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Asta-Pläne werden nicht von allen geteilt
Gemischte Gefühle zum autofreien Campus

Für die Studentin Sahra Ait-Mazouz bedeutet ein Campus ohne Autos vor allem für Menschen mit körperlichen Behinderungen eine Verbesserung.
Für die Studentin Sahra Ait-Mazouz bedeutet ein Campus ohne Autos vor allem für Menschen mit körperlichen Behinderungen eine Verbesserung. FOTO: Maximilian Selent
Saarbrücken. Der Asta will das Uni-Gelände in Saarbrücken von den Blechboliden befreien. Unter den Studenten gehen die Meinungen auseinander. Von Maximilian Selent

Die Parkplatzsituation auf dem Saarbrücker Campus der Universität des Saarlandes erhitzt schon seit längerem die Gemüter. Nach der Diskussion um Parkgebühren im vergangenen Jahr forderte der Asta der Saar-Uni im Juni, dass der Campus autofrei werden solle. Auch der neugewählte Vorstand des Asta um Lukas Redemann und Judith Bühler steht hinter dieser Forderung. Ein autofreier Campus sei wegen der Probleme notwendig, die Behinderte auf dem Campus hätten. Die parkenden Autos verschlimmerten die Situation zusätzlich, so die Asta-Vorsitzenden. Rollstuhlfahrern würden Rampen versperrt, ebenso seien regelmäßig Bushaltestellen zugeparkt. Allgemein gehe es auch um die Sicherheit der Studenten, so der Asta.


In der Studentenschaft ergibt sich bei einer Umfrage auf dem Campus ein etwas anderes Bild: Auf die Frage, wie man zu der Forderung des Asta stehe, winken viele Studenten ab. Reaktionen wie „Dazu habe ich keine Meinung“ oder „Mir ist das egal, ich fahre kein Auto“, sind häufig zu hören.

Der Studentin Sahra Ait-Mazouz ist das Thema hingegen nicht gleichgültig. Sie studiert eigentlich an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, ist aber dennoch regelmäßig auf dem Campus der Saar-Uni. Ait-Mazouz unterstützt die Forderung des Asta: „Weniger Autos auf dem Campus wären sinnvoll, vor allem für körperlich eingeschränkte Personen und Fußgänger“, sagt sie.



Aus dem gleichen Grund befürwortet auch die 19-jährige Fiona Schrader einen autofreien Campus. „Ich fände das vor allem wegen der eingeschränkten Barrierefreiheit gut“, so die Studentin der Deutsch-Französischen Studien. „Allerdings erscheint mir der Vorschlag schwer umsetzbar. Der öffentliche Nahverkehr müsste dafür ausgebaut werden.“

Eine überzeugte Befürworterin des autofreien Campus ist auch die Psychologiestudentin Anke Hirsch. Sie kritisiert, dass der Campus ständig zugeparkt sei. Dadurch werde es Rollstuhlfahrern zusätzlich erschwert, die hohen Bordsteine zu überwinden. Ihr ist auch der Umweltaspekt wichtig: „Wir haben hier gute Luft am Campus. Es kommen sogar Menschen extra zum Joggen hierher“, so Hirsch. „Das soll auch so bleiben. Für Leute, für die es keine Alternative zum Auto gibt, sollte es Ausnahmen geben. Für alle anderen gibt es ja auch noch das Parkhaus.“

Auf die Frage, ob die Forderung nach einem Campus ohne Autos tatsächlich in absehbarer Zeit umgesetzt werden könne, reagieren die meisten Studenten skeptisch. Auch Martin Olscher glaubt nicht daran. „Ein autofreier Campus ist momentan unrealistisch“, so die Einschätzung des 23-Jährigen. „Ich finde die Maßnahme und das Engagement des Asta allerdings gut und richtig. Jedoch würde es vermutlich – wie so oft – an der Umsetzung scheitern“, sagt der Student der Wirtschaftsinformatik. Anstatt eines sofortigen Verbots seien zunächst kleinere Schritte notwendig. „Vielleicht könnte man einzelne Maßnahmen umsetzen, sodass zunächst nur ein Teil des Verkehrs eingeschränkt wird. Möglicherweise könnte man Plaketten oder ein Parkverbot für einzelne Stellen einführen.“ Er gibt zu bedenken, dass viele Studenten und Mitarbeiter der Uni schwere Modelle oder Technik in ihrem Fahrzeug transportieren müssten. „Diese Leute müssen weiter problemlos auf dem Campus parken können, zumindest für eine begrenzte Zeit.“

Auch Clara Küstenmacher ist der Ansicht, dass das Vorhaben nicht auf einen Schlag umsetzbar ist. „Ich denke, es braucht erst einmal einzelne Maßnahmen. Außerdem müssten attraktivere Alternativen für die Bediensteten der Uni geschaffen werden“, sagt Küstenmacher. Generell befürworte sie aber einen autofreien Campus, sofern gute Verbindungen durch den Öffentlichen Nahverkehr sichergestellt seien, so die Komparatistik-Studentin.

In der Studentenschaft regt sich allerdings auch Widerstand gegen das Vorhaben des Asta. „Die Parkhäuser sind voll, die Busse überfüllt und die Parkplatz-Situation an der Uni ist sowieso bescheiden“, beklagt Nele Zimmer. „Außerdem entsteht ein Problem für die Leute, die nicht aus der Region kommen. Stattdessen sollten eher mehr Parkplätze geschaffen werden. Außerdem sind die Wege zwischen den verschiedenen Gebäuden auf dem Campus lang – gerade in kurzen Pausen“, so die Meinung der Jura-Studentin.

Das Präsidium der Universität hatte den Vorschlag des Asta jüngst abgelehnt. Für einen autofreien Campus müssten, so die Begründung, neue Parkhäuser gebaut werden. Dafür fehle es derzeit aber vor allem an zwei Dingen: Platz und Geld.

Der 23-jährige Wirtschaftsinformatiker Matthias Olscher unterstützt die Forderungen des Asta zwar grundsätzlich, glaubt aber nicht, dass sie ohne Weiteres umsetzbar sind.
Der 23-jährige Wirtschaftsinformatiker Matthias Olscher unterstützt die Forderungen des Asta zwar grundsätzlich, glaubt aber nicht, dass sie ohne Weiteres umsetzbar sind. FOTO: Maximilian Selent