| 00:00 Uhr

Die Dritte im Bunde

An der Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken sind heute über 4600 Studenten eingeschrieben. Foto: DHfPG
An der Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken sind heute über 4600 Studenten eingeschrieben. Foto: DHfPG FOTO: DHfPG
Saarbrücken. Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken wächst und wächst. Die seit 2008 staatlich anerkannte Hochschule ist dabei, zur zweitgrößten akademischen Bildungseinrichtung des Landes zu werden. Peter Bylda

Die staatliche Hochschullandschaft im Saarland ist übersichtlich - äußerst übersichtlich. Da gibt es die einzige Universität des Saarlands (rund 18 000 Studenten) und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (6000 Studenten) - und danach kommt lange Zeit nichts. Die drei anderen Hochschulen in staatlicher Trägerschaft für Kunst, Musik und Verwaltung zählen zusammen rund 1200 Studenten. Ganz anders erscheint die Szene jedoch, wenn der Betrachter den Fokus weitet und auch Einrichtungen privater Träger betrachtet. Da stellt sich heraus, dass sich die Ära des dominierenden Duos Saar-Uni und HTW dem Ende zuneigt. Es gibt einen dritten, großen Mitspieler auf dem Feld der akademischen Bildung: die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG).

Nach den Zahlen des statistischen Landesamts waren 2014 an dieser Einrichtung, die ein spezialisiertes Studium in Fitnessökonomie und -training, Sportökonomie, Gesundheitsmanagement und Ernährungsberatung anbietet, 4635 Studenten eingeschrieben. Anfang des kommenden Jahres soll die Marke von 6000 Studenten überschritten werden, so der Geschäftsführer der Hochschule, Johannes Marx.

Dass die Gesamtzahl der Studenten im Saarland zunimmt, liegt im Wesentlichen am starken Wachstum dieser vom Wissenschaftsrat 2008 akkreditierten Hochschule. Warum die DHfPG auf den ersten Blick einen viel kleineren Eindruck macht, ist schnell erklärt: Es ist nie mehr als ein Fünftel der Studenten gleichzeitig am Hauptsitz auf dem Saarbrücker Campus präsent. Die Fachhochschule ist eine Fernhochschule. Sie ist zwar im Saarland zu Hause, ihre Studenten sind jedoch auf zehn Zentren in Deutschland und Dependancen in Wien und Zürich verteilt. Sie absolvieren ein duales, interdisziplinäres Studium mit einer parallelen, betrieblichen Ausbildung. Die DHfPG arbeitet dabei nach eigenen Angaben mit über 3000 Unternehmen zusammen. Diese Kombination gebe es in Deutschland kein zweites Mal, so der Geschäftsführer .

Die Hochschule bereite durch ein wissenschaftlich fundiertes, anwendungsorientiertes Studium plus direktem Wissenstransfer in die betriebliche Praxis auf Tätigkeiten in der Gesundheits- und Fitnessbranche vor, schreibt der Wissenschaftsrat . Wer daraus schließt, hier seien vornehmlich muskelbepackte Bachelor-Studenten zu finden, liegt falsch, so Gerd Maurer, Leiter der Unternehmenskommunikation. Tatsächlich betrage der Frauenanteil der meisten Fächer über 50 Prozent, so seine Kollegin Kerstin Kristina Baquet. "Nur beim Start war das eine Männerdomäne", erklärt Geschäftsführer Johannes Marx. Da seien mehr als drei Viertel der Studenten aus der Fitness-Welt gekommen. Mittlerweile entsenden zu 40 Prozent Reha-Einrichtungen, Kliniken, großen Arztpraxen, aber auch Verbände, Krankenkassen und große Unternehmen, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement aufbauen wollen, ihre Mitarbeiter.

Das Studium in den fünf Bachelor- und zwei Masterstudiengängen ist kostenpflichtig, die Hochschule - Jahresumsatz 40 Millionen Euro - finanziert sich ausschließlich über diese Einnahmen. Sie schließt zu Beginn eines siebensemestrigen Bachelorstudiums einen Ausbildungsvertrag mit dem angehenden Studenten und seinem entsendenden Betrieb, so Marx. Der Student muss neben seiner Tätigkeit im Ausbildungsbetrieb im Sechs-Wochen-Rhythmus Studienbriefe durcharbeiten; die Fortschritte werden in den Präsenzphasen in den Studienzentren überprüft.

Rund 4000 Absolventen insgesamt zählt die Hochschule bisher, 96 Prozent seien innerhalb von 18 Monaten nach ihrem Abschluss entweder im anvisierten Beruf untergekommen oder hätten ein weiterführendes Studium aufgenommen, so die Vertreter der DHfGP. Und die Abbrecherquote? Johannes Marx spricht von 20 Prozent - die Doppelbelastung von betrieblicher und akademischer Ausbildung ist nicht ohne. Ob ein Bachelor-Student aussteigt, entscheide sich in der Regel aber bereits in den ersten sechs Monaten. Wer diese Hürde genommen habe, bleibe bei der Stange, zeige die Statistik. Nach dem ersten Semester schrumpfe der Dropout auf drei Prozent.

Insgesamt 280 Mitarbeiter zählt die Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement bundesweit, darunter 27 Professoren und über 100 pädagogische Mitarbeiter. Die Zahl der Studenten sei in den vergangenen Jahren um bis zu acht Prozent jährlich gewachsen, und nichts spreche dafür, dass sich daran demnächst etwas ändere, so Johannes Marx. Zum weiteren Wachstum beitragen soll unter anderem ein neuer Master-Studiengang Sport- und Gesundheitsmanagement, den die Hochschule mit der Saar-Uni aufbaut. Er startet im Sommersemester.