltung in der vergangenen Woche auf eine Erweiterung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) an ihrem Hauptstandort in Alt-Saarbrücken verständigt (wir haben berichtet). Die Einigung in diesem Grundstücksgeschäft – es ging um einen mittleren einstelligen Millionenbetrag – bedeutete allerdings weit mehr als nur den Abschluss eines monatelangen Millionenpokers zwischen Stadt und Land. Für die Hochschule macht der Grundstückskauf des Stadtwerke-Geländes an der Hohenzollernstraße den Weg frei für ein großes Umbauprogramm, das binnen eines Jahrzehnts das Erscheinungsbild der HTW, aber auch des Saarbrücker Stadtteils, in dem sie zu Hause ist, tiefgreifend verändern wird. Denn nun rückt wieder ein Projekt in den Fokus, das wegen der jahrelangen Querelen um das HTW-Hochhaus an der Stadtautobahn, das wegen Brandschutzmängeln nicht bezogen werden durfte, beinahe schon in Vergessenheit geraten war: die Neugestaltung der Ingenieur-Fachbereiche am Hauptsitz der Hochschule in Alt-Saarbrücken.

Auf dem heutigen Gelände der Stadtwerke soll zunächst ein drei bis vier Stockwerke hoher Neubau entstehen, der rund 6000 Quadratmeter Nutzfläche bietet. Dieses Multifunktionsgebäude, das an die Ecke Werder-/Hohenzollernstraße gestellt wird, ist aus Sicht der Hochschule eine unverzichtbare Voraussetzung für das Projekt Campus-Allee. An ihr sollen die neuen Institutsgebäude der HTW in Alt-Saarbrücken, vom Haus des Wissens bis zum Stadtwerke-Neubau, wie Perlen auf einer Kette aufgereiht werden. Das Grundstücksgeschäft zwischen Staatskanzlei und Stadtverwaltung war nur der Startschuss eines umfassenden Umbauprogramms. Nach den Sozial-, den Wirtschaftswissenschaften und den Architekten sollen nun die Ingenieurwissenschaften zeitgemäße Büros und Labors erhalten. Die HTW-Altbauten zwischen Mensa und Technikum sollen abgerissen und durch moderne Institutsgebäude ersetzt werden. Zu den Kosten gibt es bisher nur grobe Schätzungen. Sie sollen sich auf wenigstens 30 Millionen Euro belaufen.



Nach der Grundsatzentscheidung des Saarbrücker Stadtrates über einen Bebauungsplan für das Areal soll Mitte des Jahres ein Architektenwettbewerb zu diesem Thema gestartet werden. Ohne die Erweiterung aufs Stadtwerke-Areal hätte die Hochschule „keine Chance gehabt, das alles ohne gravierende Leistungseinbußen im laufenden Betrieb umzustellen“, erklärt HTW-Präsident Dieter Leonhard. Zu sanieren sei die in Jahrzehnten verwitterte Bausubstanz der alten HTW-Zentrale an der Goebenstraße nicht mehr, sagt Georg Maringer, der Vizepräsident für Verwaltung und Wirtschaftsführung. Sie entspreche nicht mehr heutigen Standards. Aus der alten Bibliothek führe zum Beispiel nur ein einziger Fluchtweg.

Die Sanierung der Gebäude für die HTW-Ingenieure werde in mehreren Abschnitten erfolgen müssen. Denn davon sind auch große HTW-Labors, zum Beispiel für Wasserbau und Hochspanungstechnik, betroffen. „Wir werden jeden Quadratmeter Nutzfläche benötigen“, erklärt Georg Maringer. Die Vertreter des Präsidiums rechnen alles in allem mit einer Bauzeit von wenigstens einem Jahrzehnt für das komplette Bauprogramm.Dem neuen Multifunktionsgebäude auf dem Stadtwerke-Gelände sei in der Umbauphase eine Pufferfunktion zugedacht. Dort sollen Studenten und Dozenten der Ingenieurwissenschaften während der Zeit unterkommen, in der ihr altes Institutsgebäude durch einen Neubau ersetzt wird. Für die Hochschule liege hier auch eine große Chance, erklärt HTW-Präsident Dieter Leonhard. „Das bietet die einzigartige Möglichkeit, das Ganze als Ensemble zu entwickeln. Wir brauchen ein umfassendes Campus-Konzept.“ Dabei überlegt der HTW-Chef auch, den Fachbereich Architektur seiner Hochschule bei dieser Konzeption mit einzubinden.

Für die HTW-Architekten zeichnet sich mit der Erweiterung ihrer Hochschule aufs Stadtwerke-Gelände schließlich auf mittlere Sicht das Ende ihres Göttelborner Exils ab. Der neue HTW-Präsident ist mit der klaren Ansage angetreten, die über mehrere Dependancen verteilte Hochschule möglichst an zwei Standorten zusammenzufassen. Er könne sich durchaus vorstellen, erklärt Dieter Leonhard, dass der Fachbereich Architektur nach dem Abschluss des gesamten Umbauprozesses sein endgültiges Domizil im Neubau in Alt-Saarbrücken finden werde.