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„Wir sind das Fundament“

Eine Woche lang campierten Studenten der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften vor dem Präsidium, um gegen die Verteilung der Sparlast zu protestieren. Foto: Fachschaft
Eine Woche lang campierten Studenten der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften vor dem Präsidium, um gegen die Verteilung der Sparlast zu protestieren. Foto: Fachschaft FOTO: Fachschaft
Saarbrücken. Wie soll die Saar-Uni 2020 aussehen? In der Debatte darüber verhärten sich auf dem Saarbrücker Campus die Fronten. In die eigene Unileitung haben viele Studenten das Vertrauen verloren, die Forderung der Landesregierung, einen juristischen Sonderforschungsbereich einzuwerben, bezeichnet die Jura-Fachschaftsvorsitzende als „völligen Schwachsinn“. SZ-Redaktíonsmitglied Eva Lippold

An der Saar-Universität brodelt es - und der Ärger auf dem Campus richtet sich schon lange nicht mehr nur gegen die Landesregierung. Der Haussegen hängt schief. Auch zwischen Professoren, Unipräsidium und Studenten wird der Ton rauer. Eine klare Kampfansage machte Unipräsident Volker Linneweber den Vertretern der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, warf ihnen mangelnden Gemeinschaftsgeist vor (wir haben berichtet). "Frech" finden diesen Vorwurf die Fachschaftsvertreter der Fakultät. "Ich war völlig sprachlos, als ich das gelesen habe", sagt die Fachschaftsvorsitzende der Rechtswissenschaft, Katharina Waller. "Die Professoren der Fakultät und wir Studenten haben immer das Gespräch mit dem Präsidenten gesucht. Als ich die Überschrift gelesen habe, ist mir die Spucke weggeblieben."

Zum Protest gegen ihre Unileitung hielten die Fachschaften Ende Juni eine einwöchige Mahnwache auf dem Campus ab. Auf Plakaten prankte "Mehr Mittel für die Lehre" oder "Gemeinschaftsgeist - Wir sind hier". Es sei einfach nicht der richtige Zeitpunkt für interne Machtkämpfe, sagt der Fachschaftsvorsitzende der Wirtschaftswissenschaften, Moritz Plathe. "Was in der Vergangenheit passiert ist, sollte egal sein. Wir sitzen alle im sinkenden Schiff." Bereits jetzt leide die Lehre unter der verfahrenen Spardiskussion. "Es herrscht völliger Stillstand", sagt Plathe. "Wichtige Entscheidungen, die unser Studium sicherstellen, werden einfach nicht gefällt."

Ein Beispiel sei die Nachfolgeregelung von Wirtschaftsprofessor Joachim Zentes, die immer wieder aufgeschoben werde. Nun bleibt der Lehrstuhl für Internationales Management im kommenden Wintersemester unbesetzt, mindestens 100 Masterstudenten haben jedoch diesen Schwerpunkt gewählt, sagt Plathe. "Die finden jetzt niemanden, der ihre Masterarbeit betreut."

Vieles, was das Präsidium in den vergangenen Monaten entschieden hat, können Plathe und Waller nicht nachvollziehen. Auch den Plan, die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät künftig zu trennen. "Die Idee kommt zur Unzeit", sagt Plathe. Einerseits spreche Volker Linneweber von Hochschulautonomie, regiere dann aber in die einzelnen Fakultäten hinein, so der Vorwurf von Plathe und Waller. Und dabei fehle dem Präsidenten "einfach der Durchblick, die Weitsicht und ein echtes Konzept", sagt die Fachschaftsvorsitzende Waller. "Und trotzdem hört er uns nicht richtig zu."

"Völliger Schwachsinn"



Scharfe Kritik äußert die Jurastudentin auch an den Forderungen der Landesregierung. Laut Landeshochschulentwicklungsplan sollen die Juristen der Saar-Uni künftig exzellente Forschung betreiben und einen eigenen Sonderforschungsbereich (SFB) einwerben. "Das ist völliger Schwachsinn", sagt Katharina Waller. "Warum jetzt den einzigen rechtswissenschaftlichen Sonderforschungsbereich in ganz Deutschland aus dem Boden stampfen, wenn noch nicht einmal die Grundlehre gesichert ist?", fragt sie. "Ohne eine gute Lehre gibt es auch keine exzellente Forschung, und ohne eine gewisse Grundausstattung kann ich auch keine Drittmittel einwerben", fügt Plathe hinzu.

Weder die Landesregierung noch das Unipräsidium hätten fachlich genügend Einblick, um über einzelne Lehrstühle oder Forschungsschwerpunkte zu entscheiden, sagen die Fachschaftler. Deshalb fordern sie mehr Mitspracherecht für Professoren und Studenten . "Wir Studenten sind das Fundament. Ohne uns sollte nichts entschieden werden", sagt Plathe.

"Das Unipräsidium hat einfach zu viel Macht", sagt Katharina Waller. In der ganzen Spardebatte an der Universität habe es durchweg an demokratischen Prozessen und einer offenen Debatte gemangelt, der Uni-Senat habe zu wenig Entscheidungsbefugnis. "Wenn man immer nur die Erfahrung macht, dass man ohnehin nichts ändern kann, ist das sehr frustrierend", sagt Waller.

Ein studentisches Sparkonzept

Weder bei der Landesregierung noch beim Unipräsidium sehen die Studenten ihre Zukunft in guten Händen. Deshalb wollen die Fachschaften der Saar-Uni nun selbst Vorschläge ausarbeiten, wie die Sparlast an den einzelnen Fakultäten umgesetzt werden kann. "Ich wünsch mir ein Konzept für das große Ganze", sagt Katharina Waller. "Wir müssen gemeinsam an den Fakultäten schauen: Wo brauchen wir eine Grundfinanzierung, wo müssen wir dringend Löcher stopfen, um Grundlehre sicherzustellen. Wenn das passiert ist, kann man darauf aufbauen." Bis zum Beginn des Wintersemesters wollen die Fachschaften der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ihr eigenes Sparkonzept vorlegen.

Moritz Plathe und Katharina Waller, die Fachschaftsvorsitzenden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Saar-Uni, fühlen sich von der Unileitung allein gelassen. Foto: Reinhardt
Moritz Plathe und Katharina Waller, die Fachschaftsvorsitzenden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Saar-Uni, fühlen sich von der Unileitung allein gelassen. Foto: Reinhardt FOTO: Reinhardt