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Aufnahmetest ersetzt Numerus clausus

Uni-Auswahl : Chance und Risiko: Eignungstests der Unis sind umstritten

Immer mehr Hochschulen in Deutschland schicken Bewerber für einen Studienplatz durch Auswahlverfahren. Doch die sind nicht immer transparent.

(dpa) Wer studieren möchte, kann sich laut Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) deutschlandweit in 60 Prozent der Studiengänge mit einer Hochschulzugangsberechtigung frei einschreiben. Gibt es aber mehr Bewerber als Plätze, kann die Uni entscheiden, an wen sie den Studienplatz vergibt. Oft erfolgt dabei die Auswahl nach der Abiturnote. „In den vergangenen Jahren ist es jedoch immer üblicher geworden, Bewerber vor Antritt des Studiums zusätzlich zu prüfen“, sagt Claudia Finger vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin.

Manche dieser Tests müssten Bewerber zwingend bestehen, um sich für einen Studiengang zu qualifizieren. Das gelte etwa für praktisch-künstlerische Studiengänge wie Musik, Theater, Schauspiel, Kunst oder Design. Auch wer Sport studieren wolle, müsse sich zuvor beweisen. Andere Tests seien freiwillig und verbesserten bei guten Ergebnissen die Chancen auf einen Studienplatz, so Finger. Dazu zähle beispielsweise der Test für medizinische Studiengänge (TMS). „In beiden Fällen ist es das Ziel, die Kandidaten herauszusuchen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit das Studium erfolgreich abschließen“, sagt Finger.

Üblich sind Tests laut einer Untersuchung des CHE mittlerweile auch in den Studiengängen Architektur, Anglistik, Amerikanistik, BWL und Soziale Arbeit. Bis auf wenige Ausnahmen wie bei den Mediziner- und Sporttest bestimme jede Universität selbst, wie der Test aussehe und was verlangt werde. Wie bereiten sich Abiturienten am besten auf den Test vor? Professorin Edith Braun von der Universität Gießen hat mit ihrem Team Testverfahren an deutschen Hochschulen untersucht. „Unser Eindruck war, dass viele Hochschulen eher intransparent waren. Erst nach mehreren Nachfragen haben sie Details zu den Anforderungen und dem Aufbau der Tests herausgegeben.“

Auf den Internetseiten der Hochschulen zeichne sich oft ein ähnliches Bild ab, sagt Cort-Denis Hachmeister vom CHE. Gebe es keine Infos zu den Testverfahren, könne sich ein Blick in die Studien- und Prüfungsordnung oder in die Auswahlsatzung lohnen. „Wenn einem nach gründlicher Recherche immer noch Informationen fehlen, kann man die Studienfachberatung oder Fachschaft kontaktieren“, rät Hachmeister. Getestet würden Fähigkeiten, die für ein Studium wichtig seien, sagt Braun. „Meiner Meinung nach werden die jedoch auch alle sehr gut in der Abiturnote abgebildet. Sie fasst Leistungen aus zwei Jahren zusammen, die von der eigenen Motivation und den kognitiven Fähigkeiten natürlich stark beeinflusst werden.“

Ein Test dagegen bevorzuge diejenigen, die wettbewerbsorientiert seien und gut mit Prüfungssituationen umgehen könnten. Hinzu komme, dass die Tests von den privaten Agenturen, die sie erstellen, nicht gratis angeboten werden. „Die Kosten müssen in der Regel die Bewerber tragen“, so Braun. Für den dezentralen Mediziner-Test waren das im vergangenen Jahr 83 Euro.

(dpa)