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Kampf gegen Keime
Auszeichnung für Infektionsforscher an der Saar-Universität

Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa unter dem Mikroskop. Für geschwächte Menschen können sie sehr gefährlich werden.
Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa unter dem Mikroskop. Für geschwächte Menschen können sie sehr gefährlich werden. FOTO: Universität des Saarlandes / HZI/Manfred Rohde
Saarbrücken. Für seinen Kampf gegen resistente Keime erhält der Chemiker Alexander Titz den Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie.

Alexander Titz, Leiter der Nachwuchsgruppe „Medizinische Chemie von Naturstoffen“ an der Saar-Uni, wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker mit dem Innovationspreis in Medizinisch/Pharmazeutischer Chemie 2018 ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1999 verliehen und würdigt herausragende wissenschaftliche Publikationen und Ergebnisse in der medizinisch-pharmazeutischen Chemie. Die Jury würdigt damit Titz Engagement im Kampf gegen Bakterien der Art Pseudomonas aeruginosa.


Diese Keime können alle Organe des Menschen sowie Implantate befallen und in einer dicht zusammengelagerten Gemeinschaft – einem sogenannten Biofilm – lange Zeit im Körper überdauern. Dabei schützt sie der Biofilm vor dem Immunsystem und schirmt sie sogar gegen Antibiotika ab. Besonders für Krankenhauspatienten mit geschwächtem Immunsystem ist der Erreger gefährlich. Bakterien dieser Art können zum Beispiel wiederkehrende Lungenentzündungen, Blutvergiftungen oder chronische Wundinfektionen verursachen. Wissenschaftler suchen seit längerer Zeit nach möglichen Angriffszielen in den Prozessen der Biofilmbildung, um Pseudomonaden zu bekämpfen.

Dem Team von Titz ist es am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) mit einem selbst entwickelten Molekül gelungen, die Biofilmbildung bei Pseudomonas zu unterdrücken. Das Molekül besitzt gegenüber gängigen Hemmstoffen einen entscheidenden Vorteil: Durch seine geringe Größe eignet es sich zur oralen Einnahme, was bei entsprechenden Wirkstoffen bisher nicht möglich war.

Alexander Titz studierte Chemie an der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Bordeaux. Seine Diplomarbeit fertigte er bei der Novartis Pharma AG an. Nach seiner Promotion an der Universität Basel über die Medizinische Chemie von Kohlenhydrat-Protein-Interaktionen forschte er bis zum Jahr 2010 an der ETH Zürich. Für seine dortigen Arbeiten erhielt er den Klaus-Grohe-Preis für Medizinische Chemie. Danach wechselte Alexander Titz an die Universität Konstanz, wo er sich bereits mit der Entwicklung von Biofilmhemmstoffen beschäftigte.

Alexander Titz, Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung.
Alexander Titz, Mitarbeiter am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. FOTO: Uni Konstanz