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| 19:37 Uhr

Das Geheimnis schlechter Übersetzungen

Saarbrücken. Viele deutsche Muttersprachler denken, Übersetzungen von literarischen Texten seien schlecht – oder zumindest schlechter als das Original. Eine junge Forscherin an der Saar-Uni ist der Frage nachgegangen, woher dieser Eindruck rührt. red

Die deutsche Sprache ist weltweit berühmt - manche sagen: berüchtigt - für ihre zusammengesetzten Hauptwörter. Neben einfachen Bildungen wie Haustür und Zeitungsleser finden sich im Deutschen auch Brocken wie Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitän. Das Französische und das Italienische hingegen verwenden andere sprachliche Strukturen. Italiener und Franzosen würden eher sagen: "die Tür des Hauses", "der Leser der Zeitung" oder eben "der Kapitän, der für die Gesellschaft arbeitet, die mit Dampfschiffen Schifffahrt auf der Donau betreibt". In deutschen Wörterbüchern findet man unzählige solcher Komposita, sie entstehen aber besonders häufig spontan aus einer konkreten Situation; "ad hoc" nennt das der Fachmann.

Auch Romanautoren verwenden sie aus verschiedenen Gründen. Um Platz zu sparen oder um kreativ und lustig zu sein. Etwa wenn eine Autorin das Blatt "Wachtturm" wenig schmeichelhaft als "Jehova-Kundenzeitschrift" bezeichnet. Für einen Übersetzer sind solche Wörter , die nicht im Wörterbuch stehen, besonders schwierig in eine andere Sprache zu übertragen.

Mit diesem Problem hat sich Anne Weber von der Universität des Saarlandes in ihrer Doktorarbeit befasst. Dabei hat sie unter anderem Auszüge aus 30 Romanen untersucht und besonders die sogenannten Nominalkomposita, also zusammengesetzte Hauptwörter, unter die Lupe genommen. Sie fand heraus, dass sie in deutschen Romanen weitaus häufiger vorkommen als in deutschen Übersetzungen aus dem Französischen oder Italienischen. Das gilt sowohl für solche, die im Wörterbuch erfasst sind, als auch für spontan gebildete. Deutsche Autoren verwenden also weitaus öfter zusammengesetzte Wörter als deutsche Übersetzer .

Unter Fachleuten ist allgemein bekannt, dass Übersetzer sich häufig von ihrer Vorlage leiten lassen. Steht dort beispielsweise "Seite des Buches", kann man das ohne Zweifel auch im Deutschen sagen. Aber vielleicht ginge auch "Buchseite"? "Diese Überlegungen mögen banal oder unwichtig klingen, für den professionellen Übersetzer sind aber gerade solche sprachlichen Feinheiten entscheidend", erklärt Anne Weber.

Die Idee für ihre Forschungsarbeit kam Anne Weber natürlich beim Lesen: "Ich habe viele übersetzte Bücher gelesen. Eines fand ich inhaltlich toll, aber sprachlich irgendwie seltsam. An einer Textstelle fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Denn dort stand ‚die Opfer des Erdbebens' und nicht ‚Erdbebenopfer'", erläutert die Wissenschaftlerin, die bis 2015 am Lehrstuhl für Romanische Übersetzungswissenschaft gearbeitet hat. Für ihre Doktorarbeit wird sie mit dem Eduard-Martin-Preis für herausragende Dissertationen der Universitätsgesellschaft des Saarlandes ausgezeichnet.