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Die Mensen unter neuer Führung
An der HTW beginnt eine neue Ära

Aktuell wird in der Mensa noch umgebaut. Laut dem Innenministerium sollen die Arbeiten allerdings wie geplant Anfang April fertig sein.
Aktuell wird in der Mensa noch umgebaut. Laut dem Innenministerium sollen die Arbeiten allerdings wie geplant Anfang April fertig sein. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken . Am 5. April endet eine deutschlandweit einzigartige Regelung. Der AStA gibt die Kontrolle über die Mensen ab. Von David Seel

Die Mensen werden an deutschen Hochschulen in aller Regel von den örtlichen Studentenwerken betrieben. An der Hochschule für Wirtschaft und Technik des Saarlandes (HTW Saar) war das bisher allerdings anders. Hier war der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) für die Organisation des Mensabetriebs verantwortlich. Mit der Einweihung des neuen Zentralgebäudes auf dem HTW-Campus in Alt-Saarbrücken, das unter anderem die Mensa beherbergt, wird sich das nun ändern.


Im Zuge der Neustrukturierung hatte die HTW den Betrieb der Mensen neu ausgeschrieben, den Zuschlag bekam letztlich das Studentenwerk im Saarland. Der Verein verwaltet bereits die Mensen der Universität des Saarlandes, der Hochschule für Musik Saar und der HTW Saar auf dem Campus in Göttelborn. Außerdem kümmert er sich unter anderem um die Studenten-Wohnheime und die Kinderbetreuung für Studenten der Saar-Uni. Neu dazu kommen jetzt die HTW-Mensen in Alt-Saarbrücken und am Rotenbühl.

Der AStA habe die HTW-Mensen seit mehr als 20 Jahren verwaltet, sagt Patrick Nagel, Stellvertretender Vorsitzender des AStA an der HTW Saar. „Das war im Saarland eine deutschlandweit einzigartige Situation, dass das Studentenwerk als privater Verein nicht für alle Studenten zur Verfügung stand“,  ergänzt Wolrad Rommel, Präsident der HTW. Es sei damals nicht gelungen, eine einheitliche Regelung durchzusetzen. „Die Unterstützung wurde völlig unfair verteilt“, so Rommel. „Ich kämpfe seit Jahren für ein gemeinsames Studentenwerk, das auch unseren Studenten offensteht.“ Mit der neuen Regelung sei jetzt ein erster Zwischenschritt erreicht.



Aktuell laufen in der Mensa in Alt-Saarbrücken noch Umbaumaßnahmen unter der Leitung des saarländischen Innenministeriums. Die Bauarbeiten verliefen planmäßig, sagt Katrin Thomas, Pressesprecherin des Ministeriums. „Wir sind genau im Zeitplan, alles läuft zufriedenstellend.“ Der reguläre Mensabetrieb werde also voraussichtlich ab dem 5. April wieder aufgenommen werden können.

Studenten an der HTW müssen dann etwas tiefer in die Tasche greifen. „Wir werden die Preise an die in unseren anderen Mensen angleichen“, sagt Christian Wagner, Vizepräsident für Planung und Strategie an der Saar-Uni und Vorstandsvorsitzender des Studentenwerks. Der Mensabeitrag soll ab dem Wintersemester 2018/19 von bisher 65 Euro auf 73,70 Euro pro Semester angehoben werden. Der Preis für ein Menü mit Fleischbeilage wird von aktuell 2,60 Euro auf 2,95 Euro steigen. Vegetarier kommen allerdings ein wenig besser weg: Für ein Menü ohne Fleisch werden vom Studentenwerk 2,35 Euro berechnet – 15 Cent weniger als bisher. Beim AStA der HTW zeigt man sich von der Preiserhöhung wenig begeistert: „Wir sehen das eher negativ“, sagt Patrick Nagel. „Den Studenten ist ja letztlich egal, wer die Mensa betreibt. Hauptsache, das Essen bleibt günstig“, so seine Einschätzung.

Christian Wagner begründet  die höheren Preise folgendermaßen: „Wir sind in einer etwas anderen Situation, als es der AStA war“, so der Vorstandsvorsitzende des Studentenwerks. „Wir müssen beispielsweise für die Energiekosten selbst aufkommen.“ Patrick Nagel bestätigt, dass dem AStA diese Kosten nicht in Rechnung gestellt worden seien. „Das war eine Art Subventionierung von Seiten der HTW“, so Nagel. „Natürlich macht das Studentenwerk als gemeinnütziger Verein keinen Gewinn mit der Mensa“, ergänzt Christian Wagner. Die Kosten überstiegen die Einnahmen bei weitem, die Verluste könnten ohnehin nur durch staatliche Subventionen kompensiert werden. „Wir haben unseren Kostenplan von einem unabhängigen Consulting-Unternehmen durchrechnen lassen, das auf die Organisation von Großküchen spezialisiert ist“, so Wagner. „Die kamen auf die gleichen Zahlen wie wir.“

Was den Speiseplan angeht, wird sich laut Wagner nicht viel ändern. „Unser Verein wird ja auch zum großen Teil von Studenten betrieben. Die haben bei uns genauso viel Mitspracherecht, wie sie das beim AStA hatten.“ Die Speisepläne sollten weiterhin in enger Zusammenarbeit mit den Studenten erstellt werden. „Als Studentenwerk haben wir Zugang zu anderen Lieferanten als der AStA, das ändert aber nichts am Essensangebot“, so Wagners Einschätzung. Zudem werde das bestehende Personal übernommen. „Es sind ja die gleichen Köche, also wird es auch genauso gut schmecken“, erklärt Wagner lachend.

Die Übernahme der Mensa-Organisation wird voraussichtlich nicht die letzte Kooperation zwischen Studentenwerk und HTW bleiben. Schon jetzt stehen Angebote wie die Psychologische Beratungsstelle auf dem Campus der Saar-Uni für Studenten beider Hochschulen offen. Das gilt allerdings noch nicht für die Studentenwohnheime oder die Kinderbetreuung, die das Studentenwerk betreibt. Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen, soll sich auch das in naher Zukunft ändern.

„Wir würden der HTW künftig gerne unser gesamtes Angebot zur Verfügung stellen“, sagt Christian Wagner. „Das ist natürlich absolut in unserem Interesse“, so Wolrad Rommel. Vor allem an der Wohnsituation von Studenten die nicht aus dem Saarland kämen, müsse sich etwas ändern. „Wir haben bisher wenige Studenten von außerhalb“, sagt Rommel. Bessere Wohnungsangebote könnten  seiner Meinung nach mehr Studenten ins Saarland locken. „Jetzt ist der Landtag am Zug, wir brauchen einen entsprechenden Gesetzesentwurf, der das regelt“, so der Präsident der HTW.